Backpacking, Balkonien oder Balearen : Wird alles wieder wie vor Corona? Wie wir in Zukunft reisen werden

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Verreisen bietet vielen Menschen eine meist lang ersehnte Erholung. Aber wie sieht der Urlaub in der Zukunft aus?
Verreisen bietet vielen Menschen eine meist lang ersehnte Erholung. Aber wie sieht der Urlaub in der Zukunft aus?

Wie wird sich Reisen verändern? Welche Rolle spielen Klimawandel, Corona und Co.? #neo ist auf der Suche nach Antworten.

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09. April 2021, 10:00 Uhr

Hamburg | In diesem Text erfährst Du:

  • wo Du auch in Zukunft bedenkenlos Urlaub machen kannst
  • wie sich dieser Urlaub von vergangenen Reisen unterscheidet
  • wie Du Reiselust mit Nachhaltigkeit kombinierst

Jeder zweite Deutsche plant 2021 in den Urlaub zu fahren. Das besagt jedenfalls eine Studie des Marktforschungsunternehmens Mintel. Anders als die jüngsten Diskussionen um die Einreise nach Mallorca, soll das große Reiseziel größtenteils aber innerhalb Deutschlands liegen.

Nach den zahlreichen Hochs und Tiefs des vergangenen Jahres, Lockdowns, Lockerungen und Kontaktbeschränkungen, sehnen sich die Menschen nach Erholung. Doch wie wirkt sich Corona auf den Tourismus aus? Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverband, sagt, dass im vergangenen Jahr der Aufenthalt bei Urlaubsreisen um mindestens fünf Tage zugenommen hat. Dennoch könne man einen Trend zum Kurzurlaub beobachten.

Doch welche Veränderungen müssen wir in Zukunft in Kauf nehmen? Können wir weiterhin wie gewohnt in die Sonne fliegen? Und: Welche Rolle spielt dabei eigentlich die Nachhaltigkeit? Für mehr Klarheit haben wir mit dem Deutschen Reiseverband über die Zukunft des Reisens gesprochen.

Wer ist der Deutsche Reiseverband (DRV)?

Der Deutsche Reiseverband (DRV) ist ein Verband für Unternehmen der Tourismusbranche. Die Mitglieder der DRV erwirtschaften den größten Umsatz im Reiseveranstalter- und Reisemittlermarkt.
Der DRV setzt sich zudem für die Interessenvertretung der Reisebranche in der Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit ein. Zusätzlich steht er seinen Mitgliedern auch unterstützend und beratend zur Seite.

Quelle: DRV

Die Corona-Krise hat alles verändert, so auch das Reisen. Dennoch wollen viele Deutsche nicht auf ihren Urlaub verzichten. Was wird sich in Zukunft ändern?

Durch den Corona-bedingt längeren Verzicht auf Reisen – insbesondere ins Ausland – ist die Wertschätzung für die Reise gestiegen. Alles, was nicht zu haben ist – oder nur eingeschränkt – wird in der Regel vermisst und entsprechend höher wertgeschätzt. So auch das Reisen. Das hat zur Folge, dass die Menschen bewusster verreisen werden. Darüber hinaus sehen wir ein zunehmendes Sicherheitsbedürfnis, das durch Corona erneut verstärkt worden ist.

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Wo kann ich auch in Zukunft bedenkenlos Urlaub machen?

Für jede Reise ist es wichtig, sich mit den Gegebenheiten vor Ort auseinanderzusetzen und natürlich mit den Einreisebedingungen. Darüber hinaus ist darauf zu achten, was für die Wiedereinreise nach Deutschland erforderlich ist. Hilfreich sind hier die Informationsseiten des Robert-Koch-Instituts sowie die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes und die Informationen zu Einreisebeschränkungen. Wer eine Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter bucht, kann sich auf die Expertise der Profis im Reisebüros verlassen und hat bei den Reiseanbietern rund um die Uhr einen Ansprechpartner an seiner Seite, der im Fall der Fälle auch aktiv auf die Gäste zukommt und informiert, wenn sich Reisegegebenheiten verändert haben. Dabei sind auch Pauschalreisen sehr individuell zu gestalten. Viele Reiseveranstalter haben besonders nachhaltige Reisen im Angebot oder sind auf spezielle Zielgebiete oder Aktivitäten spezialisiert. In den Reisebüros können die Berater anhand von Kennzeichnungen in den Buchungssystemen zu nachhaltigen Hotelangeboten Auskunft geben.

Verreist Du dieses Jahr in den Urlaub oder ist Dir das Ganze noch zu unsicher? Mach mit bei unserer Umfrage:

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Urlaub an der Nordsee, eine Woche Mallorca oder ein Langstreckenflug in die USA: Welche Reisegewohnheiten werden sich in Zukunft häufen, welche nicht mehr wahrgenommen und woran liegt das?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch in Zukunft verschiedene Reisegewohnheiten nebeneinander existieren werden. Auch wenn in diesem und voraussichtlich auch im kommenden Jahr noch ein Nachholeffekt die Reiseentscheidung bestimmen wird, so ändert sich doch das grundsätzliche Bewusstsein.

