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Geschmackloser Scherz mit Oreo-Keksen Youtuber demütigt Obdachlosen: Gericht erteilt fünf Jahre Video-Verbot

Von Nina Brinkmann | 03.06.2019, 21:50 Uhr

Weil er nach dem Motto "Klicks um jeden Preis" gehandelt hat, ist ein spanischer Youtuber nun seinen Job los.

Bei Youtubern geht es insbesondere um eine Sache: Möglichst viele Klicks für die produzierten Videos zu generieren. Um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, hat der spanische Youtuber Reset vor zwei Jahren einen geschmacklosen Streich online gestellt. Ein Gericht entschied nun, dass dieser zu weit ging und verordnete dem 21-Jährigen eine fünfjährige Videosperre.

Zahnpasta auf Oreo-Kekse geschmiert

Der Hintergrund: 2017 hatte Kanghua Ren, so der bürgerliche Name des Internetstars, einem Obdachlosen in Barcelona eine Packung Oreo-Kekse und 20 Euro gegeben. Das Gebäck hatte er allerdings vorher präpariert. Die weiße Milchcreme-Füllung entfernte er und ersetzte sie durch Zahnpasta. Der obdachlose Mann nahm das vermeintliche Geschenk an und aß die Kekse. Anschließend musste er sich übergeben. Das Video über die Aktion lud der Youtuber auf seinem Kanal hoch. Dort folgen ihm mehr als 1,2 Millionen Menschen.

In dem Video sagte Reset laut "Spiegel Online" unter anderem: "Vielleicht bin ich ein bisschen zu weit gegangen, aber schaut auf die positive Seite: Das hilft ihm, seine Zähne sauber zu machen. Ich glaube, er hat sie nicht mehr geputzt, seit er arm geworden ist." Dem Video folgte ein Shitstorm und schließlich eine Gerichtsverhandlung.

Neben Video-Verbot: Zahlung von 20.000 Euro Schmerzensgeld fällig

Wie die spanische Zeitung "El Pais" berichtet, wurde er von einer Richterin in Barcelona zu einer 15-monatigen Haftstrafe verurteilt. Jedoch gilt es nach spanischem Recht als unwahrscheinlich, dass er diese auch antreten muss. Was jedoch feststeht ist, dass er 20.000 Euro an den Obdachlosen aus dem Video zahlen muss – laut Auffassung des Gerichts ist diese Summe in etwa das Zehnfache der Werbeeinnahmen, die er durch das Video generieren konnte. Zudem darf er all seine Social-Media-Kanäle für fünf Jahre nicht benutzen. Seinen Job ist der Spanier damit fürs Erste los. Ein Grund dafür: Laut der Richterin sei die Aktion kein Einzelfall gewesen. So soll er auch in anderen Videos menschenunwürdiges Verhalten gegenüber seinen Opfern an den Tag gelegt haben.

Ren selbst erklärte, es habe sich lediglich um einen schlechten Scherz gehandelt. Nachdem Kritik an dem Video laut geworden war, habe er es bei Youtube gelöscht. Außerdem habe er Zeit mit dem betroffenen Obdachlosen verbracht. Dessen Tochter soll er den Berichten zufolge 300 Euro als Schweigegeld gezahlt haben, um eine Klage zu verhindern. Doch der Richterin zufolge soll es Ren dabei nicht um Reue gegangen sein. Vielmehr habe er sein Image aufpolieren wollen. Zeit über dieses nachzudenken, hat er jetzt genug.