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Mecklenburg-Vorpommern Zwischen Zufall und drohender Eiszeit

Von zvs | 17.12.2010, 07:37 Uhr

Das sagen Meteorologen.

 

Die Meteorologen bestätigen, was die meisten schon bei einem Blick aus dem Fenster vermuten: Es bleibt frostig, auch in der kommenden Woche. Der Schnee
bleibe folglich auch Weihnachten liegen. Wie aber schätzen die Wetterexperten die generelle Entwicklung ein? Schließlich hat der Dezember Deutschland Schnee und Eis wie seit vielen Jahren nicht mehr gebracht - und auch der vergangene Winter war schon kalt. Andreas Friedrich, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD), sagt, dass sich die Großwetterlage zwar derzeit umgestellt habe. Spekulationen, dass dies mit dem globalen Klimawandel zusammenhängen könnte, hält er aber für abwegig. Die Kapriolen könnten immer noch mit dem "chaotischen Zufall" in der Atmosphäre erklärt werden. "Wir sind in Mitteleuropa einfach in den vergangenen Jahren durch extrem milde Winter verwöhnt worden", so Friedrich. "Wenn jetzt einige Winter etwas zu kalt sind, dann reicht das aber noch lange nicht an die harten Winter etwa während des Zweiten Weltkriegs oder auch in den 1960er-Jahren heran."

Auf die Frage, ob die veränderte Aktivität der Sonne eine Ursache sein könne, sagt Friedrich: "In den vergangenen drei Jahren war die Sonnenaktivität sehr gering." Zu den Auswirkungen auf die Atmosphäre gebe es Untersuchungen, "aber wissenschaftlich belegt ist das auch nicht".

Thomas Globig vom Wetterdienst Meteomedia beschreibt die Situation dagegen dramatischer. "Das ausgehende Jahr 2010 wird das kälteste seit zehn Jahren in Deutschland", sagt er. Schon jetzt steht fest: Die Temperaturen in Deutschland lagen dieses Jahr mit 8,1 Grad um 0,2 Grad unter dem langjährig gemessenen Mittel von 8,3 Grad. In Berlin gab es Anfang Dezember den absoluten Kälterekord, "seit 100 Jahren war es hier nicht so kalt wie in der ersten Dezember-Dekade", so Globig. Das gelte auch für andere Regionen.

Überraschend ist die Kälte für ihn jedoch nicht. Globig erinnert an eine längere Phase kalter und extrem schneereicher Winter in den sechziger und siebziger Jahren. So fiel Anfang März 1970 in Berlin ein halber Meter Schnee, in Potsdam sogar 70 Zentimeter. "Aus heutiger Sicht waren das unvorstellbare Mengen." Dann folgte eine Periode milderer Jahre, und "wahrscheinlich verbreitete sich der Eindruck: Richtigen Winter gibts nicht mehr in Deutschland", meint Globig. "Das war aber eine Fehleinschätzung." Man wurde unvorsichtig. Die Folgen im letzten Winter: Chaos bei Räumdiensten, auf Straßen und Flughäfen. "Unsere moderne, hochtechnisierte Welt ist mit der Wintersituation völlig überfordert", sagte Globig. Der vergangene Winter mit seinen langen Frostperioden und viel Schnee bis weit ins Frühjahr hinein habe bei vielen einen Aha-Effekt ausgelöst. "Dieses Aha-Erlebnis könnte in diesem Jahr noch deutlicher ausfallen", prophezeit der Experte. Mit den niedrigen Temperaturen könnte es durchaus noch ein paar Jahre so weitergehen, vielleicht Jahrzehnte. Auch noch eisigere Kälte sei denkbar. "Durchaus möglich, dass wir am Beginn einer kleinen Eiszeit stehen", so Globig. "die Wahrscheinlichkeit ist zumindest gegeben".