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Jüngster Doppel-Weltmeister in der Formel-Geschichte begeistert von Fans Vettel kostet Empfang voll aus

Von Ulrike Weinrich, sid | 23.10.2011, 10:45 Uhr

In einer beeindruckenden "Nachtschicht" erfüllte Sebastian Vettel beim triumphalen Empfang in seiner Heimatstadt Heppenheim auch den allerletzten Autogrammwunsch.

Die Dunkelheit war längst angebrochen, die Temperaturen in "Vettelheim" näherten sich der Null-Grad-Grenze - doch der Weltmeister der Herzen genoss auch noch nach Stunden das Bad in der Menge. In einer beeindruckenden "Nachtschicht" erfüllte Sebastian Vettel beim triumphalen Empfang in seiner Heimatstadt Heppenheim auch den allerletzten Autogrammwunsch.

Und ausgerechnet der 24-Jährige selbst schien am meisten beseelt von der Magie des Augenblicks. "Ich weiß gar nicht, ob ich in der Lage bin, die letzten Rennen zu fahren. Ich bin schon jetzt so glücklich. Das hier ist alles überwältigend", meinte der zweimalige Formel-1-Champion mit Blick auf die Menschenmenge auf dem Europaplatz: "Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich das alles realisiert habe." Auch in den Stunden zuvor hatte der bodenständige Red-Bull-Pilot aus seinem Herz keine Mördergrube gemacht und den rund 30 000 Fans - teils mit südhessischem Dialekt - einige Geheimnisse verraten. Dass ihn noch immer ein bedrückendes Gefühl beschleiche, wenn er sich dem Fußballplatz der Gemeinde nähert. "Viele Tore habe ich damals als Bub nicht gemacht. Ich habe mir immer gewünscht, besser dazustehen", meinte Vettel, der inzwischen in der Schweiz wohnt, aber in seiner Heimatstadt an der Bergstraße neben der Familie noch einige Kumpels hat: "Und wenn ich die treffe, bin ich einer von denen und nichts Besonderes."

Verändert habe ihn, der noch am Morgen Kart gefahren war und zu Wochenbeginn nach Indien zum drittletzten Grand Prix der Saison reist, auch sein zweiter WM-Titel vor gut zwei Wochen nicht. "Unterm Strich bin ich immer noch der gleiche Chaot wie früher", erklärte Vettel und zeigte sein spitzbübisches Lächeln. Der frühere Formel-1-Pilot David Coulthard, einer der vielen Gratulanten auf der Bühne, ist sich sicher: "Sebastian wird noch über Jahre dieser große Champion bleiben."

Standesgemäß war der berühmteste Sohn der Stadt mit seinem Boliden "Kinky Kylie" auf dem Europaplatz vorgefahren, der gerade einmal 500 m Luftlinie von Vettels Elternhaus entfernt ist. Der Weltmeister hielt direkt vor der Bühne an. Dann lief er an den Fanmassen vorbei und klatschte fast mit jedem in der ersten Reihe ab. "Es ist unglaublich, so viele Leute hier zu sehen. Besser kann es nicht sein", schwärmte Vettel.

Mit Blick auf seine Anhänger fehlten dem Champion zunächst ein wenig die Worte. "Ich bin stolz und kapiere gar nicht, dass die alle wegen mir hier sind", meinte der Hesse und freute sich besonders über ein Geschenk seines Lieblings-Fußballklubs Eintracht Frankfurt. Der Zweitligist hatte ihm extra ein Trikot mit Vettels Namen und einer großen 1 geschickt. "Die Nummer sollten sie sich mal selbst auf den Deckel schreiben, damit sie im nächsten Jahr wieder in der Bundesliga spielen", stichelte Vettel, der zudem ein Angebot von Thomas Gottschalk erhielt. Per Videobotschaft hatte der scheidende Showmaster ihm den Job als Moderator der Sendung "Wetten, dass...?"offeriert. Vettel: "Vielleicht komme ich auf ihn zurück." Das ungewöhnlichste Präsent hatte Jörg-Uwe Hahn dabei. Der stellvertrende Ministerpräsident überreichte ihm ein Nummernschild der hessischen Landesregierung mit dem Schriftzug HEL-VETTEL, mit dem der schnellste Sohn des Landes auch mal ein bisschen schneller als erlaubt unterwegs sein dürfte.

Auch beim Reifenwechsel und Carrera-Bahn-Fahren auf dem Europaplatz erwies sich Sebastian Vettel als unschlagbar. Die Stadt Heppenheim hatte für die WM-Feier von Vettels zweitem WM-Titel 400 Meter Straße abgesperrt und zur "Hero Lane" (Heldenweg) erklärt. Die ersten Fans waren schon morgens um 9 Uhr gekommen, um sich die besten Plätze zu sichern. Bei strahlendem Sonnenschein wurden Glühwein und "Vettelheimer"-Würstchen angeboten. Angeheizt hatten die Stimmung die Söhne Mannheims, von denen sich der jüngste Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte das Lied "Das hat die Welt noch nicht gesehen" wünschte. Hunderte der blauen "Vettel-Finger" aus Schaumstoff wippten dazu im Publikum im Takt.