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Meinung

20. November 2017 | 10:56 Uhr

Defizite im Zusammenspiel

vom

svz.de von
erstellt am 23.Nov.2007 | 10:27 Uhr

Wieder ist es Fassungslosigkeit. Wie konnte das nur passieren? Der Hungertod der kleinen Lea-Sophie in Schwerin ist eine unbegreifliche Tragödie, die in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland jeden mit Scham erfüllen muss. Vor Ort ist jetzt eine umfassende Bestandsaufnahme der Verantwortlichkeiten geboten. Die Umstände, die zum schrecklichen Tod des kleinen Mädchens geführt haben, müssen gründlich aufgearbeitet werden. Dazu könnte sich - wie zuletzt im Bremer Fall Kevin - ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss durchaus eignen. Schonungslose Aufklärung statt hektischer Schuldzuweisungen in der Öffentlichkeit!
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich Fälle wie die in Schwerin und Bremen wiederholen können und werden - selbst bei bester Vorsorge. Doch das Risiko, dass Kinder Opfer von Vernachlässigung oder Misshandlungen durch ihre eigenen Eltern werden, lässt sich weiter deutlich senken. Die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen ist wichtig, aber kein Allheilmittel. Denn vernachlässigt werden können Kinder nach Expertenmeinung auch, ohne dass das beim Arztbesuch auffällt. Unabhängig vom ständig wiederkehrenden Streit um eine Vorsorge-Pflicht: Die Politik hat in letzter Zeit eine Menge Richtiges auf den Weg gebracht, um gefährdeten Kindern konkret zu helfen – von der geplanten Stärkung der Familiengerichte bis hin zu Projekten, mit denen potenzielle Problem-Eltern frühzeitig unterstützt werden können.
Doch drängt sich auch im Fall von Lea-Sophie der Eindruck auf, dass es die größten Defizite im Zusammenspiel zwischen den zuständigen Stellen gibt - vor allem zwischen Gesundheitsdienst und Jugendämtern. Wenn Kindern droht, misshandelt zu werden, oder Eltern sie verhungern lassen, muss der Staat in der Lage sein, Stärke zu zeigen.

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