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Schwerin: Junge Leute diskutieren im Landtag mit Politikern Vorsicht: Jugend hakt nach

Von Benjamin Piel | 29.10.2011, 12:31 Uhr

"Jugend hakt nach", heißt die Veranstaltung. Ein Pilotprojekt. Schon seit elf Jahren gibt es die Reihe "Jugend im Parlament", zuletzt im November 2010.

Martina Tegtmeier steht mit dem Rücken zur Wand. Vor ihr stehen drei Jugendliche. Diskussionsfreudig, beinahe kampflustig. Thema: Wahlrecht ab 16. "Kommunal dürfen wir mit 16 Jahren wählen, bei der Landtagswahl nicht", sagt Nele Hameister. Sie hebt die Arme, breitet die Hände aus, lässt sie dann wieder sinken. Das Unverständnis steht ihr ins Gesicht geschrieben. "Aber Parlamentswahlen sind aus meiner Sicht etwas anderes, auch bürgerrechtlich betrachtet", erwidert die 53-Jährige. "Soll das heißen, dass Kommunen unwichtig und die Wahlzettel, die Jugendliche bei den Kommunalwahlen in die Hand nehmen dürfen, nur Almosen sind?", kommt prompt die Frage. Das hat gesessen. Nele Hameister ist weder um Worte, noch um Argumente verlegen. Martina Tegtmeier kennt das. Sie hat selbst drei Kinder.

Kinder sind von ihren Eltern oft darauf trainiert, keine Widerworte zu geben. Darauf mussten sie dieser Tage im Schweriner Landtag aber keine Rücksicht nehmen. Da diskutieren Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 23 Jahren mit Abgeordneten. Auge in Auge, Argument um Argument.

"Jugend hakt nach", heißt die Veranstaltung. Ein Pilotprojekt. Schon seit elf Jahren gibt es die Reihe "Jugend im Parlament", zuletzt im November 2010. Bei diesen Veranstaltungen formulieren die Jugendlichen Forderungen. Beispiele aus dem Forderungskatalog des vergangenen Jahres: Verbot des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen oder mehr außerschulische Jugendbildung.

Dass es einige der im November diskutierten Themen sogar in die Koalitionsvereinbarung der neuen Landesregierung geschafft hätten, betonte Landtagspräsidentin Sylvia Brettschneider (SPD). "Doch die Frage ist, was auch wirklich umgesetzt wird", sagte Andreas Beck vom Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern, der die Veranstaltung organisiert. Den jungen Leuten sei klar, dass nicht alle ihre Forderungen verwirklicht würden, doch es sei wichtig, sie Blick zu behalten.

Ein Wunsch, den auch die Jugendlichen hatten. Nach dem Ende der Veranstaltung im November wünschten sie sich eine Folgeveranstaltung, um mit Landtagsabgeordneten zu diskutieren, was aus ihren Forderungen geworden ist. Elf Landtagsabgeordnete der Parteien SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke kamen gestern zur Diskussion in den Plenarsaal des Schweriner Schlosses. Mit der NPD arbeitet der Landesjugendring nicht zusammen.

Um die Teilnahme konnten sich die Jugendlichen bewerben. Mehr als 30 von ihnen aus dem ganzen Land lud der Landesjugendring zur Teilnahme ein. Nele Hameister ist froh, dabei sein zu können. "Es fühlt sich gut an, einmal direkt mit den Politikern sprechen zu können", sagt die 19-Jährige. Sie habe vor zwei Jahren schon einmal bei "Jugend im Landtag" mitgemacht. "Es ist gut, die eigenen Vorstellungen unmittelbar äußern zu können", sagt die FSJlerin aus Greifswald.

Nah dran sein, das ist ein Anliegen, das auch Andreas Beck am Herzen liegt. "Es ist nicht so, dass die jungen Leute zu Besuch sind und die Abgeordneten zu Hause, sondern sie begegnen sich hier in einem ganz neuen Kontext", sagt Beck. Ganz unrecht hat er damit nicht, denn der Plenarsaal ist kaum wiederzuerkennen. Die Stühle sind verschoben, Plakatwände <ffs></ffs>stehen herum. Eine Veränderung, für die der Ältestenrat höchstselbst seine Zustimmung gegeben hatte.

Zurück zur Diskussion: Martina Tegtmeier und Nele Hameister werden sich beim Thema Mindestwahlalter heute nicht mehr einig. "Wir beginnen doch auch mit 16 Jahren unsere Berufsausbildung", sagt die junge Frau. "Aber einen Vertrag dürfen Jugendliche mit 16 Jahren ohne Zustimmung ihrer Eltern nicht abschließen", kontert Tegtmeier. "Bitte keine Killerargumente", hatte Birgit Schwarz vom Landesjugendring vor der Diskussionsrunde gebeten. Tegtmeier und Hameister hatten in ihrer Diskussion mehr zu bieten als Plattitüden. Ziel erreicht.