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Hospizdienst Nordwestmecklenburg Tod ist kein Tabu: Begleitung am Ende des Lebens

Von Norbert Wiaterek | 17.12.2019, 20:00 Uhr

Der ökumenische Hospizdienst möchte in der Region Gadebusch-Rehna bekannter werden und hält viel Lob für den Wünschewagen bereit.

Sie begleiten Sterbende in der letzten Lebensphase, entlasten aber auch die Angehörigen und können in der Zeit der Trauer wichtige Bezugspersonen sein: 65 Hospizhelfer sind derzeit zwischen Wismar und Gadebusch, Boltenhagen und Rehna, Schlagsdorf und Neukloster unterwegs. Im Auftrag des Ökumenischen Hospizdienstes Schwerin-Nordwestmecklenburg stehen die Frauen und Männer schwerkranken und sterbenden Menschen und deren Familienmitgliedern zur Seite. Weltanschauung oder Konfession spielen keine Rolle.

„Niemand muss alleine sterben. Entscheidend ist das Gefühl, es ist noch jemand für mich da am Ende des Lebens“, sagt Dr. Britta Borgwald. Die 60-Jährige aus Warnow bei Grevesmühlen ist gemeinsam mit Gerda Voss als Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes tätig. Ihr Büro befindet sich in Wismar.

Weg vom Tabu des Todes

Das Angebot des Caritasverbandes für das Erzbistum Hamburg, des Diakoniewerkes im nördlichen Mecklenburg und des Diakonischen Werkes Mecklenburg-Vorpommern soll im Nordwestkreis bekannter gemacht und ausgebaut werden. „Tod und Sterben dürfen kein Tabu bleiben. Diese Themen sollten als Teil des Lebens in der Gesellschaft wahrgenommen und integriert werden“, so Borgwald. „Betroffene Familien, die in Ausnahmesituationen sind, sollen wissen, dass es uns gibt“, erklärt die Diplom-Agraringenieurin und Mutter von vier Kindern, „besonders im Bereich Gadebusch-Rehna, von wo uns bislang die wenigsten Anfragen erreichen. Dort wollen wir auch die Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen aktivieren. Die persönlichen Kontakte sind wichtig.“ Vorstellbar sei ebenfalls ein Trauercafé in Gadebusch oder Rehna. Solche Angebote gibt es bereits in Wismar und in Grevesmühlen.

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Bevor die Sterbebegleiter, einige wohnen in Gadebusch, Carlow und Rehna, in die Haushalte, Krankenhäuser, Hospize und Pflegeheime gehen, werden sie ausgebildet. Die „Befähigungskurse“ im kommenden Jahr in Wismar und Schwerin sind bereits ausgebucht. Nach den Lehrgängen haben die Frauen und Männer das nötige Rüstzeug für ihren Dienst, der auch an persönliche Grenzen bringen kann. „Wichtig sind deshalb die monatlichen Gruppenabende, wo die Arbeit reflektiert wird und wo man sich austauscht. Und auch Weiterbildungen gehören dazu“, teilt Borgwald mit. „Man muss eine gewisse Stabilität haben und sich abgrenzen können.“ Die Hospizhelfer stellen sich immer wieder neu auf die Situation in den Familien ein. „Wir stülpen niemandem etwas über, zwingen nichts auf, sondern nehmen uns zurück, zeigen Anteilnahme und schauen, wie sich etwas entwickelt und was gewünscht wird. Es gibt kein vorgefertigtes Programm.“

Entlastung für die Angehörigen

Hospizbegleiter wollen Ansprechpartner für Angst und Trauer sein. Sie sitzen bei den Kranken am Bett, sprechen mit ihnen, hören zu. Sie können vorlesen, in den Arm nehmen, schweigen, seelischen Beistand geben, beten. „Manchmal geht es um organisatorische Sachen, manchmal um existenzielle Dinge oder einen letzten Wunsch. Das ist sehr vielfältig“, betont Britta Borgwald. Angehörige, die „häufig völlig am Limit“ sind, auch Kinder, werden durch die neuen Ansprechpartner entlastet. „Man lenkt sie ab, redet über Sorgen, unterstützt bei der Herstellung von Kontakten zu Verwandten, Therapeuten, Seelsorgern. Man versucht, das Leben etwas einfacher zu machen. Das sind schon sehr berührende Begegnungen, die man hat.“

Da kullern auch mal die Tränen bei den Profis. „Auch ich muss manchmal weinen. Das gehört dazu. Wichtig ist, berührbar zu bleiben, nicht abzustumpfen“, findet Borgwald. „Hospizhelfer geben viel, können aber von den Sterbenden auch viel zurückbekommen. Dies ist eine befriedigende, sinnvolle Arbeit. Die Dankbarkeit der Angehörigten trägt uns, ist Motivation.“

Auf Spenden angewiesen

Der Dienst wird durch Krankenkassen gefördert. Aber die Hospizhelfer sind auch auf Spenden angewiesen, etwa für die Trauerarbeit.

Gut finden die Ehrenamtlichen den Wünschewagen, eine Aktion unserer Zeitung. Sterbenden Menschen wird ein letzter Herzenswunsch erfüllt. „Eine klasse Aktion“, lobt Borgwald. „Wir können schnell reagieren und den Menschen eine Freude machen. Kürzlich konnte zum Beispiel dank des Wünschewagens einer kranken Dame die Teilnahme an der Hochzeit ihrer Tochter ermöglicht werden.“

Wünschewagen: So können Sie helfen
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