Israel beginnt Gaza-Bodenoffensive

Israelische Panzer auf dem Weg zum Gazastreifen.
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Israelische Panzer auf dem Weg zum Gazastreifen.

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Israelische Soldaten sind in den Norden und Osten des Gazastreifens eingerückt. Das berichteten palästinensische Augenzeugen und israelische Medien am Samstagabend.

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03. Januar 2009, 09:00 Uhr

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Israelische Soldaten sind in den Norden und Osten des Gazastreifens eingerückt. Das berichteten palästinensische Augenzeugen und israelische Medien am Samstagabend.

Ein israelischer Armeesprecher in Tel Aviv erklärte, die zweite Phase der seit vergangenem Samstag laufenden Militäroperation im Gazastreifen habe begonnen. Ziel sei es, operative Einrichtungen der radikal- islamischen Hamas zu treffen, um den Raketenbeschuss israelischer Städte zu stoppen.

Nach über einwöchigen Luftschlägen hatte Israel zuvor mit dem Einsatz der Artillerie seine Angriffe auf den Gazastreifen ausgeweitet. Wie israelische Medien berichteten, wurden vor allem Ziele entlang des Grenzverlaufs beschossen. Schwere Explosionen wurden auch aus der Stadt Gaza gemeldet. Von Beobachtern wurde der Artillerieeinsatz als möglicher Hinweis auf den bevorstehenden Beginn der angedrohten Bodenoffensive gesehen.

Auch die israelische Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf Einrichtungen der in Gaza herrschenden radikal-islamischen Hamas fort, während militante Palästinenser weiter Raketen auf Israel abfeuerten. Weltweit gingen wieder zehntausende Menschen gegen den israelischen Militäreinsatz auf die Straße.

Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde stieg die Zahl der Todesopfer am achten Tag der israelischen Angriffe auf 461. Unter den Opfern seien 75 Kinder und Jugendliche sowie 37 Frauen. Mehr als 2300 Palästinenser wurden demzufolge bisher verletzt. Auf israelischer Seite starben durch den Raketenbeschuss militanter Palästinenser bislang vier Menschen.

Erstmals setzte Israel am Samstag auch die Artillerie ein, die zusammen mit Panzerverbänden bereits seit Tagen entlang der Grenze zum Gazastreifen in Angriffsposition gebracht worden war. Dabei nahm sie nach Berichten der Tageszeitung «Haaretz» vor allem freies Gelände entlang der Grenze unter Beschuss, möglicherweise um Minenfelder im Vorfeld eines Bodeneinsatzes auszuschalten.

Die israelische Luftwaffe griff am Samstag nach Angaben einer Armeesprecherin mehr als 40 Ziele an. Dabei wurde auch der ranghohe Hammas-Kommandeur Abu Zakaria al-Dschamal getötet. Bei dem Beschuss einer Moschee in Beit Lahia starben nach palästinensischen Angaben elf Menschen, 50 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der Armee schossen radikale Palästinenser im Laufe des Tages 15 Raketen auf Israel ab. Beim Einschlag einer Grad-Rakete in der rund 40 Kilometer nördlich des Gazastreifens gelegenen Stadt Aschdod wurden zwei Menschen durch Metallsplitter verletzt. In Aschkelon brach nach der Explosion einer Rakete in einem Haus Feuer aus.

Ungeachtet der Opferzahlen und Schäden ist die Hamas weiterhin nicht zum Einlenken bereit. Hamas-Politbürochef Chaled Maschaal kündigte an, seine Organisation werde nicht aufgeben und vor Israel kapitulieren. Zugleich warnte er vor einer Bodenoffensive im Gazastreifen. «Ihr Soldaten der Besatzungsmacht müsst begreifen, dass auf Euch das dunkle Schicksal von Tod, Verletzung und Gefangennahme wartet», sagte er in Damaskus.

Unterdessen gingen die internationalen Bemühungen zur Eindämmung der Gewalt im Nahen Osten weiter. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an die islamischen Staaten, all ihren Einfluss für eine Beendigung der Raketenangriffe radikaler Palästinenser auf israelisches Territorium geltend zu machen. Dies allein könne den Weg für eine Waffenruhe öffnen, in der diplomatische Aktivitäten für eine politische Lösung des Konflikts ergriffen werden könnten, sagte Steinmeier nach Angaben seines Ministeriums in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan.

Steinmeier machte noch einmal deutlich, dass der nächste Schritt zur Beendigung der Kampfhandlungen eine humanitäre Waffenruhe sein müsse, die die dringend erforderliche Versorgung der Zivilbevölkerung erlaube. Eine solche «humanitäre Waffenruhe» lehnt Israel bislang ab, weil nach Ansicht der Regierung im Gazastreifen keine humanitäre Krise ausgebrochen ist. Dagegen sprechen UN-Organisationen in einem neuen Bericht von einer «entsetzlichen» Lage.

US-Präsident George W. Bush machte in seiner wöchentlichen Radioansprache deutlich, dass er eine Waffenruhe nur dann für sinnvoll halte, wenn sichergestellt sei, dass sich die Hamas auch daran halte. Bush verlangte ein «dauerhaftes» Ende der Gewalt im Nahen Osten und eine Rückkehr «zum Pfad des Friedens».

Weltweit protestierten am Samstag erneut Zehntausende gegen den israelischen Militäreinsatz. Allein in Deutschland wurden weit mehr als 20 000 Demonstranten gezählt. In Paris bekundeten nach Angaben der Veranstalter etwa 25 000 Menschen ihre Solidarität mit den Palästinensern. In Großbritannien versammelten sich in rund 20 Städten ebenfalls deutlich mehr als 10 000 Menschen zu Protestaktionen. Auch in Israel selbst gab es Demonstrationen, an denen sich vor allem israelische Araber beteiligten.

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