In eigener Sache : Wir setzen ein Zeichen

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Seit heute zeugt ein Banner am medienhaus:nord in Schwerin von der Haltung seiner Mitarbeiter: „Toleranz statt Angst - Welcome to Mecklenburg“

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22. September 2015, 18:01 Uhr

Am Dienstag haben wir am  Verlagshaus unserer Zeitung in Schwerin sichtbar für alle Bürger dieses  Banner angebracht. Wir setzen ein Zeichen. In der wohl schwierigsten gesellschaftlichen Situation seit der Deutschen Einheit. Auch wir haben Sorgen. Aber wir wollen deutlich machen, dass aus berechtigten Sorgen keine Angst werden muss, die in vielleicht Fremdenfeindlichkeit mündet.

Wir fühlen uns als Mitteleuropäer einem humanistischen Menschenbild verpflichtet. Dazu gehört, sich nicht von Ängsten übermannen zu lassen, sondern rational, mitfühlend und mit dem Grundgedanken der Nächstenliebe die Herausforderung anzugehen. Erst recht, wenn andere Staaten um uns herum ihren Werte-Kompass, so scheint es, verloren haben.

Noch nie in diesem Jahrhundert gab es eine Flüchtlingsbewegung dieses Ausmaßes in Europa. Wir sind Zeugen einer neuzeitlichen Völkerwanderung. Verursacht durch  diplomatisches Unvermögen der Weltmächte  einschließlich Deutschland, sowie durch religiöse und machtpolitische Ränkespiele der Regionalmächte, besonders im Nahen Osten, aber auch in Afrika.

Das medienhaus:nord ist ein Kommunikationsunternehmen. Also lassen Sie uns miteinander kommunizieren! Wir sind das Medium in der Region mit der größten Reichweite und der tiefsten lokalen Verankerung – von Rostock über die Landeshauptstadt bis nach Wittenberge in der Prignitz. Uns ist bewusst, dass wir uns mit einem Transparent, das einen plakativen  Appell aus der Hochphase der MVgida Bewegung aufgreift und zugleich die Flüchtlinge im Land willkommen heißt, nicht nur Freunde machen. Wie schon im Januar werden uns einige Menschen wieder vorwerfen,  propagandistisch die Regierungslinie aufzugreifen.

Wir sehen das anders: Wir finden, gerade in Zeiten großer Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung kommt es darauf an, Haltung zu zeigen. Wir stehen dazu, dass Menschen in Not nach dem Völkerrecht, wie nach dem Grundgesetz ein Anrecht auf Hilfe und Aufnahme haben. Das ist eine grundsätzliche Haltung, die man nicht von der Kassenlage abhängig machen kann und die nichts mit Hurra-Journalismus zu tun hat.

Denn zugleich werden wir unseren publizistischen Auftrag erfüllen, indem wir Missstände aufdecken, über die Sorgen und Ängste unserer Leser berichten, vor allem aber Gerüchte durch geprüfte Tatsachen ersetzen, und auch deutlich machen, dass – wer in unserem Land Zuflucht sucht, sich an die Regeln dieses Landes anpassen muss.  Und Politiker werden wir an ihre Verantwortung erinnern, indem wir sachlich und unaufgeregt kritischen Fragen nachgehen. So hat unsere Zeitung als erste über die unhaltbaren Zustände in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes berichtet.

Unser Land wird sich verändern. Es ändert sich bereits. Doch kein Flüchtling ist Schuld an politischen Entscheidungen, die weit vor der Fluchtwelle getroffen wurden – etwa die Rentenbeitragsanhebung oder Krankenhausreform. Dieses Land hat schon  andere Herausforderungen gemeistert. Wir werden gewiss vorübergehend zusammenrücken und an einigen Stellen unsere Komfortzonen verlassen müssen. Am Ende wird eine stärkere Gesellschaft dabei herauskommen, vielfältiger und moderner als sie bisher war. Lassen Sie uns wissen, was Ihnen Sorgen macht!

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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