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Ludwigslust Waffenbehörde ist am Drücker

Von Thorsten Meier | 04.09.2009, 09:17 Uhr

Das Massaker von Winnenden im März dieses Jahres brachte es an die Öffentlichkeit: Deutschland ist bis an die Zähne bewaffnet. Mehr als acht Millionen genehmigungspflichtige Gewehre und Faustfeuerwaffen befinden sich im Privatbesitz, ungezählte kursieren illegal durch die Gesellschaft. Jeden Tag kommen neue hinzu, und jede Woche werden alte vererbt. Allein im Landkreis Ludwigslust sind etwa 5500 Waffen registriert - Polizeipistolen nicht mitgerechnet.

Seit der bundesweiten Neuregelung des Waffengesetzes im Juli sind in unserem Nachbarland Niedersachsen 9500 Waffen aus privaten Haushalten freiwillig bei der Polizei abgegeben worden. Die Abgabeaktion war wegen des Amoklaufs von Winnenden am 11. März dieses Jahres mit 16 Toten initiiert worden, um die Zahl der Waffen in Privathaushalten zu verringern. Unter den abgegebenen Waffen befinden sich den Angaben zufolge auch 700 illegal erworbene. Denn auch bei der neuen Regelung ist Besitzern illegaler Waffen bei deren freiwilliger Abgabe Straffreiheit in Aussicht gestellt worden. Die Niedersachsener können ihre Waffen noch bis Ende des Jahres bei der Polizei abgeben. Bei der Waffenbehörde des Landkreises Ludwigslust hingegen sind bisher nicht eine einzige Pistole oder Gewehr aus freien Stücken gelandet.

"Wir werden einen solchen Ansturm bei uns auch nicht haben, weil es im Osten Deutschlands geschichtsbedingt schon immer weniger Waffen gab", erklärte dazu Christian Eichwitz, Leiter des Ludwigsluster Polizeireviers.

Nur vereinzelte Waffenrückgaben"Bisher kamen nur einzelne Erben, die mit den Waffen nichts anfangen konnten oder denen die ordnungsgemäße Aufbewahrung zu teuer war", berichtete gestern Andrea Boldt, Sachbearbeiterin an der kreislichen Waffenbehörde.

"Das im Juli verabschiedete neue Waffengesetz sieht Kontrollen ohne besonderen Anlass bei Waffenbesitzern vor, um die fachgerechte Sicherung ihrer Waffen überprüfen zu können", bestätigte gestern Ulrich Teschner, Leiter des Fachdienstes Ordnung, Brand- und Katastrophenschutz beim Landkreis gegenüber SVZ. Laut Teschner hätten alle Waffenbesitzer, von denen es im Landkreis Ludwigslust über 2000 gäbe, bisher jedoch nachgewiesen beziehungsweise glaubhaft gemacht, dass ihre Waffen und Munition sicher gelagert seien. "Wir machen aus den Kontrollen deshalb kein Lotteriespiel, ein gewisser Hintergrund sollte schon vorhanden sein. Im übrigen sind großflächige Kontrollen schon aus personellen Gründen mit unseren eigenen Kräften, selbst über einen längeren Zeitraum, recht schwierig."

Die im Grundgesetz verankerte Unverletzlichkeit der Wohnung gilt dennoch. Ohne Zustimmung des Betroffenen darf der private Wohnraum selbstverständlich nicht betreten werden. Ein Waffenbesitzer, der jedoch ohne dringende Gründe eine Kontrolle verweigert, muss wissen, dass er damit Zweifel an seiner Eignung auslöst.

"In diesem Fall brauchen wir einen hinreichenden Grund, um eine richterliche Verfügung zum Betreten der Wohnung zu erwirken. In einem einzigen Fall in zehn Jahren war dies erst der Fall", so Teschner weiter.

Zweimal ist das Waffengesetz in den vergangenen sieben Jahren geändert worden, stets unter dem Eindruck eines Amoklaufes an einer Schule. Das Gesetz hält in der Tat eine Fülle von Einschränkungen bereit, Sanktionen inklusive, nur an zentraler Stelle grenzt es an unfreiwillige Komik: Eine Waffen- und Munitionserlaubnis setzt voraus, "dass ein Bedürfnis nachgewiesen" wird sowie eine persönliche Eignung vorliegt, also man Jäger, Sportschützen, Brauchtumsschützen, Waffen- und Munitionssammler oder Mitglieder eines Schützenvereins. ist. Teschner: "Auf legalem Wege ist der Waffenerwerb heutzutage jedoch um Einiges erschwert worden."