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25 Jahre "Lindenstraße" - die Kultserie der ARD feiert Jubiläum Wo Mutter Beimer wohnt

Von Petra Albers | 07.12.2010, 09:57 Uhr

Kritisiert, verehrt, belächelt: Die "Lindenstraße" hat im Laufe der Zeit viele Höhen und Tiefen erlebt. Es gab kleine Skandälchen und richtige Aufreger, die Zuschauergunst nahm zu und ab. Noch nie fiel eine Folge aus.

Kritisiert, verehrt, belächelt: Die "Lindenstraße" hat im Laufe der Zeit viele Höhen und Tiefen erlebt. Es gab kleine Skandälchen und richtige Aufreger, die Gunst der Zuschauer nahm zu und ab.

Der Erfolg des Dauerbrenners liegt nach Ansicht von Produzent Hans W. Geißendörfer vor allem in der Glaubwürdigkeit und Konstanz ihrer Charaktere. "Viele Zuschauer sind mit der ,Lindenstraße altgeworden - und finden es toll, dass die Figuren mit ihnen gealtert sind." Helga und Hans haben Falten gekriegt, Klaus und Iffi sind dicker geworden. "Die ,Lindenstraßen-Bewohner sind für die Zuschauer zu stellvertretenden Nachbarn geworden", meint Geißendörfer.

Die Themenvielfalt des Alltags auf dem Bildschirm

"Die Serie bildet die Gesellschaft im Mikrokosmos einer Nachbarschaft ab, diese steht damit stellvertretend für die gesamte Gesellschaft", erläutert Ulrich Spies vom Grimme-Institut in Marl.

Figuren und Themen seien stark an der Wirklichkeit orientiert, so dass die Zuschauer sich gut mit ihnen identifizieren könnten. Und das manchmal wohl zu gut. Vor allem in den Anfangsjahren bekamen die Schauspieler die Konsequenzen zu spüren, wenn das Handeln ihrer Rollen die Zuschauer empörte. Joachim Hermann Luger zum Beispiel berichtet, wildfremde Menschen hätten ihm auf dem Markt gedroht, ihn mit faulen Äpfeln zu bewerfen - weil sie Hans Beimer seine Trennung von Helga verübelten.

Ein schier unerschöpflicher Themenfundus hat die "Lindenstraßen"- Bewohner im Laufe von 25 Jahren beschäftigt: Scheidung, Abtreibung, Homosexualität, Ausländerfeindlichkeit, Aids, Alkohol, Teenie- Schwangerschaft, Mord, Knast, Drogen, Terrorismus - die Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Doch ein gesellschaftliches Tabu aufzugreifen und damit eine öffentliche Diskussion auszulösen - wie 1990 beim ersten Schwulen-Kuss in einer deutschen Serie - das gelingt in Zeiten der zahlreichen Reality-Shows wohl kaum noch, räumt Geißendörfer ein. "Aber Provokation im politischen Bereich - das halte ich für richtig und wichtig."

Aktuelle Passagen eingefügt

Bis heute ist die "Lindenstraße" ihrer Besonderheit treugeblieben, kurzfristig auf aktuelle Themen zu reagieren. Zwar werden die einzelnen Folgen schon etwa drei Monate vor dem Sendetermin gedreht, aber eine Passage kann noch kurz vor Ausstrahlung eingefügt werden.

So kommt es, dass Hochrechnungen zu politischen Wahlen am selben Abend in der "Lindenstraße" zu sehen sind. Die Figuren kommentieren Ergebnisse der Fußball-WM oder diskutieren am Küchentisch den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Die Küchentische der Beimers, Zenkers und wie sie alle heißen befinden sich nicht, wie die Serie vorspiegelt, in einem Haus in München, sondern auf dem Studiogelände des WDR in Köln-Bocklemünd.

Dort ist eine 150 Meter lange Straßenkulisse aufgebaut, an der das Restaurant "Akropolis" und das "Café Bayer" liegen. Die Wohnungen der Lindensträßler haben keine Decken und das Treppenhaus besteht nur aus einem Treppenabschnitt. Mehrere Mieter teilen sich einen Flur oder ein Badezimmer - das wird dann einfach umgeräumt, je nachdem, wo die Szene gerade spielt.

