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Evemarie und Frank Löser aus Göhren tragen Wissenswertes zusammen Wildfrüchten und mehr auf der Spur

Von Heidrun Pätzold | 31.10.2011, 06:18 Uhr

Die kleinen Hagebutten zu sammeln, zu putzen und zu entkernen, so dass nur das reine Fruchtfleisch übrig bleibt, das ist aufwändig. Das weiß keiner besser als Frank Löser.

Die kleinen Hagebutten zu sammeln, zu putzen und zu entkernen, so dass nur das reine Fruchtfleisch übrig bleibt, das ist aufwändig. Das weiß keiner besser als Frank Löser. Fürs Putzen hat er sich einen Platz auf der Terrasse seines Hauses ausgesucht. "Die Früchte für die Marmeladen vorzubereiten, das übernehme ich gern. Das Verarbeiten selbst macht meine Frau", erzählt der Göhrener.

Mittlerweile sind Frank und Evemarie Löser ein eingespieltes Team. Jeder weiß, was zu tun ist, wenn mal wieder ein neues Rezept für Marmelade oder Gelee ausprobiert werden soll. Und ausprobiert wird in der Küche der Lösers viel. Das hat seinen Grund. Die Beiden haben ein Büchlein mit dem Titel "Wildfrüchte" herausgegeben. Darin werden Früchte von 28 verschiedenen heimischen Pflanzen vorgestellt, die allesamt zu Marmeladen bzw. Gelees verarbeitet werden können. Es sind keine gewöhnlichen Früchte. Oder kennen Sie etwa Mispel- und Maulbeermarmelade bzw. Gelee von Mahonien und Quitten oder von Fichtenspitzen? Lösers haben das alles selbst getestet. "Ich muss schließlich wissen, worüber ich schreibe", sagt der Autor.

Zu ihren Buchpräsentationen auf diversen Veranstaltungen nehmen er und seine Frau stets Kostproben ihrer süßen Leckereien mit. Und nicht selten wird beim Probieren dann gleich auch dieses und jenes Rezept ausgetauscht, Tipps gern weitergegeben.

Jüngstes Werk: Kartoffeln, ihre Herkunft und Heilwirkungen

Die "Wildfrüchte" sind aber nicht das einzige Büchlein, das das Paar herausgegeben hat. Ihr neuestes Werk heißt "Kartoffeln" (ISBN-Nr. 978-3-910150-88-1). Es beinhaltet Herkunft, Heilwirkungen und Rezepte. "Es müssen nicht immer Gurkenscheiben sein, die dem Gesicht Feuchtigkeit und Erholung geben. Kartoffelscheiben erzielen auch eine gute Wirkung. Die Stärke gibt der Haut etwas Samtenes, macht sie geschmeidiger", erklärt Evemarie Löser. Und sie hat auch schon mal ein Kartoffelbad ausprobiert - in einem Kartoffelhotel im Wendland.

In erster Linie aber stehen Kartoffeln auf dem Speiseplan, auch bei Lösers. Nahezu 60 Gerichte werden im Buch aufgeführt. Zu Frank Lösers Lieblingsgerichten zählen Bratkartoffeln, aber auch Kartoffelpuffern mit Apfelmus könne er nicht widerstehen. Und dass sich aus den Knollen in Kombination mit Äpfeln auch Marmelade kochen lässt, hat Evemarie Löser längst ausprobiert.

Angereichert ist das Buch mit Geschichtlichem. So kann man nachlesen, dass 1766 erstmals in der Lewitz, nämlich in Banzkow, Kartoffeln angebaut wurden. Wissenswert auch dies: Deutschlandweit gibt es 2000 Sorten von Erdäpfeln.

Ein Großteil ihrer Zeit geht für die Recherchen drauf, dafür nehmen die Göhrener auch weite Wege in Kauf. So waren sie unter anderem in München, Deggendorf bei Passau und Groß Breitenbach im Thüringer Wald.

Ebenfalls von Lösers erschienen sind die Bücher "Der Sanddorn" sowie "Zwiebeln" und "Die Eberesche". Über den Sanddorn zu schreiben, sei ein Auftragswerk des Demmler-Verlages gewesen, erzählt der 67-Jährige. Zwei Jahre habe er daran gearbeitet, zeitgleich aber andere Projekte vorbereitet. Und immer gräbt er bei der Vorbereitung auf ein neues Projekt Erstaunliches aus. So haben die Einwohner von Hiddensee die reichlich bestückten Zweige des Sanddorns gern auch als Winter schmuck für ihre Wohnung genommen. Das nahm allerdings irgendwann überhand und wurde später nicht mehr gern gesehen, beschreiben die Autoren.

Die erste Auflage des Sanddorn-Buches ist bereits vergriffen, eine zweite im Handel. Alle dieser fünf Bücher sind in Buchläden bzw. über das Internet erhältlich, informiert Dr. Frank Löser.

Große Begeisterung für Blumen und Kräuter

Zu Gute kommt dem Göhrener, dass er sich mit Pflanzen bestens auskennt. Löser ist gelernter Gärtner, machte später seinen Diplom-Agraringenieur und dann noch seinen Doktor der Agrarwissenschaften. Blumen, Kräuter, Büsche, all das fasziniert ihn. Insbesondere bei Fernreisen. Dann kann Frank Löser auch schon mal einen ganzen Reisebus zum Stoppen bringen, um eine besondere Pflanze zu fotografieren. Seine Frau, die jahrelang im sozialen Dienst gearbeitet hat, steht Neuem immer aufgeschlossen gegenüber und experimentiert auch mal gern in der Küche.

Das Schreiben sei schon in jungen Jahren sein Hobby gewesen, erinnert sich Löser. Als Lehrling beispielsweise habe er in der Freiberger Wochenzeitung Tipps zur Pflege von Alpenveilchen gegeben. Er schrieb weiter, zunächst über Blumen und Pflanzen, später auch über Ausstellungen und seit 1984, seitdem der gebürtige Freiberger (Sachsen) in Mecklenburg wohnt, auch für die SVZ.

Als er mal auf der Grünen Woche in Berlin war, gab es Schmalzstullen. Viele mögen sie nicht, weiß Löser. Er schon. Und er findet, dass Schmalz völlig zu unrecht so wenig Bedeutung findet. Er jedenfalls sei von den Schmalzstullen so begeistert gewesen, das er sich vorgenommen hatte, ein Buch über Schmalz zu schreiben. Es erschien 2003.

Weil ihn seine Recherchen immer wieder in die Natur und zu Menschen führten, die Geschichtsträchtiges zu erzählen wussten, schrieb er Sagen auf. Und so wundert es nicht, dass mittlerweile auch mehrere Sagen- und Geschichtenbücher entstanden.