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Manuela Schwesig zur Weihnachtsspendenaktion „Füreinander da sein – darauf sollten wir keinesfalls verzichten.“ 

Von Max-Stefan Koslik | 27.11.2022, 15:13 Uhr

Schirmherrin Manuela Schwesig erzählt im Interview zur Weihnachtsspendenaktion zugunsten des ASB-Wünschewagens darüber, was ihr bei ihrer Krebstherapie Kraft gab.

Es ist wieder so weit: Am Wochenende startete unsere Weihnachtsspendenaktion 2022. Wie in den Vorjahren bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Unterstützung für die Wünschewagen des ASB in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg. Und wie in den Vorjahren ist erneut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) als Schirmherrin an der Seite unserer Leser. Sie selbst hat glücklicherweise eine schwere Krankheit überwunden. Wir sprachen mit Ihr darüber, welche Gedanken sie bei dem Anliegen, schwerkranken Menschen letzte Wünsche zu erfüllen, bewegen.

Frau Ministerpräsidentin, Sie unterstützen in diesem Jahr wieder unsere Spendenaktion zugunsten des Wünschewagens. Gleichzeitig übernehmen Sie die Schirmherrschaft über das Projekt. Was bedeutet das für Sie?

Ich schätze das Projekt Wünschewagen sehr. Es ist eine großartige Sache, Menschen, denen nicht mehr viel Zeit bleibt, noch eine letzte große Freude zu machen. Ob es um einen Ausflug geht, um einen Besuch bei Familie oder Freunden, um einen Theater- oder Kinobesuch: Alle Aktionen bringen Schwerstkranken Freude und lassen sie für wenige Stunden ihr schweres Schicksal in den Hintergrund treten. Das ist auch für die Angehörigen, denen Schlimmes bevorsteht, eine große Erleichterung. 

Als Schirmherrin begleiten Sie unsere Weihnachtsaktion seit fünf Jahren. Sieht man diese Leseraktion mit einem neuen Blick, wenn man selbst von einer schrecklichen Krankheit geheilt ist?

Auf jeden Fall, denn man teilt ja Erfahrungen und kann gut nachvollziehen, wie es den Betroffenen geht, welche Ängste sie haben, wem sie vertrauen, worauf sie hoffen und auf wessen Unterstützung sie setzen.

Wie geht es Ihnen persönlich?

Mir geht es gut. Ich war gerade wieder zur Reha. Ich habe mich auch erholt und neue Kraft für die nächsten Aufgaben geschöpft. Außerdem ist es für mich ganz wichtig, dass meine Familie und meine Freunde mich unterstützen. Gute Wünsche erreichen mich auch immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern aus unserem Land. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie schwer fällt Ihnen die Therapie nach Ihrer Erkrankung vor zwei Jahren?

Natürlich ist eine Reha auch anstrengend. Aber ich lerne jedes Mal Neues, das ich zu Hause gut anwenden kann. Die Akuttherapie seit 2020 habe ich hinter mir. Das war die schwerste Zeit. Seit über zwei Jahren bin ich krebsfrei. Dafür bin ich sehr dankbar. Die Reha ist zur Erhaltung meiner Gesundheit und tut mir sehr gut.

Wie werden Sie mit Ihrer Familie Weihnachten verbringen?

Wir sind da sehr traditionell. Weihnachten in Familie, mit Gottesdienst im Schweriner Dom, Kartoffelsalat, Würstchen und dann Bescherung ist uns wichtig. Zusammensein, Singen, Geschichten vorlesen. Ich freue mich darauf.

Was wünscht man sich, was wünschen Sie sich, für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft, der ja bei solchen Hilfsaktionen ganz offenbar wird, während er anderswo verloren zu gehen scheint…

Ich wünsche mir, dass Menschen weiterhin aufeinander achtgeben, sich umeinander kümmern. Dann fühlen sie sich in ihrem Alltag auch wohl. Mal ist es der übernommene Einkauf, dann wieder ein Gespräch auf der Straße oder ein Kaffeeklatsch im eigenen Wohnzimmer oder in einem Café. Miteinander leben und füreinander da sein – darauf sollten wir keinesfalls verzichten. Zusammenhalt ist wichtig.

Unsere Gesellschaft ist eigentlich sehr gut aufgestellt, auch insbesondere für schwere Krisen, wie die Corona-Pandemie zeigte, doch jetzt gehen wieder jeden Montag Menschen auf die Straße. Was sagen Sie denen, die berechtigte Angst haben?

Ich verstehe die Ängste vor immer weiter steigenden Preisen, ob bei der Energie, bei Lebensmitteln oder für Dienstleistungen. Deshalb haben wir uns früh für Preisbremse, Energiegeld und Härtefallfonds eingesetzt. Mit dem landeseigenen Energiefonds in Höhe von 1,1 Milliarden Euro sichern wir Energie, unterstützen Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und soziale Einrichtungen. Außerdem finanzieren wir das 49-Euro-Ticket und das Wohngeld wird erhöht. Ich bin mir sicher, dass auch jeder Einzelne seinen Beitrag zur Einsparung von Energie leistet. Viele machen sich auch Sorgen wegen des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Putins gegen die Ukraine. Die meisten Menschen in Deutschland wünschen sich, dass dieser Krieg eher heute als morgen zu Ende ist. Dazu gehöre ich auch. Was für mich nicht geht, ist, wenn Menschen beleidigt, bedroht oder angegriffen werden. Solche Verhaltensweisen haben in einer demokratischen Gesellschaft nichts zu suchen.

Kann man den Menschen Hoffnung machen, dass der Krieg nicht nach Deutschland kommt?

Ich nehme die Sorgen der Menschen sehr ernst und vertraue unserem Bundeskanzler. Bei allen Ängsten und Sorgen dürfen wir unsere Zuversicht und Hoffnung nicht aus den Augen verlieren. Die Antwort darauf ist schwierig, denn wir haben es nicht in der Hand. Wir unterstützen die Ukraine und die Menschen, die zu uns flüchten. Wenn daraus Hoffnung auf ein Ende des Krieges wächst, dann ist das ein gutes Zeichen.

Nochmal zurück zum Wünschewagen, die Fahrten werden von Ehrenamtlichen begleitet. Das Engagement dort wächst seit Jahren kontinuierlich, wie würdigt das Land solche Leistungen neben dem Job?  

Das Ehrenamt spielt in unserem Land eine große Rolle. 43 Prozent der Menschen ab 14 Jahren sind bei uns ehrenamtlich tätig. Ob in großen Organisationen wie DRK, Volkssolidarität, Caritas oder den Freiwilligen Feuerwehren, bei den Landfrauen, in den vielen Vereinen und Verbänden oder aber in kleinen Initiativen oder in der Nachbarschaftshilfe – überall sind Menschen aller Generationen unterwegs, um anzupacken, Freude zu bringen oder Not zu lindern. Man kann sie gar nicht alle aufzählen. Das Land schätzt das Ehrenamt in all seinen Facetten. Wir haben den Tag des Ehrenamtes, an dem wir Ehrenamtliche stellvertretend für viele mit einer Ehrennadel, einer Urkunde und einem gemeinsamen Beisammensein würdigen. Wir verleihen den Landesorden, und regelmäßig werden auch Frauen und Männer aus unserem Bundesland vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. Wir unterstützen das Ehrenamt mit unserer Ehrenamtsstiftung und sind sehr stolz darauf, dass die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt ihren Sitz bei uns in Neustrelitz hat. Allen Ehrenamtlichen herzlichen Dank, natürlich auch denen, die den Wünschewagen organisieren und begleiten!

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