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Prozess in Neubrandenburg War der Folterer schuldfähig?

Von Winfried Wagner | 28.03.2018, 20:30 Uhr

Prozess um zu Tode gequälte Frau: Neustart ab Mitte April

Der aufsehenerregende Fall um eine zu Tode gefolterte Frau in Alt Rehse (Mecklenburgische Seenplatte) wird am Landgericht Neubrandenburg neu verhandelt. Vom 17. April bis Anfang September seien etwa 20 Verhandlungstermine geplant, erklärte eine Gerichtssprecherin. Für eine Beweisaufnahme sollen, wenn der Beschuldigte nicht geständig ist, mehr als 50 Zeugen geladen werden. Der bizarre Fall hatte über MV hinaus für Schlagzeilen gesorgt.

Der 52-Jährige, im Dorf als Sonderling betrachtet, war vor einem Jahr wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte ihm dabei „verminderte Schuldfähigkeit“ attestiert. Der Verteidiger legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. In einer Neuverhandlung solle nun der Gesundheitszustand zur Tatzeit und damit genauer geprüft werden, ob der Mann überhaupt schuldfähig war. Er hatte die aus Rheinland-Pfalz stammende Frau über das Internet kennengelernt. Die 32-Jährige, die bei Amtsgeschäften einen Betreuer hatte, wurde von ihm im Sommer 2016 im Streit nackt an ein Bett gefesselt und mit einer Peitsche misshandelt, wie er bei der Polizei aussagte. Danach bekam die Frau so lange kein Essen und Trinken, dass sie schließlich starb.

Der Mann hatte die Tote in Decken und Folien gewickelt und auf eine Sackkarre gebunden, die er in dem ehemaligen Gasthof hin- und hergeschoben hatte. Die stark verweste Leiche wurde erst zwei Monate später bei einem Einsatz wegen Ruhestörung gegen den Mann gefunden.

Vor Gericht hatte der Mann weitgehend geschwiegen und es abgelehnt, sich psychiatrisch begutachten zu lassen. Polizisten erzählte er aber, die Lebensgefährtin gefoltert zu haben, weil sie „vom Bundesnachrichtendienst und den Dorfbewohnern auf mich angesetzt war“. Im Gerichtssaal sagte er vor dem Urteil dann überraschend doch etwas: „Ihr Tod kam für mich mehr als überraschend und ich kann mir nicht erklären, warum ich nicht den Notarzt geholt habe.“

Sollte das Gericht dem Mann eine völlige Schuldunfähigkeit attestieren, sehen Rechtsexperten zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte das Verfahren mit einem Freispruch enden, zum anderen könnte das Gericht den Mann auch in eine psychiatrische Klinik einweisen, falls er eine Gefahr für Andere darstellt.