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Erziehungsleistungen Zweierlei Maß bei der „Mütterrente“?

Von KLIK | 18.02.2014, 11:45 Uhr

Einkommensanrechnung bei arbeitenden Müttern / Glück hat, wer jetzt schon eine Rente bezieht

Die Freude war groß, als die neuen Berliner Regierungskoalitionäre verkündeten, dass Kindererziehung sich künftig für Eltern, deren Nachwuchs vor 1992 zur Welt kam, rentensteigernd auswirken soll. Mit einem zusätzlichen Entgeltpunkt pro Kind soll die erbrachte Lebensleistung anerkannt werden. „Eltern, die vor 1992 Kinder großgezogen haben, hatten bei weitem nicht die Betreuungsmöglichkeiten und damit Chancen auf Berufstätigkeit wie jüngere Frauen/Eltern sie seitdem haben“, heißt es dazu aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Das war Balsam auf die Seele vieler Älterer, die die „Mütterrente“ denn auch in höchsten Tönen lobten.

Erst mit der Bekanntmachung von Details kam Missstimmung auf. Zum einen, weil Geburten nach 1992 sich rentenrechtlich immer noch besser auswirken. Pro Kind gibt es hier drei Entgeltpunkte, für ältere Kinder werden es aber auch nach Inkrafttreten der gesetzlichen Neuregelung nur zwei Punkte sein.

Dazu kommt: Kindererziehung im Osten ist dem Gesetzgeber offenkundig weniger wert als im Westen. Denn der Müttern jetzt zugestandene eine zusätzliche Rentenpunkt hat in neuen und alten Bundesländern unterschiedliche Gegenwerte: Hier schlägt er aktuell mit 25,74 Euro zu Buche, in Altbundesländern dagegen mit 28,14 Euro.

Ohnehin wird es nicht so sein, dass Rentnerinnen ab dem 1. Juli, wenn die Neuregelung in Kaft treten soll, für jedes Kind 25,74 bzw. 28,14 Euro mehr ausgezahlt bekommen: Einerseits, weil es sich um Bruttowerte handelt, also noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie gegebenenfalls Steuern abgezogen werden. Zum anderen erfolgt bei der Anrechnung der zusätzlichen Kindererziehungszeit ein Abgleich mit Einkünften, die Mütter in den ersten beiden Lebensjahren ihres Kindes bezogen haben, erläutert der Sprecher der deutschen Rentenversicherung Bund, Dirk von der Heide: „Treffen Kindererziehungszeiten mit Beitragszeiten zusammen, werden zu den Entgeltpunkten aus eigener Beitragsleistung zusätzlich Entgeltpunkte für Kindererziehungszeiten angerechnet. Die Summe der Entgeltpunkte ist jedoch durch die Beitragsbemessungsgrenze im Jahr der Kindererziehung begrenzt. Je höher die Entgeltpunkte aus der eigenen Beitragsleistung sind, umso geringer fallen die zusätzlichen Entgeltpunkte für Kindererziehungszeiten aus.“

Auch das ist vor allem für Mütter, die in der DDR Kinder großgezogen haben, von Nachteil. Denn sie sind – nicht zuletzt dank der deutlich besseren Kinderbetreuungsmöglichkeiten – in der Regel viel früher wieder arbeiten gegangen als Frauen im Westen. Und: Hier haben die meisten Frauen auch gleich wieder voll gearbeitet.

Eine gute Nachricht gibt es allerdings: Wer schon vor dem 1. Juli 2014 eine Rente bezog, kommt um die Einkommensanrechnung herum, erklärt von der Heide. Betroffene würden einen pauschalen Zuschlag in Höhe eines persönlichen Entgeltpunktes erhalten. „Eine während der Erziehung ausgeübte Beschäftigung hat bei diesen Rentenbeziehern keine Auswirkung auf die Höhe des Zuschlags.“ Erst bei jüngeren Eltern werde gegengerechnet – einen Antrag auf Anerkennung der zusätzlichen Erziehungszeit müssten aber auch sie nicht stellen, betont von der Heide.

Bleibt mit einem letzten Irrtum aufzuräumen: Die „Mütterrente“ kann selbstverständlich auch Vätern gezahlt werden, wenn sie die Hauptlast der Erziehungsarbeit getragen und dies bei der Rentenversicherung angegeben haben. Das betrifft bundesweit ungefähr 150 000 Männer, deren Kinder vor 1992 geboren wurden.