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Zwei Kinder getötet : Glinde: Familiendrama hinter hohen Hecken

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In einem Mehrfamilienhaus in Glinde (Kreis Stormarn) hat sich am Freitagmorgen offenbar ein Familiendrama ereignet. Ein sechsjähriger Junge und ein vierjähriges Mädchen starben. Der tatverdächtige Vater wurde festgenommen.

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erstellt am 24.Jan.2014 | 11:22 Uhr

Bei einem Familiendrama in Glinde im Kreis Stormarn sind zwei kleine Kinder getötet worden. Die Polizei fand das vierjährige Mädchen und den sechsjährigen Jungen am Freitagmorgen tot in einem Einfamilienhaus. Nach ersten Ermittlungen seien sie durch Gewalteinwirkung mit einem Messer im Halsbereich gestorben, teilte die Polizei mit. Laut Staatsanwaltschaft soll ein Messer zum Einsatz gekommen sein.

Nichts deutet in dem bürgerlichen Wohnviertel vor den Toren Hamburgs auf die schreckliche Tat hin. Rauchschwaden steigen an diesem frostigen Wintermorgen von den Kaminen auf. Vorhänge in den Fenstern verschleiern das Licht von Zimmerlampen in der Siedlung am Rande der Kleinstadt Glinde. Hier und da baumelt in den Gärten ein Vogelhäuschen von einem Ast. Wo viele Bewohner ihr bürgerliches Glück hinter mannshohen Hecken und penibel lackierten Holzzäunen zu verschanzen versuchen, ereignete sich die nahezu unfassbare Tat: Ein 38-jähriger Familienvater soll seine vierjährige Tochter und seinen sechsjährigen Sohn umgebracht haben.

Um 6.50 Uhr alarmiert am Freitagmorgen ein Notruf die Polizei in der Lübecker Einsatzleitstelle. Ein Anrufer gesteht, seine beiden Kinder getötet zu haben. Mit Blaulicht eilen die Ermittler zum Tatort. Dort finden die Polizisten die Kinder leblos in einem Zimmer.

Der 38 Jahre alte Vater der Kinder wurde unter Tatverdacht festgenommen. Noch am Freitagnachmittag wurde er dem Haftrichter in Lübeck vorgeführt. Der Tatverdächtige, der bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten war, wurde in die psychiatrische Klinik nach Neustadt gebracht. Nach den bisherigen Erkenntnissen leidet der Mann an einer geistigen Erkrankung, die eine Schuldfähigkeit ausschließt.

Die 30 Jahre alte Mutter, die sich beim Eintreffen der Polizei ebenfalls in dem Einfamilienhaus aufhält, kommt sofort in psychologische Behandlung, schildert Polizeisprecherin Carola Aßmann die Ereignisse. Das Motiv liegt im Dunklen.

Am Tatort ziehen Streifenwagen und Autos von Fernsehsendern die neugierigen Blicke von flanierenden Rentnern an. Hinter dem Absperrband bauen sich Polizisten wie eine menschliche Wand vor den Fotografen auf. Zweimal tragen Beamte vom Hauseingang jeweils eine Bahre zur geöffneten Heckklappe eines grauen Transporters. Der Wagen rollt davon, der Medientross zieht sich nach und nach zurück. Zurück bleiben die Nachbarn und ihre Gedanken.

Eine ältere Dame – dick eingehüllt in Wollmütze und Mantel - fegt eine fingerdünne Schneeschicht vom Bürgersteig. Die Familie, die seit etwa drei Jahren zwei Häuser weiter gewohnt habe, kenne sie nur flüchtig vom Sehen, erzählt sie, während der Besen unablässig Streifen für Streifen des Neuschnees vom Trottoir schiebt. „Er hat mit den Kindern oft im Garten gespielt“, sagt sie über den Vater. „Manchmal mit Spielzeugen auch auf der Straße. Die beiden habe ich als fröhliche Kinder in Erinnerung.“ Durch die dichten Sträucher kann man einen Basketballständer auf der Wiese der Familie erkennen.

Offensichtlich hatte der mutmaßliche Täter eher einen geringen Kontakt zu den Anwohnern gepflegt. Er soll nach unbestätigten Angaben eine Zahnarztpraxis in Hamburg haben. „Ich wusste gar nicht, dass in dem Haus überhaupt Kinder wohnen. Man kennt sich hier in der Straße nicht sonderlich gut“, sagt eine weitere Nachbarin, Pascale Guenard.

Nicht weit davon entfernt bringt Beate Plichta gerade ihre achtjährige Tochter von der Schule nach Hause: „Was heute passiert ist, ist Wahnsinn“, sagt sie betroffen. Ein ganzes Stück weiter weg bleibt ein Teenager-Trio von der Nachricht wie angewurzelt stehen. „Die Leute hier sind gesittet und nett, die Gegend ist eigentlich friedlich“, stammelt der 13-jährige Fin, ein Junge mit Zahnspange und Fahrrad.

„Gewaltdelikte kommen genauso in Plattenbausiedlungen wie in guten Vierteln vor“, sagt Polizeisprecherin Aßmann. Wenig später nimmt ein weiterer Nachbar vor seinem Haus einen Besen in die Hand. Wortlos kehrt er – bis kurz vor den Tatort. Vor dem Grundstück hat sich inzwischen ein Gewirr von Reifenlinien in den Schneeboden eingekerbt.

Die Stadt Glinde liegt etwa sieben Kilometer von der östlichen Hamburger Stadtgrenze entfernt und hat rund 17.600 Einwohner. Der Bürgermeister war am Freitag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

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