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Gedenkstätte in Brüel erinnert an späte Kriegsopfer Würdige Gedenkstätte soll entstehen

Von Sabine Uhlig | 21.12.2010, 06:15 Uhr

363 Tote wurden in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges und in den Nachkriegswirren auf dem Typhusacker des Brüeler Friedhofes bestattet. Diese Toten sollen in einer Gedenkstätte ihren Namen zurück erhalten.

363 noch namenlose Tote wurden in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges und in den Wirren der Nachkriegszeit auf dem so genannten Typhusacker auf dem Brüeler Friedhof bestattet. All diese Toten sollen in einer würdigen Gedenkstätte, die im kommenden Jahr gebaut werden soll ihren Namen zurück erhalten. (SVZ berichtete). In einer ersten konzeptionellen Beratung u.a. mit Vertretern des Landkreises und Gartenbauunternehmen wurden jetzt Eckpunkte benannt. So soll im Mittelpunkt des Gräberfeldes ein ca. 3,30 Meter hohes Granitkreuz entstehen, das an beiden Seiten von zwei kleineren Granit-Stelen flankiert wird. "Auf den Stelen werden die Namen aller Toten mit Geburts- und Sterbedatum eingrafiert. In fortlaufender Folge und in alphabetischer Reihenfolge", erläuterte Birgit Janz von der Sternberger Friedhofsverwaltung.

Trauige Schicksale von ganzen Familien

Erfasst wurden hier in mühevoller Recherche alle Verstorbenen zwischen dem 26. August 1939 und dem 31. März 1952. "Insgesamt 363 Menschen, die in Folge des Krieges oder an den Folgen von Flucht und Vertreibung starben und in Brüel beerdigt wurden. Darunter sind auch ganze Familien, die in den Flüchtlingslagern an Hunger oder Krankheiten starben", weiß Birgit Janz.

Zur Gestaltung des Gräberfeldes, das immerhin einen Hektar umfasst, gehört auch eine vernünftige Zuwegung zum Kreuz und die Pflege des alten Baumbestandes. Immerhin sind hier 32 Linden und eine große Ulme zu beschneiden und zu pflegen. Auch soll das gesamte Gräberfeld - heute noch eine unscheinbare Wiese - vorsichtig mit Erde aufgefüllt und so begradigt werden. Schwere Technik werde allerdings hier nicht eingesetzt, versicherte Birgit Janz.

An der Seite des Friedhofs-Areals soll eine 3er-Kreuzgruppe gebaut werden, hier jedoch mit so genannten Soldatenkreuzen, die in der Form etwas von dem normalen Kreuz abweichen. Diese drei Kreuze werden ca 1,20 Meter hoch und bleiben unbeschriftet.

Damit im kommenden Jahr, möglichst bereits im Frühjahr, gebaut werden kann, muss in diesen letzten Tagen des Jahres viel Papier beschrieben werden. Es heißt Kostenschätzungen u. a. von Steinmetz und von Gartenbauern abzuwarten und dann rasch Anträge zu stellen. Vom Amt zum Landkreis, vom Landkeis an den Bund bzw. den Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Denn eine stattliche fünfstellige Summe ist notwendig, um das Vorhaben zu realisieren, schätzte Birgit Janz ein. Ein wenig zur Finanzierung beigetragen hat übrigens in der Region die diesjährige Sammlung der Kriegsgräberfürsorge, die zweckbestimmt für die künfige Gedenkstätte durchgeführt wurde. Ganz wichtig war und ist der Antrag an den Landkreis, das Gräberfeld in Brüel in die Liste der Kriegsgräber aufzunehmen, die ja als würdige Bestattungsstätten gestaltet werden müssen.

"Die schwierigste Arbeit liegt in dieser Angelegenheit aber hinter uns. Das Studieren alter Kirchen- und Sterbebücher war nach meiner Erfahrung die schwierigste Arbeit. Die alten Handschriften, viele in alter deutscher Schrift... Das war eine Geduldsprobe", erinnert sich die Friedhofsverwalterin.

Tempziner Massengrab wird 2011 ebenfalls untersucht

Wenn der Typhusacker in Brüel im kommenden Jahr seinen Namen verloren hat und dort eine würdige Gedenkstätte entstanden ist, weiß Birgit Janz schon, welche Arbeit ihr als nächstes bevorsteht. Die Namensuche nach unbekannten Toten, die in einem Massengrab in Tempzin bestattet wurden sind. "In den letzten Kriegsjahren war in Tempzin ein Lazarett eingerichtet. Und auch dort starben Kranke und Verwundete. Zudem passierte es, dass eines Tages das Lazarett beschossen wurde. Es gab viele Tote. Und diese Opfer wurden in einem Gemeinschaftsgrab bestattet". Auch sie sollen künftig alle ihren Namen zurück erhalten, ist ihr Vorsatz, auch wenn sie dafür wieder etliche Kirchenbücher und unleserliche Schriften studieren muss.

Soldaten gräber gibt es in unserer Region übrigens noch an vielen Orten. So in Penzin, wo vier Soldaten ihre letzte Ruhestätte fanden. In Brüel sind seit Jahren zwei Soldatengräber bekannt. In Kobrow ist ein Soldat bestattet, in Holzendorf (Gemeinde Kuhlen-Wendorf) wurde in diesem Jahr für drei Kriegsgräber eine neue Umrandung geschaffen und pflegeleicht bepflanzt. Das gleiche soll im kommenden Frühjahr mit vier Gräbern von Kriegsopfern geschehen, die auf dem Sternberger Friedhof bestattet wurden.

Immer jedoch ist die Friedhofsverwaltung an Augenzeugenberichten interessiert, die mehr über das Schicksal der Verstorbenen berichten können.