„Bunny“ ist ein Star auf TikTok : Besitzerin bringt Hündin das „Sprechen“ bei – wie geht das?

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Menschen sprechen viel und gerne mit ihren Tieren - sei es Zuhause, im Wald oder unterwegs. Mit einer Antwort rechnet man eigentlich nicht. Die können einige Hunde jetzt dank einer neuen Methode aber geben.
Menschen sprechen viel und gerne mit ihren Tieren - sei es Zuhause, im Wald oder unterwegs. Mit einer Antwort rechnet man eigentlich nicht. Die können einige Hunde jetzt dank einer neuen Methode aber geben.

Christina Hunger, eine Logopädin aus den USA, hat ihrer Hündin das Sprechen beigebracht. Inzwischen ist ihre Methode zum TikTok-Trend geworden. Wie viel steckt aber wirklich dahinter?

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19. Juni 2021, 12:00 Uhr

San Diego/München | In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wie Christina Hunger ihrer Hündin Stella das Sprechen beigebracht hat.
  • Was eine Hundeexpertin zu den kommunikativen Vierbeinern sagt.
  • Welche Methoden es noch gibt, um den eigenen Hund besser zu verstehen.

"Welche Superkraft hättest Du gerne?" – diese Frage ist fast jedem in der Kindheit, im Jugend- oder vielleicht sogar im Erwachsenenalter schon einmal begegnet. Die Antworten erstrecken sich meist vom Fliegen, übers Gedanken lesen bis hin zum Sprechen mit Tieren. Dabei handelt es sich um das Phantastische, klar, aber was wäre, wenn Tiere mit ihren Besitzern sprechen könnten?

Eben diesen Anschein erwecken seit etwa 1,5 Jahren Videos auf TikTok, Instagram und YouTube, die Hundebesitzer von ihren Vierbeinern mit der Welt teilen. Darauf sagen die Tiere Frauchen und Herrchen per Knopfdruck, dass sie gerne spielen, etwas fressen oder nach draußen möchten. Auch das ein oder andere "I love you" oder die Bitte um Hilfe sieht man die Hunde dort formulieren. Aber was steckt eigentlich dahinter und wissen Bello, Stella und Co. wirklich was sie sagen?

Hündin Stella kommuniziert per Knopfdruck

Die Methode kommt aus den USA. Christina Hunger, eine Sprachtherapeutin aus Kalifornien, hat sie erfunden, um ihrer Hündin Stella das "Reden" beizubringen. Mithilfe eines selbstgebauten Bretts, auf dem mehrere Sprachknöpfe, die Wörter abspielen, angebracht sind, kann Stella mit ihrer Besitzerin kommunizieren – und nutzt diese Möglichkeit ausgiebig.

Das Experiment fing mit einigen wenigen Knöpfen an als die Mischlingshündin acht Wochen alt war, mittlerweile sind es schon über 40. Damit übermittelt Stella jedoch nicht nur einzelne Worte wie "Spielen", "Draußen" oder "Essen", sondern schon fast ganze Sätze, indem sie mehrere Worte kombiniert.

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Christina Hunger vergleicht Stellas aktuelle Art der Kommunikation mit der eines zweijährigen Kleinkinds. Mit Kindern in diesem Alter arbeitet die Logopädin in ihrer Praxis in San Diego zusammen. Durch ihre Arbeit hat sie sich auch zu der Methode inspirieren lassen, mit der Stella und inzwischen auch zahlreiche andere Hunde – überwiegend in den USA – gelernt haben mit ihren Besitzern zu sprechen.

Hündin Bunny ist dabei besonders eloquent und ein kleiner Star auf der Videoplattform TikTok. Dort kann man sie nicht selten dabei beobachten, wie sie ihrer Besitzerin auch existenzielle Fragen stellt, wie "Wer ist Bunny?". Aber sie bittet auch um Hilfe, wenn sie Schmerzen hat und kann scheinbar genau benennen, wo dieser sitzt.

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Auf den ersten Blick möchte man tatsächlich meinen, dass die Hunde sprechen können. Muss man diese Annahme aber auch mit Vorsicht genießen? Laura Franke meint, ja. Die Hundetrainerin und Hundeverhaltensberaterin an der "HUni"-Hundeschule in München erklärt, "es besteht eine große Gefahr der Über- oder Fehlinterpretation der gedrückten Knöpfe, weil wir nicht wissen, wie der Hund lernt und was er dabei verknüpft".

