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Übersicht Wer haftet für Winterschäden?

Von Karin Koslik | 10.02.2010, 05:17 Uhr

Unfälle bei Eis und Schnee können nicht nur schmerzhaft, sondern auch teuer sein.

Zumindest das Gros der Kosten kann man sich jedoch zurückholen - wenn man richtig versichert ist.

Körperschäden

Wer auf ungeräumten Wegen oder Plätzen zu Fall kommt und sich dabei verletzt, bekommt die erforderliche ärztliche Behandlung gegen Vorlage seiner Krankenversicherungskarte. Die Krankenkasse wird allerdings versuchen, sich ihre Auslagen vom Unfallverursacher zurückzuholen. Das Unfallopfer hat dabei eine Mitwirkungspflicht, sprich: Als Geschädigter muss man seiner Kasse gegenüber möglichst detaillierte Angaben zu Unfallort und -ablauf machen. "Hat der Unfallverursacher eine Haftpflichtversicherung, setzen wir uns mit dieser auseinander", erläutert Johannes Lack von der AOK Mecklenburg-Vorpommern. Ohne entsprechenden Versicherungsschutz muss der Schaden - also Kosten für Arzt, Krankenhaus und eventuellen Arbeitsausfall - aus der eigenen Tasche bezahlt werden - wenn ein Verschulden nachweisbar ist. Denn das ist der Dreh- und Angelpunkt: "Demjenigen, dem die Vernachlässigung seiner Streupflicht vorgeworfen wird, muss ein Verschulden nachgewiesen werden können", erläutert Johannes Lack. Und: "Ungeachtet der Räum- und Streupflicht hat auch der Passant eine Sorgfaltspflicht." Wer fahrlässig z. B. in ungeeignetem Schuhwerk oder bei Glatteis auf dem Rad unterwegs ist und stürzt, muss sich als Geschädigter ein Mitverschulden anrechnen lassen.

Ist allerdings ein Anderer schuld am Unfall, kann der Geschädigte Johannes Lack zufolge unabhängig von den Regressforderungen seiner Krankenkasse auch noch auf privatrechtlichem Wege Schmerzensgeld einfordern.

Ein Sonderfall gilt bei Unfällen auf dem Schul- oder Arbeitsweg. In diesen Fällen werden Schäden über die gesetzliche Unfallversicherung - die Gemeindeunfallversicherung oder die Berufsgenossenschaft - ersetzt. Auch hier haben Geschädigte die Pflicht, an der Aufklärung des Unfallhergangs mitzuwirken, damit der Kostenträger sich eventuell einen Teil seiner Auslagen vom Unfallverursacher zurückholen kann.

Schlaglöcher

Personenschäden sind momentan häufiger als Glätteunfälle mit dem Auto. Dafür werden an Fahrzeugen immer mehr Schäden durch Schlaglöcher registriert. In solchen Fällen ist die Frage nach der Haftung schwierig zu beantworten, denn der Verkehrssicherungspflicht der Kommunen und Länder steht laut Straßenverkehrsordnung die Pflicht jedes einzelnen Fahrers gegenüber, die Geschwindigkeit an die Straßenverhältnisse anzupassen.

Was die Verkehrssicherungspflicht beinhaltet, ist nicht genau definiert. Das Bundesfernstraßengesetz sowie die Straßengesetze der Länder geben jedoch Anhaltspunkte. Auf jeden Fall haben Kommunen, Landkreise und gegebenenfalls auch die Länder die Pflicht, vor Schlaglöchern oder anderen Schäden zu warnen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen zu treffen, wenn der Schaden nicht sofort behoben werden kann. Neben Warnschildern kann eine Schutzmaßnahme sein, die Geschwindigkeit auf den betroffenen Abschnitten zu beschränken.

Petra Schmucker, Rechtsexpertin beim Automobilclub von Deutschland (AvD) empfiehlt geschädigten Autofahrern, sowohl den Straßenzustand als auch den Schaden am Fahrzeug mit Fotos zu dokumentieren. "Das ist wichtig, um später nicht ohne Beweismittel dazustehen. Auch die Polizei sollte informiert und gegebenenfalls Adressen und Telefonnummern von Zeugen notiert werden. Die Schadensmeldung, das Polizeiprotokoll sowie der Kostenvoranschlag der Werkstatt sollten dann beim zuständigen Verkehrssicherungspflichtigen - das heißt, in der Regel bei der Kommune oder dem Landkreis - eingereicht werden", erläutert Petra Schmucker. Weil jeder Fall anders gelagert ist, fallen die Schadenersatzurteile bei Schlaglöchern allerdings sehr unterschiedlich aus - mal zu Gunsten des Autofahrers, mal zu Gunsten von Kommune oder Landkreis.

Wer eine Vollkaskoversicherung für seinen Wagen hat, kann auch daraus Schäden regulieren lassen, die durch Schlaglöcher entstanden sind. Eine Teilkasko reicht dagegen nicht aus. Sie kommt lediglich für Steinschlagschäden an der Windschutzscheibe, Einbruch, Brand-, Sturm-, Hagel- und Überschwemmungsschäden auf .

Andere Autounfälle

Auch erfahrene Kraftfahrer können bei schlechtem Wetter ins Rutschen kommen. Wird dabei ein anderes Fahrzeug beschädigt, werden die Reparaturkosten aus der Kfz-Haftpflicht des Verursachers beglichen. Gleiches gilt für Personenschäden, die Insassen dieses Wagens erlitten haben - und zwar selbst dann, wenn der Unfallverursacher grob fahrlässig gehandelt hat.

Schäden am eigenen Fahrzeug reguliert auch hier die Vollkasko - wenn vorhanden. Fahrlässiges Verhalten wie Fahren mit einer Geschwindigkeit, die Sicht- und Straßenverhältnissen nicht angepasst ist, Sommerreifen im Tiefschnee oder eine nicht völlig eisfreie Frontscheibe kann den Fahrzeughalter allerdings den Versicherungsschutz kosten.

Auf dem Arbeitsweg

Ereignet sich ein Autounfall auf dem Arbeitsweg, während einer Auswärtstätigkeit oder einer anderen betrieblichen Fahrt, können die Kosten steuerlich als Werbungskosten geltend gemacht werden. Günstig ist diese Regelung vor allem für diejenigen, die von der Versicherung nichts bekommen haben.

"Absetzbar sind Reparaturkosten, Auslagen für die Selbstregulierung, die Selbstbeteiligung in der Kaskoversicherung, Schäden an privaten Gegenständen, Aufwendungen für Gutachter, Anwalt und Gericht sowie sonstige Auslagen, die im Zusammenhang mit dem Unfall anfallen", erläutert Kristina Pachale, Beratungsstellenleiterin der Lohnsteuerhilfe Bayern e. V. in Schwerin. Die für die Beseitigung des Schadens aufgewendeten Beträge können in der Steuererklärung voll abgesetzt werden, eine Aufteilung in einen privaten und einen dienstlichen Anteil der Pkw-Nutzung wird nicht verlangt. "Allerdings werden Versicherungsleistungen und andere Ersatzzahlungen gegengerechnet", so Kristina Pachale.