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Honorarkonsulat der Republik Polen in Schwerin eröffnet "Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse"

Von Redaktion svz.de | 09.12.2010, 11:41 Uhr

Mit einem Empfang in Schwerin stellte sich gestern der neue Honorarkonsul der Republik Polen in der Landeshauptstadt, Helmuth Freiherr von Maltzahn, der Öffentlichkeit vor.

 Herr von Maltzahn, wie wird man eigentlich Honorarkonsul der Republik Polen? 

Dieses Ehrenamt anzunehmen, wird man gebeten. In meinem Fall kam die Bitte aus Warschau. Ich habe mit Freude zugesagt. Schließlich hat Mecklenburg-Vorpommern die längste deutsche Grenze zum polnischen Nachbarn. Schließlich verbindet unser Bundesland seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit der Wojewodschaft Westpommern. Und schließlich gilt es in dieser Zusammenarbeit in die Zukunft zu schauen, in eine Zukunft, in der Stettin ein Zentrum im gesamten nordeuropäischen Raum sein wird. Und gerade fast auf den Tag genau 40 Jahre nach dem historischen Kniefall Willy Brandts am Mahnmal für das jüdische Ghetto in Warschau sollten wir Deutschen uns unserer besonderen Verpflichtung gegenüber Polen einmal mehr erinnern.
Im Zusammenhang mit der Freizügigkeit für osteuropäische Arbeitnehmer ab Mai kommenden Jahres gibt es Befürchtungen, die Polen könnten den hiesigen Markt überrennen.

Man kann immer Angst haben, aber damit lässt sich keine Zukunft gestalten. Deutschland - mithin auch Mecklenburg-Vorpommern - hat es über Jahre deutlich verpasst, sich für dringend benötigte Fachleute aus Polen attraktiv zu machen. Die sind längst in Skandinavien, England oder Frankreich unterwegs. Wenn der Markt sich jetzt öffnet, werden wir leider sehen müssen, dass wir für diese Spezialisten weitgehend nur als Durchreisestation in Frage kommen.

Sehen Sie Möglichkeiten, den in Mecklenburg-Vorpommern zu erwartenden Fachkräftemangel zielgerichtet auch mit polnischen Fachleuten begegnen zu können?

Angesichts der nach wie vor anhaltenden Abwanderung und der demografischen Entwicklung sollten wir alles tun, um diesen Zustand zu ändern. Es ist sinnvoller, weil einfacher, sich mit dem Nachbarn zu verbünden, als Fachkräfte aus Indien oder China anzuwerben. Die Idee von Jürgen Goecke, dem Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, in Stettin einen Vermittlungsservice einzurichten, halte ich für einen richtigen Schritt in die richtige Richtung.

Das Projekt "Polnisch in Kitas", das in 14 Einrichtungen des Landes praktiziert wird, steht wegen finanzieller Engpässe auf der Kippe. Hätten Sie Verständnis dafür, wenn Geldmangel als Begründung für das Aus herhalten sollte?

Fehlendes Geld ist gemeinhin ein Totschlagargument und soll verschleiern, dass man sich zu wenig Gedanken macht, das zweifellos vorhandene Geld richtig einzusetzen. Meine Aufgabe ist es auch, die Zweisprachigkeit auf allen Ebenen zu fördern. Und das beginnt nun einmal in den Kindertagesstätten. Wenn wir in Kultur und Bildung streichen wollen, dann, glaube ich, haben wir nicht eben unsere Zukunft im Auge.