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Weihnachtsschmuck Sind die Lichter angeschaltet...

Von Rolf Roßmann | 15.12.2017, 00:00 Uhr

Opulente Weihnachtsbeleuchtungen schmücken längst auch Mecklenburger Häuser.

Mittlerweile finden sich auch hierzulande opulente weihnachtliche Fassaden- und Gartenbeleuchtungen. Dergleichen kannten die Mecklenburger vor der Wende so gut wie gar nicht. Vereinzelt sah man in den Fenstern die aus dem Erzgebirge „importierten“ Schwibbögen oder einen Weihnachtsstern – das war es dann aber auch.
Bevor die weihnachtlich-bunte Häuserillumination den Osten Deutschlands erreichte, gab es erste Beispiele bereits in der alten Bundesrepublik. Ursprünge derartiger Fassaden- und Gartenbeleuchtungen liegen in den USA und reichen bis in die Zeit der Elektrifizierung zurück.

Die Verbindung von Weihnachten und Licht lässt sich aber wesentlich weiter zurückverfolgen. Sie begründet sich in dem Wunsch der Menschen, mit den um die Wintersonnenwende entfachten Flammen die längsten Nächte des Jahres zu erhellen. In verschiedenen Religionen steht Licht auch für Wiedergeburt und ewiges Leben. Die Geschichte der Weihnachtsbaumbeleuchtung beginnt allerdings erst später. Früheste Belege für mit Licht besteckte Christbäume gehen zurück bis in das Jahr 1827.

In den USA spielte dabei der technische Fortschritt die entscheidende Rolle. Ein erster Bericht über eine elektrische Weihnachtsbaumbeleuchtung stammt aus dem Jahr 1882. Damals berichtete ein Zeitungsreporter aus New York: „Ein blinkender Christbaum dreht sich wie von Geisterhand. 80 Lämpchen leuchten in den Zweigen.“ Aufgestellt und beleuchten lassen hatte diesen Baum ein gewisser Edward Johnson, Teilhaber der Lichtfabrik von Thomas Alva Edison. Dieser Weihnachtsbaum gilt heute als erstes Exemplar mit einer elektrischen Beleuchtung.

Es dauerte etwa weitere 20 Jahre, ehe die erste elektrische Lichterkette auf den Markt kam und erst 1912 stellten die Amerikaner zum ersten Mal in New York öffentlich einen geschmückten Baum aus. Mit der nun einsetzenden Massenproduktion verbreiteten sich die Weihnachtsbaumbeleuchtungen zunächst für den Einsatz innerhalb der Gebäude, und um 1910 tauchten die ersten Lichterketten für den Freiluftgebrauch in San Diego und New York auf.

In Deutschland soll der erste elektrisch beleuchtete Straßenweihnachtsbaum 1924 auf dem Rathausplatz in Weimar gestanden haben, und bereits um 1930 werden auch in mecklenburgischen Städten Weihnachtsbäume mit elektrischer Beleuchtung auf zentralen Plätzen aufgestellt.

In der DDR ermöglichte die schwierige Nachkriegssituation erst Ende der 1950er-Jahre die Herstellung elektrischer Lichterketten für innenstehende Weihnachtsbäume und ab den 1960er-Jahren auch für die Außennutzung. Aber nur wenige leisteten sich den Luxus einer Außenbeleuchtung.

Erst nach der Wende, Ende der 1990er-Jahre, installierten zunehmend auch mecklenburgische Hausbesitzer aufwendigere Weihnachtsbeleuchtungen und andere Schmuckelemente an Fassaden und in Gärten.

Einen frühen Vorgeschmack auf diese Art „Weihnachtshäuser“ in den USA übermittelte 1946 ein nach Omaha in die USA ausgewanderter Bruder meines Urgroßvaters. Er übersandte unserer Familie in Neu Kaliß folgenden Zeitungsartikel: „Herr Winter ist der Erfinder und Hersteller von ,Winters Wunderland‘. Es handelt sich um eine Prunkdarstellung des Weihnachtsspiels. … Jeden Abend zwischen 18:30 Uhr und 22:30 Uhr halten vor dem Heim des Herrn Winter Motorradfahrer, Fußgänger und einige Autofahrer, um das Weihnachtsspiel zu beobachten. Sie lauschen der Musik und den Liedern des von Herrn Winter in Heimarbeit hergestellten Phonographensystems. Sie beobachten einen kleinen Engel, der drei Glocken läutet auf dem Dach über dem Eingang des Hauses. Herr Winter zeigt farbige Szenen der Geburt Christi durch einen 35 Jahre alten Projektionsapparat. Der Lichtschirm ist auf dem Dach über dem Eingang. Ein Engelkarussell, welches er vor 56 Jahren aus Deutschland nach Amerika mitbrachte, wird auch gezeigt. … ,Ich glaube, ich habe etwas ausgeführt, was kein anderer Omahan fertiggebracht hat‘, sagte Herr Winter.“

Es dauerte noch etwa ein halbes Jahrhundert, ehe diese Weihnachtsschau in modifizierter Form auch die alte Heimat des einstigen Emigranten erreichte. Während die damalige Szenerie in den USA thematisch noch tief religiös war, orientieren sich heutige „Lichtkünstler“ eher an modernen Weihnachts- und Wintersymbolen wie Schnee- und Weihnachtsmännern, aber auch Rentieren mit und ohne Schlitten und skurrilen Phantasieszenen – Hauptsache bunt und stimmungsvoll. Dabei finden die Lichterketten ihren Weg entlang der Dachrinnen, Hauskanten, Schornsteine, Gesimse, Nebengebäude und Anpflanzungen jeglicher Art.