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Kampf um das Stargarder Land Vor 700 Jahren: Die Schlacht bei Gransee

Von Andreas Röpcke | 10.12.2016, 00:00 Uhr

Beim Kampf um das Stargarder Land kamen auf einen Mecklenburger vier feindliche Gegner

Militärische Heldentaten gehören - anders als bei den preußischen Nachbarn - nicht zu den hervorstechenden Merkmalen der Geschichte Mecklenburgs. Aber es gab sie doch. Dass das Stargarder Land bis heute zu Mecklenburg und nicht zu Brandenburg gehört, entschied sich vor 700 Jahren in der großen Schlacht bei Gransee (zwischen Fürstenberg und Oranienburg). Und das kam so.

Heinrich II. von Mecklenburg, wegen seines Kampfesmuts auch „der Löwe“ genannt, hatte 1292 Beatrix geheiratet, die Tochter des Markgrafen Albrecht von Brandenburg. Die brachte das Land Stargard als Mitgift in die Ehe ein, es wurde „erheiratet“, weshalb bis ins 20. Jahrhundert ein weiblicher Arm mit einem Ring für Stargard im mecklenburgischen Landeswappen geführt wurde. Als Beatrix 1314 gestorben war, verlangte Brandenburg die Hochzeitsgabe zurück. Heinrich lehnte ab. In den politischen und militärischen Bündnissen der Zeit waren beide auf entgegengesetzte Seiten geraten: Heinrich kämpfte auf Seiten des Dänenkönigs Erich. Mit ihm verbündet waren u.a. Fürst Wizlav von Rügen, die Grafen von Schwerin, die Grafen von Holstein, der Bischof von Schwerin und die Herzöge von Sachsen und Lüneburg.

Der brandenburgische Markgraf Waldemar wurde unterstützt von den Herzögen von Pommern und der Stadt Stralsund und weiteren Fürsten und Herren.

Blutige Gefechte bei Luplow im Land Stavenhagen und bei Quastenberg in der Nähe der Stadt Stargard hatten die Mecklenburger für sich entscheiden können. Im Sommer 1316 brachen sie plündernd in die Mark ein. Markgraf Waldemar hatte ein stattliches Heer zusammengezogen mit Unterstützung aus Polen, Thüringen, der Mark Meißen, Hessen und der Herzogin von Braunschweig und stellte sie bei Gransee mit großer Übermacht: Auf einen Mecklenburger seien vier Feinde gekommen, berichten die Chronisten beeindruckt. Ein heißer Kampf entbrannte. Der Chronist Ernst von Kirchberg widmet der Schlacht ein ganzes Kapitel: „Da war das größte Streiten,/ das je in unseren Zeiten/ in wendischen Landen so geschah“. Heinrich der Löwe erhielt mit einer Axt einen mächtigen Schlag auf seinen Helm, kämpfte aber mannhaft weiter wie der antike Held Hektor im Trojanischen Krieg. Sogar ein Grevesmühlener Bürger wird namentlich genannt, Nikolaus Schrapentrog, der mit einem Ritter den Markgrafen so in Bedrängnis brachte, dass er vom Ross stürzte. Den Helm hatten sie ihm schon abgenommen, als der Graf von Mansfeld sich zu ihnen durchkämpfte und dem Markgrafen mit einem neuen Pferd zur Flucht verhalf, während er selbst in Gefangenschaft geriet.

Nicht die Zahl der Ritter, die Tapferkeit des Mecklenburger Fußvolks brachte die Entscheidung. Die Schlacht endete mit einem glanzvollen Sieg der Mecklenburger. Wie die Hühner flohen die Feinde. Der Markgraf musste die realen Machtverhältnisse anerkennen: Stargard blieb bei Mecklenburg. So wurde es 1317 im Frieden von Templin festgeschrieben, und so ist es noch immer.