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Tipps zum Abwehren von Übergriffen Erwachsener Wenn Erwachsene lügen und locken

Von Thorsten Meier | 23.12.2010, 08:34 Uhr

Missbrauch der Schwächsten in der Gesellschaft sind leider keine Seltenheit. Für Schüler der Fritz-Reuter-Grundschule stand deshalb in dieser Woche ein außergewöhnliches Auffrischungstraining auf dem Plan.

"Ich schaffe locker das Plüschtier zu greifen und wegzurennen", ist sich die zehnjährige Lea sicher. Doch schon als sie nur die Hand nach dem rosafarbenen Schweinchen ausstreckt, hat sie Torsten Mehner bereits fest im Griff. "Seht ihr, dass das nicht klappt", warnt der Verhaltenstrainer die Jungen und Mädchen der Klassen 3a und b. Das Sicherheitstraining hilft den Kindern, mögliche Gefahren zu erkennen und richtig zu reagieren.

Gewalt an Heranwachsenden und der Missbrauch der Schwächsten in der Gesellschaft sind leider keine Seltenheit. Für Schüler der Fritz-Reuter-Grundschule stand deshalb in dieser Woche ein außergewöhnliches Auffrischungstraining auf dem Stundenplan. Seit vier Jahren lernten Mädchen und Jungen dieser Bildungseinrichtung, wie sie brenzlige Situationen im Alltag erkennen, darauf richtig reagieren und sich im Notfall auch selbst verteidigen können.

Dafür kommen Doreen Struss und Torsten Mehner vom "Kinder & Jugend Sicherheits Team" in die Grundschule. "Sicherheit ist erlernbar!" ist die zentrale Botschaft der beiden Experten an die Grundschüler. Wie das geht, bringen sie ihnen sehr praxisnah bei - und die Kinder sind jedes Mal begeistert bei der Sache.

Woran ist beispielsweise zu erkennen, wenn jemand böse Absichten hat? Das sieht man den Typen nicht an, sondern ist am Verhalten zu erkennen, erläutert Torsten Mehner weiter. "Gibt es für Fremde einen Grund euch anzusprechen? Haben böse Menschen immer eine Brille auf? Oder lange Haare? Tragen sie eine Brille oder Maske?" fragt er in die Runde. Natürlich nicht, bringt er ihnen bei. Der 39-Jährige demonstriert verschiedene Tricks, mit denen Fremde versuchen könnten, die Kinder zum Beispiel ans oder ins Auto zu locken. "Stopp, lassen sie mich in Ruhe!", sollen sie dem Angreifer sofort entgegenschreien, weglaufen und am besten Hilfe holen. Jeder der Schüler spielt verschiedene Situationen durch, bis es bei allen sitzt. Bedrohlichen Situationen werden die Kinder in Zukunft sicher wesentlich selbstbewusster begegnen.

"Sicherheit ist erlernbar. In unseren Kursen, lernen Kinder Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung des Selbstbewusstseins und eine kompetente Selbstbehauptung in Verbindung mit einfachen, jedoch sehr wirkungsvollen Selbstverteidigungsstrategien", erklärt der junge Mann weiter. Grundlage sei der Gedanke, dass Vorbeugen immer der beste Schutz sei. Durch innovative Programme, die speziell auf das Alter und den Bedürfnissen der Kinder angepasst seien, wäre eine hohe Wirksamkeit und Nachhaltigkeit gegeben. Langjährige Erfahrungen, qualifizierte Ausbildungen, mobile Einsatzteams und hohe Flexibilität kennzeichneten die Sicherheitskurse, die bei Kindern wie Eltern immer beliebter würden.

Und die Kinder erfahren so, dass es nicht nur gute Erwachsene gibt. Dass Männer und Frauen eben auch lügen und locken, um ihre Ziele zu erreichen. Die beste "Schutzimpfung", die Eltern ihrem Nachwuchs mitgeben können, ist deshalb die Erziehung zu einem selbstbewussten, kritischen Menschen. Wobei Selbstbewusstsein nicht verwechselt werden sollte mit Missachtung aller Regeln.

Torsten Mehner: "Ganz wichtig ist, auf das Bauchgefühl zu vertrauen. Kinder sollten wissen, dass ihr Gefühl ihr wichtigster Verbündeter ist. Auf dieses sollten sie immer hören, wenn ihnen etwas ,komisch vorkommt. Dazu ist es notwendig, dass sie sensibilisiert sind, damit sie verstehen: Was dich und deinen Körper betrifft, darfst ganz allein du bestimmen. Deine Persönlichkeit, und ist sie noch so klein, darf niemand antasten."