Fehlender Mut

von
11. Februar 2009, 05:52 Uhr

Max-Stefan KoslikNein, ein Spaziergang wird die neue Kreisreform nicht. Das hat wohl auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nicht erwartet. Dass ihm aber gerade Gegenwind vom eigenen Mitstreiter und Parteivorsitzenden entgegenweht, macht die Sache nicht einfacher. Man kann Verständnis dafür aufbringen, dass Seidel in seiner Heimatregion sein Gesicht nicht verlieren möchte. Besonders professionell ist solch eine offen dokumentierte Meinungsverschiedenheit an der CDU-Landesspitze nicht. Was treibt Seidel um? Erklären wollte er es gestern nicht. Andererseits ist das Grundproblem der Caffier-Reform wie aller Reformen in diesem Land - ob Kommunen, Schulen oder Theater - das Ringen zwischen Stadt und Land ums liebe Geld. Es geht nicht wirklich darum, dass die alte Bezirksstadt Neubrandenburg als regionales Oberzentrum seine Autonomie behält. Nein, vielmehr wollen die umliegenden Gemeinden und Kreise nicht das Oberzentrum finanzieren. So geht es allen bisherigen kreisfreien Städten. Ob Kreisfreiheit oder nicht, Rostock, Schwerin, Stralsund, Neubrandenburg und Wismar leiden darunter, dass diejenigen, die von ihrer Infrastruktur profitieren, zu nicht geringen Teilen im Umland wohnen. Die Menschen zahlen ihre Steuern in den Dörfern und genießen die Vorteile der Stadt. Der fehlende Mut zu Eingemeindungen ist ein Webfehler dieser Reform. Wäre der vorhanden, würde es keine Debatte um Kreisfreiheit und keine Protokoll-Notizen geben. Obwohl diese zu verschmerzen sind. Denn Papier ist geduldig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen