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Von Sorgerecht bis Handy-Sucht Wenn Eltern Hilfe brauchen

Von LIKL | 29.11.2015, 09:00 Uhr

Immer mehr Familien in Mecklenburg-Vorpommern nutzen Erziehungsberatung vom Jugendamt

Sorgerechtsfragen, Schulprobleme und ununterbrochenes Gedaddel auf dem Computer oder dem Smartphone: Immer mehr Eltern in Mecklenburg-Vorpommern sind bei der Erziehung ihrer Kinder auf die Hilfe des Jugendamtes oder einer Erziehungsberatungsstelle angewiesen. Wie das Statistische Amt Mecklenburg-Vorpommern gestern mitteilte, wurde im vergangenen Jahr bei 7324 Babys, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einer der vielen verschiedenen erzieherischen Hilfen begonnen. Das sind 6,3 Prozent mehr, als noch im Vorjahr.

Bei knapp 40 Prozent war die neu gewählte Hilfe eine Erziehungsberatung. 2889 junge Menschen in MV waren hiervon erstmals betroffen. Das entspricht einem Zuwachs von 19,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Deutschlandweit ist die Erziehungsberatung mit 64,5 Prozent die meistgewählte erzieherische Hilfe. Für die seit Jahren anhaltende Zunahme bei allen Angeboten – von der Beratung bis zur Heimunterbringung – nennen Fachleute mehrere Gründe: wachsende Armut, eine aufmerksamere Gesellschaft und mehr Druck in den Familien. Die Statistik zähle zudem minderjährige Flüchtlinge mit, die ohne Eltern in Deutschland leben und etwa in einem Heim untergebracht werden.

Von Armut bedrohte Familien nähmen in besonderem Maße erzieherische Hilfen in Anspruch, sagt Jens Pothmann vom Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut und Technische Universität Dortmund. „Der soziale Druck auf diese Familien wirkt sich auch auf das Erziehungsgeschehen negativ aus“, sagte der Wissenschaftler. „Dies steigert sich bei Alleinerziehenden, weil sie besonders von Armut betroffen sind und größere Schwierigkeiten haben, mit den Folgen umzugehen, da dazu der Partner fehlt.“ Dies spiegeln auch die Zahlen der Statistik wider: Deutschlandweit begann für 55  800 Kinder und Jugendliche eine Vollzeitpflege. Aus MV wurden 1316 Heranwachsende im vergangenen Jahr in fremden Familien, einem Heim oder einer betreuten Wohnung untergebracht. Im Gegensatz zum Bundestrend sank hierbei jedoch der Anteil von 1460 in Jahr 2013 um rund 10 Prozent. Fast die Hälfte der jungen Menschen lebte zuvor bei einem alleinerziehenden Elternteil.

Cordula Lasner-Tietze vom Kinderschutzbund formuliert es so: „Armut hat immer etwas mit Stigmatisierung, Ausgrenzung, geringerer Teilhabe und größerem Druck zu tun.“ Die stellvertretende Bundesgeschäftsführerin mahnt: „Wenn wir mehr in die Armutsbekämpfung investieren würden, hätte die Jugendhilfe auch mehr Entlastungsmomente.“

Deutschlandweit haben im vergangenem Jahr 531 000 Kinder eine erzieherische Hilfe begonnen. 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr.