Geisterwald, Marine-Klinik & Co. : Diese sechs schaurigen Orte in Norddeutschland musst Du kennen

svz+ Logo
Auf der Halbinsel Wustrow ist diese Ruine eines alten Herrenhauses zu finden.
Auf der Halbinsel Wustrow ist diese Ruine eines alten Herrenhauses zu finden.

Das Aufsuchen von Lost Places wird immer häufiger zum schaurig-schönen Hobby. Diese verlassenen Orte gibt es im Norden.

Exklusiv für
SVZ+ Nutzer
svz+ Logo

von
29. Juni 2021, 14:37 Uhr

Schwerin | In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wieso der Hype um verlassene Gebäude so groß ist.
  • Sechs Beispiele für Lost Places in Norddeutschland.
  • Wann das Hobby zur illegalen Erkundungstour wird.

Mal sind sie ganz spannend, mal sind sie fast schon gruselig: Verlassene und vergessene Orte, sogenannte „Lost Places“, werden insbesondere für jüngere Menschen immer häufiger zum Ausflugsziel. In Internetforen und auf Social-Media-Plattformen werden immer mehr historische Entdeckungen gesammelt und den anderen in Foto- oder Videoform präsentiert. Meist sind es aufgegebene Fabrikgebäude, oft auch leerstehende Kliniken oder verlassene Häuser, die das Interesse zum Erkunden wecken. Doch was macht den Hype um die heruntergekommenen Gebäude aus?

Jeder Ort erzählt seine eigene Geschichte

Eigentlich ist es ganz einfach: Wir Menschen lieben Geschichten. Und wir lieben es, in unserem Kopfkino kreativ zu werden. Ein Lost Place verbindet beides. Wer beispielsweise ein leerstehendes Krankenhaus betritt und an einem alten Patientenbett mit einem Erinnerungsfoto im Nachttisch vorbeikommt, stellt sich sofort die Frage, wer die mögliche Person auf dem Bild ist, wie sie mit dem ehemaligen Patienten zusammenhängt und wie generell der Betrieb im Krankenhaus aussah. In zurückgelassenen Fabriken könnte man sich fragen, welcher Raum welche Funktion hatte, welche Personen dort gearbeitet haben und ob noch Relikte aus der Produktionszeit zurückgeblieben sind.

Mehr #neo-Texte findest Du hier:

Das Ungewisse macht neugierig. Und einen Ort zu kennen, den sonst nur wenige kennen, macht ihn auch sofort besonders. Das Tolle ist, dass es solche Lost Places überall gibt – auch hier in Norddeutschland. Sechs davon haben wir für dich im Folgenden aufgelistet.

Diese Lost Places gibt es in Norddeutschland

Verlassenes Waldkrankenhaus in Wintermoor

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Weil der Zweite Weltkrieg eine Aufstockung der Krankenhauskapazitäten verlangte, ist im Zeitraum von 1941 bis 1943 das ehemalige Gesundungshaus Wintermoor an der Behringer Straße entstanden. Die als Ausweichkrankenhaus gedachte Klinik mit Abteilungen für Innere Medizin, Infektions- und Lungenkrankheiten, Chirurgie, mehreren Operationsräumen und einem Röntgenlabor wurde fortlaufend in eine Tuberkuloseklinik, dann zur Fachklinik für Erkrankungen der Atemwege, dann zum Nebenstandort der ENDO-Klinik Hamburg und dann in ein Pflegezentrum umgewandelt, bis es dann im Jahr 2005 vollständig zum Erliegen kam.

Ehemaliges Militärgelände auf der Halbinsel Wustrow

_202106090920_full.jpeg
imago images / Rolf Zöllner

Viele leere Häuser direkt am Ostseewasser – das ist die Halbinsel Wustrow in Mecklenburg-Vorpommern. 1933 erwarb die Reichswehr das Gut und baute es zur größten Ausbildungsstelle der deutschen Flakartillerie sowie zum Soldatenstützpunkt aus. Ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm die Sowjetarmee das Gebiet und nutzte es als Schießübungsplatz auf Boden-, See- und Luftziele und zur Stationierung von Marine- und Nachrichtentruppen. Auch Panzerübungen waren üblich. Seit 1995 stehen die Gebäude leer, seit 1998 gehören sie einem Immobilieninvestor, der einen Ferienort daraus gestalten wollte. Doch die anliegende Stadt wehrt sich dagegen, sodass sich auf der Halbinsel bisher nichts getan hat. Besichtigungen sind nur unter Aufsicht möglich, ansonsten ist das Areal für die Öffentlichkeit gesperrt.

Gespensterwald Nienhagen

_202106090920_full_1.jpeg
imago images / Volker Preusser

Wieder an der Ostsee und gerade mal eine Autostunde entfernt liegt der nächste Lost Place. Der Wald in Nienhagen hat durch die vielen, hochgewachsenen Bäume mit kahlen Baumstämmen ein Aussehen, das ein bisschen dem verbotenen Wald von Harry Potter ähnelt. Bis zum Sonnenuntergang ist die Atmosphäre noch romantisch, doch sobald das Tageslicht weicht und eventuell noch etwas Nebel dazukommt, könnte einem zartbesaiteten Menschen der Schauer den Rücken hinunterlaufen.

Haus Eichengrund

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

In einem Waldstück zwischen den Autobahnen A7 und A352 bei Wietze befindet sich das sogenannte Haus Eichengrund. Das heruntergekommene Gebäude selbst ist nicht so spektakulär, doch die vielen Fotos und Zeitungsausschnitte der einstigen Bewohner, die dort noch immer verteilt unter umgeworfenen Möbeln und zerbrochenen Fensterscheiben liegen oder an den Wänden hängen, umso mehr. Bisherige Besucher sollen Dokumente gefunden haben, deren Datierungen im Jahr 1987 enden. Daher wird vermutet, dass das Haus auch seitdem leer steht. Wenn man irgendwo über die Vergangenheit eines Lost Places spekulieren möchte, dann hat man hier gute Gelegenheit dazu.

Gummifabrik in Hamburg-Harburg

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Vor rund 150 Jahren hat sich die „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ gegründet und Produkte aus Weich- und Hartgummi hergestellt. Spätere Abnehmer fand sie in der Automobil-, Luftfahrt- und Musikindustrie sowie im Maschinenbau; bekannt ist sie aber vor allem auch für Hartgummikämme im Friseurhandwerk. Im Jahr 2009 zog die Produktionsstätte nach Lüneburg um und das alte Fabrikgebäude südlich der Hafencity wurde zurückgelassen. Seitdem hat sich das leerstehende Gelände zum beliebten Lost Place entwickelt.

Anschar-Krankenhaus in Kiel

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Das Anschar-Krankenhaus in Kiel-Wik wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ursprünglich als Marinelazarett aufgebaut. Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Lazaretts zerstört, aber auch die Uniklinik und das Städtische Krankenhaus wurden getroffen. Daher wurden Teile der Uniklinik und des Städtischen Krankenhauses in die noch intakten Gebäude des Anschar-Komplexes ausgelagert. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich die Marine zurück, dafür wurden dann zivile Patienten aufgenommen. Von 1988 bis 2004 wurden jedoch nach und nach Bereiche des Komplexes geschlossen; zum einen zu Gunsten des Neubaus des Städtischen Krankenhauses, zum anderen wegen nicht mehr zeitgemäßer statischer Anforderungen. Seither wurden manche Räume renoviert und anderweitig verwendet, andere Räume wie dieser Hörsaal, stehen weiterhin leer.

Lost Places – ein verbotener Besuch?

So spannend die Erforschung verlassener Gebäude auch sein mag: In der Regel ist das Betreten solcher Lost Places nicht erlaubt. Selbst wenn ein Fabrikgebäude über viele Jahre nicht genutzt wird und es stark herunterkommt, steckt doch noch immer ein Eigentümer des Grundstücks dahinter – sei es im privaten oder im staatlichen Besitz.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Rechtsanwältin Nicole Mutschke hat sich in einer YouTube-Videoreihe speziell dem Thema „Lost Places“ gewidmet und mögliche Konsequenzen herausgearbeitet: „Bei einem Lost Place gibt es ja noch immer Fenster, Türen und Ähnliches, das Gebäude ist also befriedet. Wenn du diese Befriedung aber ohne Erlaubnis des Eigentümers überwindest, begehst du Hausfriedensbruch“, so die Juristin. Den Eigentümer zu ermitteln, ist auch nicht so leicht: Dieser steht zwar im sogenannten Grundbuch, aber dieses ist beim Grundbuchamt nur mit einem berechtigten Interesse, beispielsweise mit einer Kaufabsicht, einsehbar.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Auch darf man Mutschke zufolge vor Ort nicht einfach etwas mitnehmen oder kaputt machen, selbst wenn schon vieles zerstört oder unvollständig oder zerstört ist. Das zähle weiterhin als Diebstahl oder als Sachbeschädigung. Nicht zuletzt besteht auch oft Einsturzgefahr, was einen Besuch ebenso gefährlich macht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen