Die Stasi als Chronist

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07. Dezember 2009, 07:12 Uhr

Als vor 20 Jahren einige Bürgerrechtler sich aufmachten, den Aktenbestand des Ministeriums für Staatssicherheit in Beschlag zu nehmen, hätte wohl kaum einer gedacht, dass sie auch einen beachtenswerten Beitrag zur bundesrepublikanischen Geschichtsschreibung leisten würden. Aber jetzt kommt so allmählich ans Licht, was nicht nur Historiker interessiert, sondern auch Bedeutung für das politische Geschehen von heute hat. So wird jetzt anschaulich daran erinnert, dass es gut 20 Jahre nach Kriegsende in der Bundesrepublik nur mit erheblicher Mühe gelang, das Erstarken einer rechtsradikalen Bewegung zu verhindern. Die NPD hatte 1969 nur knapp mit 4,3 Prozent der Stimmen den Einzug in den Bundestag verpasst und auch bei der Polizei liebäugelte so mancher mit nationalsozialistischem Gedankengut. Dass wir dies jetzt aus Stasi-Unterlagen lesen können, wirft Fragen auf. Die wohl am wenigsten bedeutsame ist dabei, warum auch die DDR solche Erkenntnisse geheim hielt. Aber dass es der Bundesrepublik bislang nicht gelang, mit der Öffnung wenigstens eines Teils der alten Verfassungsschutz- und BND-Akten ihrerseits einen Beitrag zum besseren Verständnis der Zeitgeschichte zu leisten, ist betrüblich. Denn die Vorgänge um das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke gehören zu den einschneidenden Ereignissen der Nachkriegsgeschichte. Das darf man nicht den Chronisten der Stasi überlassen.

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