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Unternehmer aus MV Wer sind die Macher von MV?

Von LIKL | 29.01.2018, 05:00 Uhr

In unserer neuen Rubrik stellen wir regelmäßig Unternehmer aus Mecklenburg-Vorpommern vor

Sie versorgen uns mit Schokoküssen, entwickeln Luftentfeuchter für Duschen oder fertigen Flugzeugsitze, bauen Windparks und schicken uns auf Reisen: Die Unternehmen in MV. Mehr als 63 000 gibt es im Land. Das geht aus den Zahlen des statistischen Amts hervor. Der größte Anteil der Unternehmen in MV – knapp 11 000 – lebt vom Handel und der Instandsetzung von Kraftfahrzeugen. Dicht gefolgt vom Baugewerbe mit zirka 10 700 Unternehmen und dem Gastgewerbe mit 7000. Doch wer steckt dahinter?

Die Großen: Das mitarbeiterstärkste Unternehmen im Land ist seit Jahren Aida. Mehr als 8000 Angestellte sorgen dafür, dass Touristen unvergessliche Urlaube erleben. Die Rostocker Reederei wurde von jungen Arbeitnehmern bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts trendence zum „Top Arbeitgeber 2017“ gewählt. Nirgendwo arbeitet es sich besser als dort. Auf Position 2 der größten Arbeitgeber liegt die Helios Klinik Gruppe mit 5000 Angestellten. Platz 3 belegt der Windradbauer Nordex aus Rostock.

Die Solo-Unternehmer: Sie arbeiten alleine und ohne Angestellte. Die Solo-Selbstständigen. Mehr als 2,31 Millionen gab es 2016 in ganz Deutschland. Eine von ihnen ist Kerstin Kracht. Die Ingenieurin aus Hagenow ist spezialisiert auf Schwingungen und deren Vermeidung.

Die Macher

Alles schwingt

Meinung – DRAH
Wer glaubt, irgendetwas sei wirklich starr, der irrt. „Alles schwingt“, sagt Kerstin Kracht. Das hat Folgen: Autos schlingern, Brücken wackeln, Waren kippen von Transportbändern. Und auch Kunst gerät in Gefahr: „Direkt vor dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam zum Beispiel finden oft Konzerte statt. Die Schwingungen und Schallwellen wirken sich drinnen auf die Bilder aus – so sehr, dass sich Farbpartikel ablösen können.“

Dämpfer, Federn oder andere Vorrichtungen können in solchen Fällen helfen. Auf dieses Gebiet hat sich noch kaum jemand spezialisiert, weltweit gibt es nur eine Handvoll Fachleute – Kerstin Kracht ist eine davon. Doch es ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten: „Klimaanlagen in Museen sind heutzutage gang und gäbe. Doch an Schwingungsschutz wird nicht gern gedacht, obwohl es dafür Lösungen gibt. Aber sie werden zu selten genutzt, denn sie kosten Geld.“

Kerstin Kracht wuchs in Schwaberow bei Hagenow auf. In Berlin hat sie drei Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert, später auf Physikalische Ingenieurwissenschaft umgesattelt. Nach Stationen als Wissenschaftlerin in Berlin, als Lehrerin in Schwerin und als Ingenieurin in einem Hamburger Umweltprüflabor ist sie nun selbstständig. Die Schwingungstechnikerin findet Lösungen für Probleme, die oft nicht auf den ersten Blick zu sehen sind.

Förderbänder zum Beispiel bewegen Waren, das hält manche Dose nicht aus und wird beschädigt. Um das auszuschließen, müssen Transport und Verpackung optimiert werden. „Zuerst werden die Schwingungen und Stöße gemessen und analysiert. Dann wird geschaut, wie sie sich auf das Objekt auswirken“, erklärt die 37-Jährige. Lösungsmodelle entstehen am Computer, werden später in Tests ausprobiert. Sie schaffen Abhilfe, kosten aber Geld. Deshalb spielt immer eine Rolle, wie machbar und effizient die Ideen sind.

Bei dem Schritt in die Selbstständigkeit wurde Kerstin Kracht vom Forschungsverbund MV (FMV) unterstützt. „Mit dessen Hilfe konnte ich Fördermittel beantragen, auch meine Idee und mein Businessplan wurden geprüft – und für gut befunden.“

Heute lebt die Ingenieurin wieder in Schwaberow. Von hier aus reist sie zu ihren Auftraggebern in ganz Europa. Außerdem hat sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.
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Die Bekannten: Es gibt Unternehmen, die kann man sich aus MV nicht wegdenken: Grabower Süßwaren hat seinen Ursprung in der gleichnamigen Stadt bereits 1835. Inzwischen arbeiten für den Betrieb, der als einer der größten europäischen Werke zur Produktion von Schaumküssen gilt, etwa 600 Angestellte. Es gibt noch mehr bekannte Firmen made in MeckPom: Brauerei Lübz, Karstadt Wismar, die Mecklenburger Kartoffelveredelung in Hagenow, Sweet Tec in Boizenburg …

Die (noch!) nicht Bekannten: Allein 2016 gab es laut dem Statistischen Amt 10 152 neue Gewerbeanmeldungen in MV. Gerade an den Hochschulstandorten starten viele junge Menschen in die Selbstständigkeit. Zum Beispiel Adrian Merker und Jakob Richter. Sie wollen mit ihrem Unternehmen YourCar die Verkehrssituation in Rostock revolutionieren. Seit September können ihre Kunden ein Auto per App stundenweise mieten. Ein privater Pkw wird so unnötig.

Die, die weg wollen: Er zählt zu den bekanntesten Traditionsmarken der DDR. Der Rügener Badejunge. Der Camembert von der Molkerei Bergen auf Rügen ist deutschlandweit beliebt. 2019 will das Unternehmen jedoch seinen Standort schließen und Badejungen in Thüringen produzieren.

Die, die dazu kommen: Erst im März vergangenen Jahres eröffnete Luftfahrtzulieferer Zim Flugsitz in Schwerin ein Werk. Hier sollen jährlich 20 000 Flugzeugsitze produziert werden.

Ob klein oder groß, bekannt oder unbekannt: Wer genau sind die Unternehmen aus MV? Und warum siedeln sie sich hier an? Was zieht sie wieder weg? Welche Herausforderungen birgt das Unternehmertum in MV? In unserer neuen Rubrik „Die Macher“ stellen wir Unternehmer im Land vor und reden mit ihnen über das wirtschaftliche Potential und die Tücken von MV.