Obwohl derzeit viele internationale Ziele nicht oder nur schwer zu bereisen sind, wird sich dies nach aktueller Einschätzung langfristig nicht in einer grundsätzlichen Änderung des Reiseverhaltens niederschlagen. Laut einer aktuellen Umfrage der GfK im Februar 2021 hat sich an der Beliebtheit von Destinationen wenig geändert. So wollen die Befragten in den nächsten Jahren neben Deutschland unter anderem auch wieder die Balearen, Griechenland, Italien, die Kanaren, Österreich und andere weltweite Ziele bereisen.

Ob zukünftig noch der kurze Shopping-Trip in eine Ferndestination besonders nachgefragt sein wird, bleibt derzeit abzuwarten. Deutscher Reiseverband

Auch das achtsamere Umgehen mit der Natur und ihren Ressourcen wird immer allgegenwärtiger. Welchen Einfluss nimmt der Klimawandel auf das Reisen der Zukunft?

Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Entwicklungen durch die Corona-Pandemie haben Einfluss auf das Reisen der Zukunft. Schon vor Corona war ein zunehmendes Bewusstsein für Reisen und nachhaltiges Reisen zu beobachten. So hat beispielsweise schon vor Corona die Klimadiskussion dazu geführt, dass immer häufiger der CO2-Fußabdruck der Flugreise über entsprechende Anbieter kompensiert worden ist. Corona hat das Bewusstsein für Reisen, Klima und Naturschutz verstärkt: Die Wertschätzung der Menschen für das Thema Reisen ist gestiegen und damit auch das Bedürfnis nach Achtsamkeit im Umgang mit Mensch und Natur.

Bewusster reisen

Inititiative des DRV

Bereits vor der Coronakrise konnte eine Veränderung im Reiseverhalten festgestellt werden. Vor diesem Hintergrund hat die DRV die Kampagne #reisebewusst auf Instagram gestartet. Mit hilfreichen Tipps und Tricks soll mehr zum bewussten Reisen beigetragen werden.
Im Mittelpunkt steht dabei achtsames Reisen. Empfohlen wird beispielsweise eine intensivere Vorbereitung und Beratung im Vorfeld, ebenso wie der sorgsame Umgang mit Wasser, eine klimafreundliche Anreise sowie die Vermeidung von Plastikmüll. Auf einfache Weise wird erklärt, wie Ressourcen geschont und Gastgebern auf Augenhöhe und mit Offenheit begegnet werden kann.

Viele Hotels sind eher bekannt für ihren Massentourismus. Was müssen Hoteliers ändern, um nachhaltiger zu werden? Oder muss man sich gar nicht anpassen, um auch in Zukunft ein beliebtes Gästeziel zu sein?

Hoteliers ist es ebenso wichtig wie Reiseveranstaltern, Zielgebiete in ihrer Schönheit zu bewahren und achtsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen, um auch in Zukunft attraktiv für Urlauber und Gäste zu sein. Immer mehr Hotels lassen sich vor diesem Hintergrund auch nachhaltig zertifizieren – das gilt nicht nur für Hotels im Ausland, sondern auch für Hotels im Inland. In den Buchungssystemen im Reisebüro lassen sich anhand von Kennzeichnungen zum Beispiel nachhaltige Hotelangebote herausfiltern.

Der Bezug von beispielsweise Nahrungsmitteln von regionalen Anbietern wird – wo möglich – immer wichtiger werden. Das Interesse der Urlauber daran ebenso. Die Vermeidung von Plastik ist hier ebenfalls zu nennen – ein Trend, der mit der Diskussion um Strohhalme und kleinsten Plastikteilchen in den Weltmeeren einen bemerkenswerten Schub erhalten hat und heute in aller Munde ist.

Wie sicher ist das Reisen im Moment?

Reisen per se ist nicht sicherer oder unsicherer als vor der Corona-Pandemie. Wichtig ist, dass sich alle an die Corona-Regeln – Abstand halten, Maske tragen und entsprechende Hygiene-Maßnahmen – halten. Das gilt nicht nur im Urlaub, sondern auch Zuhause, in der U-Bahn oder im Restaurant. Die Zielgebiete, die Hotels, die Fluggesellschaften und die Reiseveranstalter haben schon im vergangenen Jahr umfassende Hygiene- und Sicherheitskonzepte entwickelt und umgesetzt. Mit dem großen Erfolg, dass das Robert Koch-Institut in einer kürzlich erschienen Studie erklärt, dass die organisierte Reise, die Pauschalreise also, nicht Treiber der Pandemie ist. Mit voranschreitenden Impfungen in Verbindung mit schlüssigen Teststrategien und Hygienekonzepten ist verantwortungsvolle Mobilität auch in Zeiten von Corona, da wo es die Infektionszahlen zulassen, möglich. Das gilt sowohl für Reisen im Inland wie ins Ausland.

