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Bilanz 2018 Weniger Seenotfälle - dank schönem Wetter

Von Janet Binder | 16.01.2019, 15:11 Uhr

Die Seenotretter sind im letzten Jahr zwar in Nord- und Ostsee insgesamt mehr Einsätze gefahren als 2017. Sie mussten aber weniger Menschen in akuter Gefahr helfen. Das lag auch am Wetter.

Die Seenotretter haben 2018 deutlich weniger Menschen in Nord- und Ostsee zu Hilfe kommen müssen als im Vorjahr. Insgesamt bargen sie 38 Menschen aus akuter Not, 2017 waren es 58 Menschen, wie Christian Stipeldey von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am Mittwoch in Cuxhaven sagte. Auch mussten sie mit 318 weniger Menschen aus drohender Gefahr befreien (2017: 432).

Wenig Wetterumsprünge - Wassersportler gut vorbereitet

Ein Grund für den Rückgang sei der außergewöhnlich schöne und lange Sommer gewesen. „Es hat relativ wenige plötzliche Wetterumschwünge gegeben“, sagte Stipeldey. Und diese seien wiederum rechtzeitig angekündigt worden, so dass sich Wassersportler darauf hätten vorbereiten können.

Einer der dramatischsten Einsätze vor der niedersächsischen Küste lag dann auch nicht am Wetter: Ein Vater und seine beiden 9 und 15 Jahre alten Söhnen waren an einem Juliabend im Dunkeln vor Fedderwardersiel im Watt von der Flut überrascht worden. Zufällig hatten Strandbesucher die Hilfeschreie gehört und die Rettungskräfte benachrichtigt. Als die Seenotretter die drei entdeckten, stand dem Vater das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Seine beiden Kinder hatte er auf den Arm genommen, um sie über Wasser zu halten.

Bei einem anderen Einsatz in der Ostsee vor Gelting in Schleswig-Holstein barg die DGzRS im September zwei Schiffbrüchige. Sie waren nach dem Brand ihres Motorboots in eine Rettungsinsel geflüchtet.

Obwohl die Besatzungen der 59 Seenotrettungskreuzer und -boote in Nord- und Ostsee weniger Menschen in akuter Gefahr helfen mussten, fuhren sie dennoch mit 2156 Einsätzen (2017: 2056) häufiger raus als im Vorjahr. „Wir haben mit frühen Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge Schlimmeres verhindern können“, betonte Stipeldey.

Windsurfprofi Bernd Flessnerneuer Botschafter der Seenotretter

Neuer Botschafter der Seenotretter ist der erfolgreichste deutsche Windsurfprofi, Bernd Flessner.

Er ist bereits der 20. Prominente, der den ehrenamtlichen Job übernimmt. Als Norderneyer hat der 49-Jährige eine besondere Beziehung zur DGzRS. „Ich bin schon als Kind rumgelaufen und habe Spenden gesammelt“, erzählte er. Die DGzRS finanziert sich ausschließlich aus Spenden.

Flessner, der 2011 als erster von Norderney nach Sylt gesurft ist, war selbst schon zwei Mal auf die Hilfe der DGzRS angewiesen. In beiden Fällen hatte er beim Windsurfen Mastbruch erlitten. „Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass einem im Notfall geholfen wird“, sagte Flessner, der seine aktive Surfkarriere 2013 beendete.  Vor den Seenotrettern habe er großen Respekt. „Ich weiß, welche Gewalt die Natur entfachen kann“, sagte er. Er selbst sei schon bei Windstärke zwölf gesurft. „Aber das mache ich aus Spaß am Sport.“ Die Seenotretter müssten bei solchen Bedingungen sogar nachts rausfahren - wenn man nicht sehe, ob vor dem Schiff eine Riesenwelle ist.