In Spitzenzeiten zehn Millionen Zuschauer

Von Zuschauerzahlen in zweistelliger Millionenhöhe wie in den Anfängen, als es noch nicht so viele TV-Kanäle gab, ist die "Lindenstraße" inzwischen weit entfernt. Heute sind nach WDR-Angaben sonntags um 18.50 Uhr durchschnittlich 3,5 Millionen Zuschauer dabei - im Jahr 2000 waren es noch 5 und 1990 sogar 10 Millionen. "Durch die gewachsene Sendervielfalt und Aufsplitterung der Zuschauer ist die Konkurrenz viel größer geworden", sagt WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke.

In 25 Jahren ist nach Angaben eines Sprechers keine einzige Folge ausgefallen.

Wird es unendlich weitergehen mit der "Lindenstraße"? Das weiß im Moment niemand so genau . Vor kurzem haben die verantwortlichen der ARD den Vertrag bis zum Jahr 2014 verlängert. Wenn es nach Geißendörfer geht, sollte die Serie noch mindestens 25 Jahre laufen. "Solange wir nahe an der Zeit bleiben und solange die Zuschauer uns wollen, wird es die "Lindenstraße" geben", meint er.

Wichtige Ereignisse

9.19.1988: „Gauweiler & Co, das sind doch alles Faschisten“, schimpft „Lindenstraßen“-Bewohnerin Chris Barnsteg. Der CSU-Politiker klagt wegen Beleidigung - und verliert den Prozess.27.11.1988: Benno Zimmermann stirbt an Aids.26.02.1989: Dr. Dressler wird von Vasily Sarikakis angefahren und sitzt seitdem im Rollstuhl.26.11.1989: In der Folge geht es um einen Anti-Atom-Protest vor dem Haus des damaligen Umweltministers Klaus Töpfer. Parallel dazu demonstrieren Umweltaktivisten tatsächlich dort - mit Einwilligung Geißendörfers. Daraufhin droht der WDR mit der Absetzung der Serie.7.02.1993: Klausi Beimer wird Neo-Nazi.20.08.1995: Lisa Hoffmeister erschlägt Ex-Pfarrer Matthias Steinbrück mit einer Bratpfanne.19.11.1995: Busunglück am Tag der geplanten Trauung von Helga Beimer und Erich Schiller. Dabei kommen Benny Beimer und Dieter Rantzow ums Leben.9.11.2003: „Rehlein“ Berta Griese verunglückt tödlich bei einem Treppensturz, als sie einem Überfall-Opfer helfen will - zwei Monate zuvor war die Schauspielerin Ute Mora gestorben.25.05.2006: Tod von Else Kling - nur vier Monate später stirbt die Schauspielerin Annemarie Wendl im Alter von 91 Jahren.13.09.2009: Timo Zenker wird bei einem versuchten Terroranschlag verhaftet.8.08.2010: Helga Beimer und Erich Schiller gehen in Rente.


Namen, Zahlen & Fakten

In 25 Jahren „Lindenstraße“ waren 130 Schauspieler mit Hauptrollen bei der ARD-Serie unter Vertrag. 13 von ihnen sind seit 1985 dabeigeblieben, darunter Marie-Luise Marjan („Helga Beimer“), Joachim Hermann Luger („Hans Beimer“) und Ludwig Haas („Ludwig Dressler“).

1900 Schauspieler sind in Gastrollen aufgetreten. 43 Bewohner der Straße starben im Laufe der Serie - sei es durch Krankheit, Unfall, Mord, Selbstmord oder an Altersschwäche. Im wirklichen Leben trauerte das Ensemble um 14 Schauspieler-Kollegen wie Ute Mora, Annemarie Wendl oder Fred Delmare.

Zurzeit hat die „Lindenstraße“ sonntags um 18.50 Uhr durchschnittlich rund 3,5 Millionen Zuschauer.