#MeToo-Moment im Deutschrap? : Influencerin Nika Irani erhebt Vergewaltigungsvorwürfe gegen Samra

svz+ Logo
Samra bei einem Auftritt 2019: Gegen den Rapper wurden Vergewaltigungsvorwürfe laut.
Samra bei einem Auftritt 2019: Gegen den Rapper wurden Vergewaltigungsvorwürfe laut.

Der Rapper Samra soll eine Frau vergewaltigt haben, er bestreitet das. Der Fall löst eine Diskussion über sexualisierte Gewalt in der deutschen Rapszene aus.

Exklusiv für
SVZ+ Nutzer
svz+ Logo

von
21. Juni 2021, 13:58 Uhr

Berlin | In diesem Artikel erfährst Du:

  • Worüber unter #deutschrapmetoo diskutiert wird.
  • Wie der Rapper Samra auf Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn reagiert hat.
  • Was dem Musiker vorgeworfen wird.

In der vergangenen Woche hat die Influencerin Nika Irani schwere Vorwürfe gegen den Berliner Rapper Samra erhoben. Auf Instagram schildert sie, wie der 26-Jährige sie in ein Schlafzimmer eines Aufnahmestudios in Brandenburg gezerrt und zum Sex gezwungen haben soll. "Ich habe über 20 mal nein gesagt, dann hat er meine Unterhose aufgerissen und zerfetzt und ich habe es einfach über mich ergehen lassen", so die 22-Jährige in ihrem Post.

Mehr #neo gibt es hier:

Samra, bürgerlich Hussein Akkouche, bestreitet die Vorwürfe. "Ich habe niemanden vergewaltigt, weder die Person, die mich dessen beschuldigt, noch andere Menschen", so der Rapper auf Instagram. Zuvor hatte die Plattenfirma des Musikers, der besonders durch seine Zusammenarbeit mit Capital Bra bekannt wurde, die Zusammenarbeit auf Eis gelegt. "Gegen einen unserer Künstler wurden auf Social Media schwere Anschuldigungen erhoben. Konkret geht es um den Vorwurf der sexuellen Gewalt. (...) Aufgrund der Schwere der Anschuldigungen haben wir uns dazu entschlossen, die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Künstler bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen", so Universal Music Germany auf Instagram. Samras Alben erschienen bislang bei Urban Records von Universal.

Vorwürfe gegen Samra stoßen Debatte an

In seinem Instagram-Statement kündigte Samra an, die Behörden einschalten zu wollen. "Da sich diejenige, die mich beschuldigt, weigert, die Angelegenheit zur Anzeige zu bringen, sehe ich mich gezwungen, den Sachverhalt von der Staatsanwaltschaft klären zu lassen." So wolle er eine "unabhängige Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft und Polizei herbeiführen". Am Ende bittet er seine Fans "diejenige, die mich beschuldigt, nicht mehr als 'Prostituierte' und ähnliches zu beleidigen oder gar zu bedrohen."

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

In einem späteren Video von ihm, das anscheinend zuerst bei Instagram veröffentlicht wurde und nun im Netz kursiert, klingt der Rapper nicht mehr so besonnen. Er sei Irani gegenüber vielleicht "kein Gentleman" gewesen, aber eine Vergewaltigung sei es nicht gewesen. "Ihr kriegt mich nicht kaputt. Fick die Presse, fick diese ganze Universal, fickt doch euch alle", so der Musiker.

Zur Sache

Seitdem der Hashtag #MeToo in der Welt ist, kommt es immer wieder zu ähnlichen Enthüllungen. Das Spektrum der Vorfälle reicht dabei von Machtmissbrauch über sexuelle Belästigung bis hin zu Vergewaltigungsvorwürfen. Auslöser für die breite MeToo-Bewegung waren Vorwürfe gegen US-Filmproduzent Harvey Weinstein im Oktober 2017. Auf Instagram will nun etwa die Seite "deutschrapmetoo" Fälle sammeln und Betroffene vernetzen.

Die Vorwürfe haben eine Debatte über sexualisierte Gewalt in der Deutschrap-Szene angestoßen. Auf Twitter und Instagram erzählen Frauen unter dem Hashtag #deutschrapmetoo von ihren Erfahrungen – meist anonym. Die Musikerin Shirin David, die ebenfalls bei Universal unter Vertrag steht, äußerte sich bei Instagram zu den Anschuldigungen, jedoch ohne Namen zu nennen. Sie rief zu Solidarität mit Opfern sexualisierter Gewalt auf und berichtete danach von massiven Drohungen gegen sie und ihre Plattenfirma aus dem Umfeld des beschuldigten Rappers.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Der Deutschrap ist wegen seiner frauenfeindlichen und gewaltverherrlichenden Texte immer wieder in der Kritik. Nachdem Urban Records zwar die Zusammenarbeit mit Samra auf Eis legte, veröffentlichte die Plattenfirma direkt am Freitag das neue Lied "Komm Mit" des Rappers Nimo – mit dem Text "Deine Ex-Freundin ist aus der Fassung. Ich fick' sie fast tot, sie liegt im Wachkoma". Urban Records entschuldigte sich und zog den Song zurück.

(mit dpa)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen