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Ulrich Hinse Ein Krimiautor aus Mecklenburg

Von Jürgen Seidel | 10.12.2016, 00:00 Uhr

Blonde Indianer oder haben Templer in Südamerika überlebt? Der Pinnower Autor Ulrich Hinse arbeitet derzeit an einem neuen Buch

Manchmal beginnt ein Schriftstellerleben ungewöhnlich. So auch bei Ulrich Hinse, dem gebürtigen Westfalen, der seit mehr als einem Vierterljahrhundert in Pinnow nahe der Landeshauptstadt zu Hause ist. Der Beginn der literarischen Karriere des 2007 pensionierten Kriminaldirektors a.D. lässt sich zeitlich und örtlich sehr genau festlegen. Zur Jahrtausendwende war er mit seiner Frau nach Teneriffa gereist und gleich am ersten oder zweiten Urlaubstag stürzte er schwer und brach sich eine Rippe. Es blieb nur, den langen Rest des Urlaubs auf der Terrasse zu sitzen, aufs Meer zu starren und seinen Gedanken nachzuhängen. Einer dieser Gedanken war, die Zeit zum Schreiben zu nutzen.

Auf diese Weise entstand 2002 sein erster autobiographischer Roman „Wer will schon nach MeckPomm?“ – nach eigenen Worten ein Erlebnisbericht darüber, was einem Wessi im Osten passiert, sowohl mit den Einheimischen als auch mit anderen Wessis. Der Autor war 1991 vom Bundeskriminalamt zum Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern gekommen und baute hierzulande den Staatsschutz auf. Und im Gegensatz zu manch anderen Import-Beamten blieb er hier.

Mit „Wer will schon nach Meck-Pomm?“ war der Kriminalist auf den Geschmack gekommen und hat einfach weitergeschrieben. Seine nächsten Bücher waren dann auch solche, die sehr eng mit seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit zu tun hatten wie „Blutiger Raps“, wo es um die Auseinandersetzungen zwischen linker und rechter Szene geht, und „Die 13. Plage“, wo es um den internationalen Terrorismus geht. Beide Bücher sind auch heute noch sehr aktuell.

Es folgte die Phase der Kriminalromane, für die Hinse eigens auch den Chef der Schweriner Mordkommission erfand – Erster Kriminalhauptkommissar (EKHK) Raschke. Erfunden wie er ist auch vieles von den Fällen in seinen „Schweriner Mordgeschichten“ und in seinen Pinnow-Krimis. Natürlich greift der Autor Erfahrungen aus seiner Zeit im Kommissariat für Mord und Gewaltdelikte auf. Anregungen für seine Geschichten entnimmt er aber auch nicht selten der Zeitung: „Meist ist es so, dass ich etwas lese, was passiert ist, und da mache ich dann was draus.“ Sein EKHK Raschke ist zwar ausgedacht, allerdings sind in diese Erfindung einige eigene biographische Aspekte von Hinse eingeflossen. Und er könne sich mit dieser Figur schon sehr gut identifizieren, sagt Hinse, der mit ihr das Geburtsjahr 1947 teilt. In der Wirklichkeit aber gebe es keinen Raschke. Nein, wahrscheinlich nicht.

Gerade hat Ulrich Hinse mit einem neuen Buch angefangen. Darin geht es bereits zum fünften Mal um die Templer, jenen geheimnisvollen Mönchsorden des Mittelalters, der einst unermesslich reich war und dann in einer Art Nacht- und Nebel-Aktion enteignet werden sollte. Die aktuelle Fortsetzung hat etwas mit dem südamerikanischen Halbkontinent zu tun und mit einem von den Inkas unterdrückten Volksstamm, den auch als Wolkenmenschen bekannten Chachapoya, in deren Adern keltisches Blut fließen soll. Nicht wenige dieser Indianer haben blondes Haar und einige dieser Leute sogar blaue Augen. Schon als die Konquistadoren in die Anden kamen, hatten sie über die hellhäutigen Chachapoya gestaunt. Nach allerneuesten Forschungen sollen dort in Peru DNA-Profile aus Galicien, aus dem Norden Portugals sowie aus Frankreich aufgetreten sein. Für den Schriftsteller sind diese Fakten der geeignete Aufhänger, um darüber nachzudenken, ob diese Leute womöglich von den Templern abstammen. Und der Leser darf es dem Autor gleichtun. Warum eigentlich soll es nicht doch so gewesen sein?

Die erste Begegnung mit dem Templer-Orden passierte übrigens, als Hinse 2009 seinen Jakobsweg-Krimi schrieb. Im „Jakobsweg-Komplott“ geht es um eine kriminelle Gruppe, die versucht, das Gold der Templer wiederzufinden. Mittendrin im Geschehen ist niemand anderer als – unser Schweriner Kriminalkommissar ohne Vornamen Raschke. Danach beschloss Hinse, jetzt darüber schreiben, wann und wie die Templer das Gold dort versteckt hatten. Ein zweiter Grund, sich weiter mit diesem Thema zu befassen, waren unzufriedene Leser-Reaktionen auf den Schluss seines 2014 veröffentlichten Romans „Das Gold der Templer“. Also griff er das Thema wieder auf und beschäftigte sich weiter intensiv mit der Geschichte dieses Ordens. Das literarische Ergebnis war die 2016 erschienene Fortsetzung „Der Traum des Templers und seine Reise über das Atlantische Meer“. Während der Arbeit daran kam Hinse eine weitere spannende Idee: Ein Teil der Templer hat sich im Gebiet des Orinoco von den anderen, die wieder zurückfuhren, getrennt und den Weg in eine unbekannte Zukunft angetreten.

Und Ulrich Hinse, der sich hierzulande und speziell in der Gegend zwischen Pinnow und der Landeshauptstadt längst zu Hause fühlt, begann wieder zu schreiben. Erscheinen soll der neue Templer-Roman im nächsten Jahr wieder bei der Edition digital aus Godern sowohl als E-Book wie auch als gedruckte Ausgabe.