Unschädlicher Mindestlohn? Unmöglich

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27. Januar 2008, 06:22 Uhr

Mit Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), sprach Christoph Slangen. Niedriglöhne sind nach Ihren neuesten Untersuchungsergebnissen vor allem in den neuen Bundesländern weit verbreitet. Ist es an der Zeit für 7,50 Euro Mindestlohn? Blum: Im Jahr 2006 bekam in Ostdeutschland nahezu jeder fünfte Beschäftigte weniger als 7,50 Euro. In Westdeutschland war es jeder zwölfte abhängig Beschäftigte. Das DIW Berlin hat unlängst zwar da rauf hingewiesen, dass die meisten, die solche Niedriglöhne erhalten, Zuverdiener sind. Dennoch kann es auch diese Leute unter die Armutsgrenze drücken, wenn der Mindestlohn steigt und deswegen ihre Zusatzjobs wegfallen. Mit einem Mindestlohn von 7,50 Euro wird riskiert, dass Jobs wegfallen. Also ist er schädlich? Blum: Das Dilemma: Ein unschädlicher Mindestlohn ist zugleich so niedrig, dass er auch überflüssig ist - also etwa auf dem Niveau von 4,50 Euro, einem Stundenlohn, der sich aus dem Hartz-IV-Satz ergibt. Wir haben über zwei Millionen Leute, die geringe Löhne unter dem Niveau von 7,50 Euro in der Stunde erhalten. Wenn ein Mindestlohn eingeführt wird, der höher liegt, sind Jobs gefährdet, weil es genügend Ausweichmöglichkeiten gibt. Das Beispiel der Friseuse, das von allen bemüht wird, wegen Tariflöhnen von teilweise wenig mehr als drei Euro, zeigt doch das Problem: Wird der Lohn drastisch erhöht und die Preise auch, werden die Leute einfach seltener zum Haareschneiden gehen - oder sich selbst die Haare schneiden, oder es doch in Schwarzarbeit erledigen lassen. Der Bundestag hat die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I für Ältere verlängert. Eine vernünftige Sache? Blum: Nein, eine unvernünftige. Das führt dazu, dass die Nachhaltigkeit der Betroffenen nachlässt, sich um einen neuen Job zu kümmern. Und für Unternehmer ist das moralische Risiko geringer, Leute vorzeitig aus der Firma zu nehmen. Es wird viel einfacher, ältere Leute auf dem Arbeitsmarkt zu "entsorgen". Beide Entwicklungen - sowohl beim Betroffenen wie auch beim Betrieb - sollten durch die Hartz-Reformen richtigerweise ausgeschlossen werden. Das jetzt mutwillig zurückzudrehen ist falsch.

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