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Übersicht Winterliche Straßenverhältnisse behindern weiter den Verkehr

Von Redaktion svz.de | 02.02.2010, 01:21 Uhr

Das Tief „Miriam“ hat mit stürmischen Böen erneut Schneeschauer nach Norddeutschland gebracht und erreicht zur Stunde das Land Mecklenburg-Vorpommern.

Eisglatte Straßen behindern bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt den Straßenverkehr. Die heftigen Schneefälle und starken Winde lassen ähnlich dramatische Zustände wie am Wochenende befürchten.

Die unter Volllast arbeitenden Winterdienste in Rostock rüsten sich für die Ankunft einer neuen Schneefront: Wenn Tief „Miriam“ voraussichtlich reichlich Neuschnee bringt, will die Hansestadt zusätzliche Räumfahrzeuge und weiteres Personal mobilisieren. „Wir prüfen auch, mehr Mitarbeiter aus den Ämtern auf der Straße einzusetzen“, sagte Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze am Dienstag der dpa. Derzeit arbeiteten die Helfer in Zwölf-Stunden- Schichten, um Schneehaufen vor allem auf Parkplätzen und in kleineren Seitenstraßen abzutragen. Ein Problem seien weiter abgestellte Autos. „Politessen werden die Räumfahrzeuge begleiten“, kündigte Kunze an.

Viele Wagen am Straßenrand blockierten die Wege für den Winterdienst und die Rettungsfahrzeuge. Sie sollen jetzt notfalls zwangsabgeschleppt werden. „Ganz wichtig ist auch, die Park-and-Ride- Plätze frei zu schaufeln, damit Pendler wieder ins Zentrum kommen“, sagte der Stadtsprecher. Man halte zudem Ausschau nach Freiflächen, auf der sich die Schneemassen zwischenlagern ließen. Auch Feuerwehr und Technisches Hilfswerk würden diesmal eventuell um Hilfe gebeten. „Wir beobachten genau, wie viel heute runter kommt“, sagte Kunze.

Die Kritik an der aus Sicht vieler Bürger verspäteten Reaktion der Räumdienste am vergangenen Wochenende werde ernst genommen. Sobald sich die Lage wieder entspannt habe, plane die Stadt Beratungen zur künftigen „Winterdienst-Konzeption“. Dabei solle auch erörtert werden, ob die bisherige finanzielle Ausstattung von jährlich 1,7 Millionen Euro für 50 „Winterdiensttage“ ausreiche.

Von der Außenwelt abgeschnitten bleibt vorerst die Ostseeinsel Hiddensee. Am späten Montagabend scheiterte der Eisbrecher „Ranzow“ beim Versuch, die Insel von Norden her anzusteuern. Das 33 Meter lange Schiff, das wichtige Lebensmittel auf die Insel bringen und einige Urlauber von dort abholen sollte, habe die inzwischen bis zu 30 Zentimeter dicke Eisdecke zum Vitter Bodden nicht brechen können, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Stralsund. Das Schiff musste umkehren.

Im Laufe des Dienstag sollten seit Tagen auf der Insel festsitzende Urlauber mit zwei Hubschraubern ausgeflogen werden. Ein erster Helikopter der niedersächsischen Fluggesellschaft FJS landete am Vormittag auf dem Sportplatz von Vitte, wie FJS-Koordinator Manfred Baeslack in Damme sagte.

Nach Angaben der Kreisverwaltung werden gegenwärtig auch Versorgungsflüge mit einem zweiten Hubschrauber vorbereitet. Dazu würden in Bergen vorbereitete Paletten mit Lebensmitteln und Medikamenten geladen und nach Hiddensee geflogen, sagte Rügens Leiter für Katastrophenschutz und Rettungsdienst, Karsten Lange. Die Aktion soll möglichst noch vor der erwarteten Wetterverschlechterung abgeschlossen sein.

Derweil werden die Schneemassen in den Innenstädten Mecklenburg-Vorpommerns immer mehr zum Problem. Die Stadt Schwerin lässt die weißen Hindernisse an einigen Straßen per Lastwagen abtransportieren. Der Schnee werde auf einer Freifläche abgelagert, sagte Stadtsprecherin Michaela Christen am Dienstag. Die Schneeberge an den Straßen seien so groß, dass Autos nicht mehr parken könnten. In Wismar wird die weiße Pracht noch einfach zur Seite geschoben. Der Aufwand, den Schnee mit Lastwagen abzufahren, wäre einfach zu groß, sagte Stadtsprecher Frank Junge. Neubrandenburg hat für Donnerstag eine Räumaktion für mehrere Straßen in der Innenstadt angekündigt. Nach Informationen des Senders Antenne MV wollen weitere Städte im Land ähnlich vorgehen oder tun dies bereits, so Stralsund, Boizenburg/Elbe, Crivitz (Kreis Parchim) und Pasewalk.

Nach den starken Schneefällen und dem kräftigen Frost der vergangenen Wochen werden die Streusalzvorräte in Mecklenburg-Vorpommern knapp. Vor allem die Straßen- und Autobahnmeistereien im Nordosten des Landes seien betroffen, teilte das Verkehrsministerium am Dienstag in Schwerin auf Anfrage mit. Auf Autobahnen und den meisten Bundesstraßen könne aber weiter gestreut werden. Auf Landesstraßen werde sich der Winterdienst bei akuten Engpässen auf Gefahrenstellen wie Kurven, Kreuzungen und Steigungen konzentrieren. Ab Dienstagnachmittag wurden weitere Schneefälle erwartet.

Wegen der hohen Nachfrage gebe es bei mehreren Händlern Lieferengpässe. „Wir stehen im Kontakt mit Lieferanten und bemühen uns um zügige Nachlieferungen“, hieß es aus dem Schweriner Ministerium. Am Donnerstag werde ein Zug mit einer umfangreichen Salznachlieferung erwartet.

Der Deutsche Wetterdienst warnte vor Unwettern in Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit starkem Schneefall und Schneeverwehungen. Aber auch Mecklenburg-Vorpommern muss sich auf eine erneute Verschärfung der Wetterlage einstellen.

Landes-Verkehrsminister Volker Schlotmann appellierte heute angesichts der Wettervorhersagen an alle Bürgerinnen und Bürger, ihre Fahrzeuge heute und morgen möglichst stehen zu lassen: „Bitte vermeiden Sie jede Fahrt, die nicht dringend notwendig ist, und bringen sich und andere nicht unnötig in Gefahr. Wenn möglich sollten öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden. Wer dennoch im Auto unterwegs ist, sollte seine Geschwindigkeit unbedingt den Wetterbedingungen anpassen und kein unnötiges Risiko eingehen. Das erleichtert auch dem Winterdienst und den Rettungskräften die Arbeit. Alle für den Winterdienst zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte und Geräte werden in den nächsten 24 Stunden rund um die Uhr im Einsatz sein und wie bisher helfen, wo sie können.“

Bereits am Montagabend waren zwei junge Männer nahe Heiligenhafen im Kreis Ostholstein auf eisglatter Straße ums Leben gekommen. Der 20-jährige Autofahrer und sein 19 Jahre alter Beifahrer wurden nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw in ihrem Auto eingeklemmt und konnten nur noch tot geborgen werden.