Was die sprechenden Hunde wirklich verstehen

Eine Möglichkeit sei die klassische Konditionierung. Dabei wird das zu lernende Wort immer wieder in einfachen Sätzen wiederholt und zeitgleich der entsprechende Sprachknopf – zum Beispiel "Essen" – gedrückt. "Der Hund hört also einen ihm unbekannten Reiz, mit dem er erstmal nichts anfangen kann und verknüpft dann das was danach passiert, was beim Hund Freude hervorruft – zum Beispiel auf Essen oder Leckerlies."

Auch möglich: die operante Konditionierung. "Der Hund zeigt ein Verhalten und wir freuen uns", erklärt die 26-Jährige. Das motiviert den Hund immer wieder Worte abspielen zu lassen.

Mehr Artikel aus unserem Ressort #neo findest Du hier:

Letztlich könnte es allerdings auch sein, dass der Hund einzelne Sprachknöpfe willkürlich drückt, weil er gelernt hat, dass immer etwas Positives passiert – er darf raus, er bekommt etwas zu fressen, Streicheleinheiten oder einfach nur Aufmerksamkeit. "Ich würde aber nicht ausschließen, dass der Hund einfache Dinge auch tatsächlich versteht", argumentiert Franke.

Forscher untersuchen die Hunger-Methode

Genau das wollen Wissenschaftler mit einer Studie am Comparative Cognition Lab der University of California in San Diego herausfinden. Sie wollen auf die Frage, ob und wenn ja, wie und wie umfangreich Hunde sich sprachähnlich ausdrücken können, eine Antwort finden. An der Studie nimmt neben hunderten weiteren Hunden auch Hündin Bunny teil. Im Video erklärt ihre Besitzerin wie die Sheepadoodle-Dame sprechen gelernt hat.

"Ich finde es super interessant, dass das erforscht wird. Gerade die komplexeren Dinge. Ich glaube aber, dass es für ganz viele Knöpfe schon eine Kommunikation im Alltag gibt", sagt Laura Franke. So kommt der Hund beispielsweise mit einem Spielzeug zum Besitzer, stellt sich neben seinen Futternapf, an die Tür oder vor eine verschlossene Schublade und schaut den Menschen an. "Er bittet mich also um Hilfe. Und dass Hunde das auf diese Art tun, wenn sie an etwas nicht rankommen, wissen wir schon. Das ist auch ein Domestikationsmerkmal, anders als bei Wölfen, die es selbst weiter probieren würden", erklärt die Hundetrainerin.

Körpersprache des Tieres sollte an erster Stelle stehen

Schön findet sie die Methode trotzdem. "Die Menschen wollen mit ihrem Hund kommunizieren, wollen ihm Fragen stellen, wollen, dass der Hund mit ihnen spricht und vor allem wollen sie auch darauf hören, was er sagt. Das ist super." Aber: "Ganz oft wird da vergessen, dass der Hund jeden Moment mit uns kommuniziert – über die Körpersprache."

Wie siehst Du das? Würdest du gerne per Knopfdruck mit Deinem Hund sprechen können? Stimme hier ab:

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Frankes Wunsch wäre, dass sich Hundebesitzer zuerst damit auseinandersetzen und lernen den eigenen Vierbeiner zu lesen, bevor sie versuchen dem Hund die menschliche Sprache beizubringen. "Man muss sich bewusst sein, dass wir Menschen dazu tendieren, eher die akustischen Signale eines Tieres wahrzunehmen und die nonverbalen sehr leicht übersehen. Der Hundebesitzer sollte sich also in erster Linie an den körpersprachlichen Signalen seines Hundes orientieren, da diese die zuverlässigsten Indikatoren der Emotionen und Absichten eines Hundes sind", führt die Hundeverhaltensberaterin aus. Nichtsdestotrotz können die Sprachknöpfe eine spannende Ergänzung für Zuhause sein.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Wer auch selbst mit seinem Hund einmal in die Methode reinschnuppern möchte, kann in Christina Hungers Buch "How Stella Learned to Talk" mehr darüber lesen.

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