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Weihnachtsaktion „Wünschewagen“ In Atlantis alles um sich herum vergessen

Von KLIk | 17.12.2017, 09:00 Uhr

Eva Witts ganz großer Wunsch war es, einmal „Holiday on Ice“ zu erleben – der ASB-Wünschewagen hat ihn für die 82-Jährige wahr werden lassen

Fabelhafte Wesen bevölkern die im Meer versunkene Stadt Atlantis: vielfarbige Schmetterlinge, prächtige Hirsche mit gewaltigem Geweih, ein weißes Einhorn, ein schwarzer Panther, eine rot geringelte Schlange mit riesigen Giftzähnen. Und dazwischen silbrig glänzende Fische, leuchtende Quallen und Taucher in neongrünen Anzügen. Eva Witt kann die Augen von all der Pracht auf der Eisfläche gar nicht abwenden. Sie hat die Hände fest ineinander verschlungen, lehnt sich in ihrem Rollstuhl immer wieder nach vorn, um ja nichts zu verpassen. Und zwischendurch, wenn die Musik leise und das Licht schummrig wird, wischt sie sich verstohlen eine Träne aus dem Gesicht.

Einmal „Holiday on Ice“ erleben – der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), den unsere Zeitung mit ihrer diesjährigen Weihnachtsspendenaktion unterstützt, hat für die 82-Jährige aus Bad Doberan diesen großen Traum Wirklichkeit werden lassen. Vermittelt hat das Nicole Steinicke, die die Seniorin bereits seit eineinhalb Jahren als freiberufliche Palliativschwester betreut – und die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich im Wünschewagenteam engagiert.

„Frau Witt hatte mir schon Anfang September, als die ersten Plakate für die aktuelle Show ,Atlantis‘ auftauchten, davon erzählt, wie gerne sie einmal ,Holiday on Ice‘ erleben wollte“, erinnert sich Nicole Steinicke. Die alte Dame sei ihr ans Herz gewachsen und mittlerweile so etwas wie ihre Ersatzomi, deshalb hätte sie sich auch gleich an Wünschewagen-Projektleiterin Bettina Hartwig gewandt. Und die besorgte nicht nur Tickets in der ersten Reihe für Eva Witt und zwei Ehrenamtler aus dem Wünschewagenteam. Sie klärte auch mit dem Management der Rostocker Stadthalle, dass der Wagen durch alle Sperren direkt bis zu einer Schräge durchfahren durfte, über die die Rollstuhlfahrerin auf kürzestem Wege zu ihrem Platz gelangte.

War da nur die Frage, ob Eva Witt es drei Monate später überhaupt noch schaffen würde, die Vorstellung zu besuchen. „Aber ich war mir sicher – zumal es ja auch so ist, dass die Vorfreude auf ein ganz besonderes Ereignis Wunder wirkt“, erklärt Nicole Steinicke. Und sie sollte damit recht behalten.

An dem Tag, an dem Eva Witts Wunsch erfüllt wird, wirkt sie gesund und munter – und vor allem aufgeregt. Wenn sie allerdings gefragt wird, wie es ihr geht, spricht sie ganz offen darüber: „Mein Mann ist an Krebs gestorben, meine Tochter – und nun bin ich dran.“ Sie habe für sich angenommen, dass der Körper seit zwei, drei Jahren immer weniger mitspiele. „Ich habe viele gute Jahre gehabt, und nun muss ich auch die schlechten nehmen“ meint sie ganz sachlich, und ergänzt: „Heute sage ich, Hauptsache im Kopf ist noch alles in Ordnung.“

Besonders schlimm sei es gewesen, als sie durch die Chemotherapie zeitweise kein Gefühl in den Fingerspitzen hatte, erzählt Eva Witt. Zum Glück habe sich das irgendwann gegeben, sodass sie auch wieder stricken könne – denn Stricken ist eine ihrer großen Leidenschaften. Fünf Pullover und mehrere Schals habe sie allein in den letzten Wochen für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ gestrickt, erzählt die 82-Jährige.

Zu ihren großen Leidenschaften gehört aber auch das Eiskunstlaufen. „Nein, nicht selbst“, meint sie lachend, aber sie habe sich die Kufenkünstler und -künstlerinnen schon immer gern im Fernsehen angeschaut. Vor allem Katarina Witt hatte es ihr angetan, verrät sie – ein wenig habe das natürlich auch mit der Namensgleichheit zu tun. „Früher hab ich immer gesagt, Kati Witt ist meine Tochter – und mancher hat’s geglaubt“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern.

Nicole Steinicke hat sie außerdem verraten, dass ihr Mann sie früher damit aufgezogen hätte, dass sie bei besonders hohen oder komplizierten Sprüngen der Eiskunstläufer auf dem Bildschirm selbst aus dem Sessel aufgesprungen wäre. „Wenn mir das bei ,Holiday on Ice‘ passiert, dann tipp mich bloß an“, bat sie die Palliativschwester deshalb noch kurz vor der Vorstellung.

Ob es dieses Antippen tatsächlich gegeben hat, bleibt das Geheimnis der beiden Frauen. Maximal Katrin Ender, die an diesem Tag den Wünschewagen steuerte und die in der Vorstellung neben ihnen saß, kann es gesehen haben. Dafür wissen im Doberaner Johanneshaus, in dem Eva Witt lebt, inzwischen die meisten Bewohner und Pflegekräfte, wie sehr der 82-Jährigen die „Holiday on Ice“-Vorstellung am vergangenen Wochenende gefallen hat. Gar nicht genug kann sie von den phantastischen Kostümen und scheinbar schwerelosen Bewegungen der Eiskunstläufer und Artisten schwärmen.

Nicole Steinicke hat ihr in der Pause ein Programmheft besorgt. So kann Eva Witt auch jetzt, da die Show längst weitergezogen ist, immer noch einmal in die verwunschene Welt von Atlantis eintauchen und alles um sich herum vergessen.

So können Sie helfen
Die Adventszeit ist die Zeit der Familie. Wir freuen uns auf Weihnachten, auf ausgelassene Fröhlichkeit und darauf, dass sich der eine oder andere lang gehegte Wunsch erfüllt. Auch in unserer diesjährigen Weihnachtsaktion geht es um Wünsche. Um letzte Wünsche. Und um Menschen, die niemanden haben, der sie ihnen erfüllen kann. Seit Juni gibt es einen Wünschewagen in Mecklenburg-Vorpommern, wie auch in Brandenburg seit 2016. Inzwischen haben sich über 50 Menschen um ein Team geschart, die im Ehrenamt, in ihrer Freizeit anderen Menschen ihren letzten Wunsch erfüllen. Rettungssanitäter, Krankenschwestern, Palliativ-Assistenten... Der ASB hat einen Rettungswagen ausgebaut, so dass schwerkranke Menschen damit befördert werden können. Es geht um Schwerstkranke in der letzten Phase ihres Lebens. Und es geht um vergleichsweise kleine Wünsche. Die Rollstuhlfahrerin, die noch einmal die Füße in die Ostsee stecken will. Den  Senior, der noch einmal in einer ganz bestimmten Bäckerei in Zingst ein Stück Kuchen essen möchte. Den an Krebs erkrankten 22-Jährigen, der Hansa Rostock im Stadion spielen sehen will. Es gibt auch Kinder an Bord... Manchmal ist der Tod schneller als der Wünschewagen. Auch deshalb wollen wir mit unseren  Lesern helfen, die beim ASB angemeldeten Wünsche von Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern oder der Prignitz schnell erfüllen zu können. Die Fahrten werden ausschließlich aus Spendenmitteln finanziert. Projektleiterin Bettina Hartwig beziffert den Spendenbetrag, der für ein Jahr erforderlich ist, auf 70 000  Euro. Wir sagen, es ist Zeit, etwas für unsere Mitmenschen zu tun, die sich nicht selbst helfen können. Schirmherrin unserer Aktion ist Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Helfen Sie bitte mit bei der gemeinsamen Weihnachtsaktion unserer Zeitung und des  ASB.  Helfen Sie anderen Menschen. Oft zeigt schon ein kleiner Betrag eine große Wirkung. Ihre Schweriner Volkszeitung

Kontodaten
ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Spenden für die Prignitz:
ASB-LV Brandenburg e.V.
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401

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