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Spendenaktion Wünschewagen „Mein Kinderwagen bebte, wenn ein Blaulicht vorbeifuhr“

Von Anja Bölck | 07.12.2022, 12:44 Uhr

Der Schweriner Marten Burs war schon als Kind „blaulichtverrückt“. Neuerdings klemmt sich der Notfallsanitäter auch noch beim ASB-Wünschewagen hinters Lenkrad. Von einem, der nicht genug kriegen kann.

Marten Burs war schon als Zweijähriger vernarrt in den Rettungsdienst. Immer wenn man ihn im Kinderwagen durch die Stadt schob und er einen blinkenden und jaulenden Rettungswagen sah, fing er an zu zappeln. „Mein Kinderwagen bebte, wenn ein Blaulicht vorbeifuhr“, erzählt der Schweriner. 

Jahrelang wurde die Anekdote am Familien-Küchentisch zum Besten gegeben. Der kleine Marten hatte nichts dagegen. Er gab immer gern zu, dass er „blaulichtverrückt“ war. Mit zehn Jahren fing er bei der Jugendfeuerwehr an. Und dann kam, was kommen musste. Er wurde Notfallsanitäter bei der Berufsfeuerwehr. Fuhr nun selber mit Martinshorn durch die Stadt. Nicht durch Meppen im Emsland, wo er aufgewachsenen ist, sondern durch Schwerin. 

Nach seiner Ausbildung bleibt er in der Landeshauptstadt. Marten Burs mag die Gegend, die Nähe zur Ostsee, die vielen Seen, auf denen er gern mit dem SUP-Board unterwegs ist. Irgendwann will er sich auch mal ein eigenes Boot gönnen. Aber das hat Zeit. Der Job geht vor und das Ehrenamt, von dem sich der 28-Jährige jetzt noch ein zweites „aufgehalst“ hat. 

Schweriner nutzt die Freizeit, um was Gutes zu tun

Als Marten Burs zufällig in den Medien vom ASB-Wünschewagen erfährt, ist er sofort angetriggert. „Wenn wir Leute aus dem Rettungsdienst oder der Pflege dort nicht als Ehrenamtliche einspringen – wer soll das denn sonst machen?“, fragt er sich. Klar schrubbt er schon als Notfallsanitäter viele Stunden. Auch für seine Freunde, fürs Dart spielen, die Freiwillige Feuerwehr und das Fitnesscenter geht Zeit drauf. Dennoch bleiben Stunden übrig, die er gern sinnvoll für andere nutzen möchte. „Ich bin Single und hab noch keine Kinder“, sagt er. „Also bleibt freie Zeit, um ein bisschen was Gutes zu tun. Das kann mir nicht schaden, und wenn ich anderen einen Wunsch erfüllen darf, dann freut mich das.“ 

Inzwischen hat Marten Burs seine ersten beiden Fahrten mit dem Wünschewagen hinter sich. Er fand’s gut. Vor allem die achtstündige Tour von Rostock nach Schwäbisch Hall. Dorthin hatten sie einen kranken, bettlägerigen Mann gebracht. Zu seiner Frau, die bereits kurz vorher in die Stadt gezogen war und dort einen Heimplatz für ihren Mann besorgt hatte.

„Das Paar hatte sich 1971 in Schwäbisch Hall kennengelernt und die Frau wollte gern wieder in die Heimat zurückziehen“, erzählt Marten Burs. „Doch ihr Plan ging nicht auf. Niemand wollte ihren Mann vom Pflegeheim in Rostock ins Pflegeheim nach Schwäbisch Hall fahren. Die Krankenkassen stellten sich quer. Zum Glück sprang der ASB-Wünschewagen ein. Es war schön zu sehen, wie sich die Frau freute, als wir mit ihrem Mann eintrafen. Sie war sichtlich berührt. Es war ein toller Moment.“

Rettungskräfte sind auch mitfühlend

Dass Marten Burs in seiner Freizeit mit Sterbenskranken zu tun hat, macht ihm nichts aus. Als Notfallsanitäter sei er emotional gewappnet, sagt er. „Wir Rettungskräfte sind auch mitfühlend, dürfen aber nicht alles mit nach Hause nehmen. Ich selbst gehe gewöhnlich ruhig und gelassen an Situationen heran. Und ich habe eine lange Zündschnur, bis ich von etwas genervt bin.“

 Natürlich gibt es auch für den Schweriner belastende Einsätze, die nicht spurlos an ihm vorbeigehen, vor allem, wenn es um Kinder geht. Quälen ihn Gedanken zu sehr, scheut er sich nicht, selber psychologische Hilfe anzunehmen. Die wird bei der Berufsfeuerwehr angeboten. 

Marten Burs will noch ein paar Jahre im Job durchhalten

Klar hat Marten Burs auch den einen oder anderen Kollegen, der von sich denkt, ich bin ein harter Typ, ich brauch so was nicht. Aber er selbst ist für die Ausbildung der neuen Sanitäter zuständig. „Ich finde es daher wichtig, hier eine Vorbildfunktion vorzuleben“, sagt er. „Außerdem zeigen Studien, dass Notfallsanitäter im Schnitt nur acht Jahre in ihrem Beruf verweilen – weil der Job doch ziemlich belastend ist. Ich bin jetzt siebeneinhalb Jahre dabei und habe schon noch vor, länger zu bleiben. Denn mir macht die Arbeit meistens Spaß.“ 

Und wenn es mal nicht so läuft, dann denkt Marten Burs an die Familientreffen, bei denen seine Kinderwagen-Wackel-Geschichte immer noch gern erzählt wird. In diesem Jahr kommt er allerdings nicht in den Genuss. Marten Burs muss Weihnachten arbeiten. Auf den Lebensretter warten 12-Stunden-Schichten.

Noch ein Wunsch zu Weihnachten

 Was wünscht sich der Schweriner zu Weihnachten? „Dass die Menschen mehr zusammenhalten. Und nicht irgendwelche extremen Meinungen, die sie irgendwo aufgeschnappt haben, von sich geben. Statt Leute runterzuziehen, sollte man lieber mal schauen, was man auch mal Gutes für andere tun kann.“

Mehr Informationen:

Spendenkonten:

ASB-Landesverband MV e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00

BIC: BFSWDE33BER

ASB-LV Brandenburg e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401

BIC: BFSWDE33BER

Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Benötigen Sie eine Spendenquittung, schreiben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse in die Zeilen für den Verwendungszweck.

Wunschanmeldungen:

www.wuenschewagen-mv.de

www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

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