Ein Angebot des medienhaus nord

Schwerin Wählen mit Herz und Verstand

Von Jochen Lange | 25.09.2009, 04:20 Uhr

Am Sonntag entscheiden auch 1,4 Millionen Wahlberechtigte in Mecklenburg-Vorpommern , darunter zirka 80 000 Erstwähler, über die Politik Deutschlands in den kommenden vier Jahren. In den sieben Wahlkreisen zwischen Ostsee und Müritz, Schwerin und Haff buhlen 84 Kandidaten und elf Parteien um die Kreuze der Wähler. Dabei kann es auch kreativ zugehen.

Die einen sehen es als aus ihrer Sicht sinnloses Unterfangen, die anderen als selbstverständliche Bürgerpflicht und dritte - berechtigterweise - als wertvollstes Recht der Menschen in der Demokratie: Das Wählengehen.

Mit vielem verbinden die Menschen das Wählen. An einen kreativen Akt denken die wenigsten beim Betreten des örtlichen Wahllokals. Die amtlichen Wahlbekanntmachungen, die in jeder Gemeinde und morgen in jedem Wahllokal aushängen und Tipps fürs richtige Wählen geben, lassen nichts unorganisiert vor und in der Wahlkabine - bis auf das Kreuzchenmachen selbst. Dort heißt es nämlich: "Der Wähler gibt seine Stimme (...) durch ein in einen Kreis gesetztes Kreuz oder auf andere Weise eindeutig kenntlich (gemacht), welchem Bewerber sie gelten soll, ab." Dem Einfallsreichtum sind also keine Grenzen gesetzt: Ein Herzchen für den Direktkandidat? Ein Smily für die persönliche Favoritin oder einen Knutscher für die unterstützte Partei?

Wählen überall im Wahlkreis möglichEgal für welchen Kandidaten und welche Partei sich die Mecklenburg-Vorpommern in ihrem kreativen Wahlakt morgen entscheiden, ohne in das Wählerverzeichnis ihres Wahlkreises eingetragen zu sein, ist ihnen das Wählen grundsätzlich verwehrt. Der glückliche Besitzer einer Wahlbenachrichtigung, nimmt diese und geht zum auf der Karte benannten Wahllokal. Wer seine verlegt hat, kann trotzdem wählen, aber nur in dem für ihn zuständigen Wahllokal. Welches das ist, erfährt er bei seiner Gemeinde. Außerdem muss er sich dann zwingend mit einem Ausweis, wie beispielsweise Personalausweis oder Reisepass oder dem Führerschein identifizieren. Wer morgen beim Sonntagsspaziergang durch den Wahlkreis sowohl Wahlbenachrichtigung als auch Ausweis bei sich hat, kann in jedem Wahllokal des Wahlkreises in der Zeit von 8 bis 18 Uhr abstimmen.

Sind diese formalen Hürden genommen, sitzt der Wähler in der Kabine vor dem in zwei Bereiche aufgeteilten Stimmzettel. Nun gilt es die beiden Stimmen, die Erst- und Zweitstimme, zu vergeben. Auf der linken in Schwarz gehaltenen Hälfte gibt der Wähler seine Erststimme für einen sogenannten Wahlkreisabgeordneten, auch Direktkandidaten genannt, aus dem Wahlkreis. Vereinigt dieser die meisten Kreuze, Herzchen oder sonstiges auf sich, gewinnt er den Wahlkreis direkt und zieht sicher in den Deutschen Bundestag ein. Die gegenüberliegende blaue Hälfte ist für die Zweitstimme vorgesehen, mit der sich der Wähler für eine Partei entscheidet. Von der Anzahl der Zweitstimmen hängt die eigentliche Sitzverteilung, also wie viele Sitze die Parteien im Bundestag konkret aus allen Bundesländern erhalten, ab.

Die Abgabe nur einer Stimme, sei es der Erst- oder der Zweitstimme, ist dabei genauso zulässig wie das Stimmensplitting zwischen Erst- und Zweitstimme auf verschiedene Parteien beziehungsweise Kandidaten.