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Übersicht Wissenschaftler fordern drastische Senkung der Heringsfangquote

Von dpa | 27.10.2008, 03:02 Uhr

Rostock - Internationale Wissenschaftler haben sich für eine drastische Senkung der Heringsfangquote in der westlichen Ostsee ausgesprochen.

„Aus fisch-ökologischer Sicht ist ein Absenkung um 60 Prozent sinnvoll. Alles unter 30 Prozent wäre sinnlos und wird dazu führen, dass der Bestand in die Knie geht“, sagte der stellvertretende Leiter des Rostocker Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann, in einem Gespräch mit der dpa.

Dies sei die Konsequenz daraus, dass im vergangenen Jahr die Quote nur um 10 Prozent anstatt wie vorgeschlagen um mindestens 20 Prozent reduziert wurde. „Die Politik hat gesagt, so schlimm wird es schon nicht kommen. Dadurch haben wir “Manövrierraum„ verloren.“

Zimmermann folgte bei der Quotenreduzierung einer Empfehlung des internationalen Rates für Meeresforschung. Die EU will am Montag in Luxemburg die Fangquoten festlegen. „Wenn von den unmittelbaren Empfehlungen abgewichen werden sollte, dann sollte zumindest ein langfristiger Managementplan entwickelt werden.“

Bereits seit fünf Jahren stelle die Forschung fest, dass der Heringsnachwuchs jährlich um 30 bis 50 Prozent geringer ist als der des Vorjahres. „Es ist klar, es ändert sich etwas im Ökosystem, wir tappen aber über die Ursachen im Dunkeln.“ Hypothesen gebe es viele, aber keine Beweise. In der Ostsee seien ähnliche Tendenzen wie beim Nordsee-Hering festzustellen, der nun bereits im achten Jahr hintereinander einen schwachen Jahrgang produziert habe.

Die Wissenschaft sehe die Lage der Küstenfischer, die zu Recht sagten, dass die Quotenreduzierung sie in eine schlimme Lage bringen werde. „Die Fischerei kann nichts für den schlechten Zustand des Heringsbestandes, er ist nicht überfischt worden“, sagte Zimmermann. Trotzdem führe kein Weg an diesen drastischen Maßnahmen vorbei.

Besser als beim Hering sehe es beim Dorsch aus, betonte er. Die Wissenschaft empfehle für den Dorsch in der östlichen Ostsee eine Steigerung der Fangquote um 15 Prozent, dazu gebe es bereits einen vernünftigen Managementplan.

„Dagegen sollte die Quote beim westlichen Dorsch um 28 Prozent gesenkt werden, um den Bestand innerhalb eines Jahres wiederaufzubauen.“ Die Alternative dafür sei in dem Managementplan beschrieben, der die Senkung der Quote in den beiden kommenden Jahren um jeweils 15 Prozent vorsieht.