Rente mit 67 : Mogelpackung oder Erfolgsmodell?

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Hintergründe zur neuen Debatte über die Rente mit 67 und zum gestern vorgestellten Rentenversicherungsbericht

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20. November 2014, 07:44 Uhr

Die Regierung verteidigt die Rente mit 67, die Opposition spricht von einem verkappten Rentenkürzungsprogramm. Mogelpackung oder Chance und Erfolgsmodell? Rasmus Buchsteiner erklärt die Hintergründe zur Debatte und zum Rentenversicherungsbericht.

Wie ist der Stand bei der Umsetzung der Rente mit 67?
Nächstes Jahr wird die Altersgrenze zum vierten Mal erhöht. Sie beträgt dann 65 Jahre und vier Monate und soll bis zum Jahr 2029 nach und nach auf 67 Jahre angehoben werden. „Die schrittweise Anhebung der Altersgrenzen gewährleistet ausreichend Zeit für Anpassung, um die weitere Gestaltung der altersgerechten Arbeitswelt voran zu bringen“, so die Bundesregierung.

Wie entwickelt sich dieBeschäftigungssituation Älterer?
Inzwischen sind 1,6 Millionen Ältere zwischen 60 bis 64 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, eine Million mehr als noch im Jahr 2000. Der Anteil der Arbeitnehmer mit sozialversicherungspflichtigen Jobs in dieser Altersgruppe hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt – auf rund 32 Prozent. Die Erwerbstätigenquote in dieser Altersgruppe habe „mittlerweile die Marke von 50 Prozent fast erreicht“, heißt es im Nahles-Bericht zur Rente mit 67.

Bleibt es bei der Verlängerung der Lebensarbeitszeit?

Ja. Die Bundesregierung bekennt sich in ihrem Sachstandsbericht noch einmal klar zur Rente mit 67: „Die Bundesregierung hält die im Jahr 2007 beschlossene schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze weiterhin für notwendig und für vertretbar.“ Die Potenziale älterer Arbeitnehmer würden „zunehmend geschätzt“, insbesondere angesichts des drohenden Fachkräftemangels. Arbeitsministerin Nahles geht damit über die Beschlusslage der SPD hinweg. Nach offizieller Position der Sozialdemokraten soll die Rente mit 67 so lange ausgesetzt werden, bis mehr als die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist.

Unter welchen Bedingungen können Arbeitnehmer früher in Rente gehen?

Grundsätzlich gilt: Wer früher in Rente gehen will, muss dauerhaft Abschläge in Kauf nehmen. Für jeden Monat früheren Rentenbezugs beträgt das Minus 0,3 Prozent. Wer über mindestens 45 Beitragsjahre verfügt, kann dagegen schon mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen. Die Große Koalition verhandelt gerade über flexible Übergänge in die Rente – etwa eine bessere Ausgestaltung der Teilrente, die in Kombination mit einer Beschäftigung bei reduzierter Stundenzahl bislang ab dem 63. Lebensjahr bezogen werden kann.

Warum wurde die Rente mit 67 eingeführt?

Die 2012 gestartete, schrittweise Einführung der Rente mit 67 sollte die Rentenfinanzen zukunftsfest machen. Schließlich steigt die Zahl der Rentner ebenso wie die Rentenbezugsdauer bei absehbar immer weniger Beitragszahlern.
Mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit sollte ein allzu starkes Absinken des Rentenniveaus verhindert werden. Es ist umstritten, ob die Rente mit 67 ausreicht, um die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung dauerhaft stabil zu halten. Ökonomen und Wirtschaftsvertreter hatten zuletzt immer wieder eine Rente mit 70 ins Gespräch gebracht.

Worauf können sich Rentner in den nächsten Jahren einstellen?

Laut Rentenversicherungsbericht dürften die Altersbezüge Mitte 2015 um 1,57 Prozent (West) bzw. 1,71 Prozent (Ost) angehoben werden. Für 2016 erscheint eine Erhöhung von bis zu 4,62 Prozent möglich. Bis 2028 erwartet die Bundesregierung Rentenerhöhungen von gut zwei Prozent pro Jahr. Das Rentenniveau vor Steuern wird von 48 Prozent im Jahr 2014 auf 47 Prozent im Jahr 2020 und dann weiter auf 44,4 Prozent im Jahr 2028 absinken.

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