„Zu viele Rezepte verderben den Brei!“ : Eine Hommage: Warum ich es liebe, mit Kochbuch zu kochen

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Ich, Finja, mit meiner kleinen Kochbuch-Sammlung.
Ich, Finja, mit meiner kleinen Kochbuch-Sammlung.

Selber kochen: die größte Inspirationsquelle dafür ist heutzutage das Internet. Aber ist es auch die beste? Nein, findet unsere Redakteurin und schreibt eine Hommage ans Kochen mit dem Kochbuch.

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30. Januar 2021, 10:30 Uhr

Hamburg | Es ist Samstagvormittag und mal wieder frage ich mich: Was soll ich bloß kochen? Eine Frage, die ich mangels Ideen und Zeit weiter gebe an das Internet. Wie erwartet, werde ich von Ergebnissen erschlagen: Lecker.de will, dass ich mich durch eine Galerie mit 40 Rezepten klicke. Chefkoch schlägt mir ein Potpourri aus mal mehr, mal minder essbaren Gerichten vor: vom sogenannten Sneshanka Salat, bestehend aus Eiern und Gurken – welch Genuss! –, bis zum Partygulasch, das erstaunliche Ähnlichkeit mit dem bräunlichen Mensa-Brei aus Schulzeiten hat. Mehr als 60 Gerichte bietet mir Foodboom an – "wild und bunt durcheinander", wirbt die Webseite und trifft es damit auf den Punkt. Nuss-Lachs mit Pellkartoffeln und Quark? Oder Hirse-Taler mit Baba Ganoush? Ich lege das Handy beiseite. Die vielen healthy-trendfood-Gerichte, veganen Bowls und Partygulaschs überfordern mich.

Regelmäßig habe ich so vor meinem Smartphone gehockt und bin an der Ergebnisflut verzweifelt. Bis ich gemerkt habe, dass mich die Menge an Rezeptvorschlägen im Internet eher abschreckt, als mich zu inspirieren. Eine Garantie für das beste Rezept kriegt man im Netz nicht – auch dann nicht, wenn man sehr genau weiß, was man kochen will. Das musste ich erfahren, als ich eine Quiche Lorraine für die Familie machen wollte. Ein Klassiker – da sollten die Rezepte ja ohnehin die gleichen sein, richtig?

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David Ebener

Selbes Gericht, verschiedene Zutaten

Aber Pustekuchen: Beim Blick auf die drei Rezepte mit der besten Bewertung in der Google-Suche musste ich feststellen, dass sie sich bereits in den grundsätzlichsten Zutaten unterschieden. In Rezept Nummer eins hätte ich für den Teig Mehl, Butter und ein Ei benötigt, das zweite verlangte dagegen eine Rolle fertigen Blätterteig. In der dritten Anleitung wurde der Teig zwar selbstgemacht, aber dafür bestand die Füllung aus völlig anderen Zutaten als in den ersten beiden Rezeptbeschreibungen. Brauche ich nun eine Stange Lauch oder nur Zwiebeln? Creme Fraiche oder Sahne? Zu meiner Überforderung mischte sich leichte Verzweiflung.

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Online-Rezepte mit abschreckenden Namen und Zutaten

Ich könnte noch lange weiter berichten über die Qual des Kochens mithilfe des Internets: Von teigverschmierten Fingern, mit denen sich das Rezept auf dem Handy nicht weiterscrollen lässt oder dem Klecks Schmand, der auf dem Display statt im Topf landet. Von Rezepten, die offenbar noch nie getestet wurden oder so fancy sind, dass Namen und/oder Zutaten schon abschrecken (oder wisst ihr was sich hinter einem Charentais-Melonensalat verbirgt oder ob ein Gurken-Cappucchino schmeckt?). Viel lieber verrate ich euch meine Lösung des Problems, die so einfach wie banal ist: nutzt das Kochbuch!

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Ich finde das Kochen mit Kochbuch entspannter. Wann immer die Zeit es erlaubt und das Buch in Reichweite ist, ziehe ich es der Internetrecherche vor. Die Suche nach Rezepten macht mehr Spaß, das Blättern durch schön gestaltete Seiten, das Lesen der kleinen Infoboxen, in denen interessante Tipps und Tricks zu den jeweiligen Zutaten stehen – herrlich. Ich mag, dass die Auswahl an Rezepten beschränkt und die Gerichte ausgereift sind. Kochbücher entstehen meist in Kooperation mit gelernten Köchen und sind daher praxistauglich, im Gegensatz zu vielen Internetrezepten. Sowieso verlasse ich mich ungern auf die Ergebnisse des Google-Algorithmus – ich habe lieber selbst in der Hand, welche Küche ich koche: Nehme ich ein asiatisches Kochbuch, eins mit Hausmannskost, lieber Low-Carb oder doch eines für die schnelle Küche?

Mein Kochbuch wird geliebt!

Es mag komisch klingen, doch mein persönlich wichtigstes Pro-Kochbuch-Argument ist die Individualität. Ein Buch hat Geschichte: Gerade, wenn Mutter oder Oma schon damit kochten und man die Rezepte aus der Kindheit kennt, ist ein Kochbuch etwas Besonderes. Gefällt mir ein Online-Rezept, kann ich es außerdem lediglich per Link oder Lesezeichen speichern, wo es in meinem Handy-Chaos ohnehin wieder untergeht. Ein Buch hingegen steht zuhause im Regal, hat dort seinen festen Platz und somit einen ganz anderen Stellenwert als ein Link irgendwo im Smartphone. Und ich kann in ein Buch hineinschreiben, Notizen machen wie: "Nur eine Peperoni, sonst zu scharf!" oder "Auch vegetarisch lecker". Flecken und speckige Fingerabdrücke zeugen davon, dass das Buch gerne genutzt und geliebt wird.

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David Ebener

Doch zugegeben: Natürlich sind auch Kochbücher nicht unfehlbar. Man braucht eine gewisse Auswahl, es soll schließlich nicht nur noch Low-Carb-Gerichte geben. Fast immer sind außerdem ein, zwei Speisen dabei, die einem nicht zusagen. Und auch aus Sicht der Umwelt ist die Online-Rezeptwelt wahrscheinlich nachhaltiger, als ein gedrucktes Buch.

Dennoch gilt für mich: Zu viele Rezepte verderben den Brei! Wenn es meine Zeit zulässt, ist mein Samstagvormittag dem Kochbuch-Schmökern und Einkaufszettel-Schreiben vorbehalten.

Und, wo holst du dir Kochinspiration?

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