Eigentum verpflichtet

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06. Februar 2008, 01:06 Uhr

Andreas Herholz "Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?", lässt Bertolt Brecht seinen Mackie Messer in der Dreigroschenoper fragen. Das Theaterstück mit seiner überspitzten Kapitalismuskritik erscheint auch 80 Jahre nach seiner Uraufführung hochaktuell. Betrüger, Nepper und Jongleure hier, rücksichtslose Manager, für die nur Umsatz und Gewinn, aber nicht das Ansehen des Unternehmens oder das Wohl der Mitarbeiter zählt, dort. Ob nun Nokia mit seinem Manchester-Kapitalismus, ob Siemens mit seiner Schmiergeldaffäre oder die Fehler und Fahrlässigkeit der Großbanken - das Vertrauen der Menschen in eine verantwortungsvolle Unternehmenskultur ist grundlegend erschüttert. Da verkündet Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo einen Rekordgewinn von 7,2 Milliarden Euro und entschuldigt sich - reichlich spät - im gleichen Atemzug für die geplante Werksschließung und die Entlassung von 2300 Beschäftigten in Bochum. Eigentum verpflichtet. Und sein Gebrauch soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Dass dies nicht nur eine Redensart ist, sondern ein in der Verfassung verankertes Grundrecht, scheint in den Vorstandsetagen mehr und mehr und in Vergessenheit zu geraten. Auf Dauer schadet solch ein rücksichtloser Kurs nicht nur dem Zusammenhalt der Gesellschaft, sondern auch dem Unternehmen.

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