Trotz Menschenansammlungen sollen Reiseanbieter nicht Treiber der Coronakrise sein. Die AHA-Regeln sind dennoch strengstens zu beachten.
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Trotz Menschenansammlungen sollen Reiseanbieter nicht Treiber der Coronakrise sein. Die AHA-Regeln sind dennoch strengstens zu beachten.

Besonders Backpacking ist bei vielen unserer jungen Leserinnen und Leser beliebt. Klassische Ziele sind Thailand oder Neuseeland. Ab wann wird das wieder möglich sein?

Leider haben auch wir keine Glaskugel, die uns sagt, wie die Corona-Pandemie verlaufen wird. Je schneller alle Menschen geimpft sind, umso schneller wird auch wieder Normalität einkehren.

Aktuell (Stand 08. April 2021) ist es so, dass die Einreise nach Thailand für deutsche Staatsangehörige grundsätzlich möglich ist, allerdings eine 14-tägige strenge Quarantäne in einer staatlich zugelassenen Isolationsstation sowie mehrere Covid-19-Tests vorgeschrieben sind. Neuseeland hat bis auf weiteres alle internationalen Einreisen komplett untersagt. Besser abgesichert sind Reisende, wenn sie mit Pauschalreiseanbietern verreisen statt auf eigene Faust.

Eine Woche auf Mallorca oder im 4-Sterne-Hotel in der Türkei, Essen inklusive. Für viele Deutsche sieht so der Jahresurlaub aus. Bleibt der Trend des Massentourismus oder wird es ein Umdenken geben?

Grundsätzlich ermöglicht es der sogenannte Massentourismus aufgrund von moderaten Preisen vielen Menschen im Urlaub zu verreisen. Der Trend bewusster zu verreisen, ist definitiv zu beobachten, aktuell aber noch eher in der Nische. Viele Hotels und Reiseveranstalter setzen schon jetzt auch in den "Massenzielen" auf Nachhaltigkeit, Schutzmaßnahmen für die Natur und die Tierwelt und die Unterstützung der Bevölkerung. Entsprechendes Engagement wird immer wichtiger und auch immer stärker nachgefragt.

Per se darf nicht vergessen werden, dass in vielen Ländern dieser Erde, die Menschen vom Tourismus leben – nicht nur in der Ferne, sondern zum Beispiel auch auf Mallorca. Damit trägt der Tourismus sehr stark zur wirtschaftlichen Entwicklung in den Zielgebieten bei. In Afrika zum Beispiel ist der Tourismus darüber hinaus ein probates und gut funktionierendes Mittel gegen Wilderei und zum Schutz der Tierwelt in den Reservaten.

Ein Tiny House aus Glas in der Nähe von Reykjavik. Das Beobachten des Sternenhimmels wird zu einem ganz besonderen Erlebnis.
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Ein Tiny House aus Glas in der Nähe von Reykjavik. Das Beobachten des Sternenhimmels wird zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Mittlerweile bieten Hotels nicht nur einen Schlafplatz, sondern locken mit besonderen Erlebnissen wie Unterwasserwelten, Urlauben im Tiny House oder Baumhausferien. Wie wichtig sind solche individuellen Angebote für das Reisen?

Das Erleben und Neues sehen ist neben der Erholung ein entscheidender Grund für den Urlaub. Gerade Familien wünschen sich Urlaubserlebnisse direkt in der Hotelanlage. Dabei kann sowohl den Wünschen der älteren als auch der jüngeren Reisenden Rechnung getragen werden. Darüber hinaus gibt es auch immer mehr Hotels oder Reiseveranstalter, die die Besonderheit des Schlafplatzes in den Mittelpunkt ihres Angebotes stellen – zum Beispiel die Übernachtung im Baumhaus oder auch in einer Zeltstadt in der Wüste.

Glauben Sie, dass eine Künstliche Intelligenz (KI) als Personalersatz die Zukunft ist?

Nein – zumindest nicht in der näheren Zukunft. Noch wünschen sich Menschen insbesondere dann, wenn sie ein Problem zu lösen haben, den persönlichen Kontakt. Künstliche Intelligenz kann jedoch durch entsprechende Technologien ergänzend zum persönlichen Kontakt zum Einsatz kommen, beispielsweise um häufig wiederkehrende Fragen zu beantworten. Auch beim Hotel-Check-in wird beispielsweise mit KI in Form von Robotern experimentiert oder entsprechende Modelle sind bereits erfolgreich im Einsatz.

Darüber hinaus können digitale Technologien den Urlaub vor Ort umwelt- und naturschonender gestalten. Stichwort ist hier intelligente Besucherführung an besonders beliebten Orten. So kann in Echtzeit über aktuelle Touristenströme informiert werden oder zum Beispiel darüber, wie voll ein bestimmter Strandabschnitt gerade ist. So lässt sich das gleichzeitige Antreffen von zu vielen Menschen vermeiden und das Besuchsgeschehen entzerren.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

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