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Schwerin Vermeintliches Opfer entlastet Brähmer

Von Andreas Frost | 11.09.2009, 08:43 Uhr

Nach dem zweiten Tag in seinem Prozess wegen zweifacher schwerer Körperverletzung kann der Schweriner Boxprofi Jürgen Brähmer vorerst durchatmen.

Das eine mutmaßliche Opfer, Amre A., beteuerte gestern vor dem Amtsgericht, seine Blessuren seien kaum der Rede wert. Außerdem verwickelte der Mann sich in einige Widersprüche zu früheren Aussagen bei der Polizei.

Drei andere Zeugen sagten, sie hätten von den angeklagten Untaten Brähmers nichts mitbekommen. Sie schauten gerade nicht hin, waren auf der Toilette oder aber sturzbetrunken.

Brähmer, derzeit Interimsweltmeister des Boxverbandes WBO, soll am 31. Mai 2008 in einer Schweriner Bar mit A. in Streit geraten, einen Aschenbecher nach ihm geworfen und ihn später geschlagen haben. Vor Gericht wusste der Betroffene nur noch, "dass ein Aschenbecher geflogen kam". Er will nicht gesehen haben, wer ihn warf. Auch von Brähmers Schlägen habe er nur zwei kleine Blessuren am Ohr und am Arm davongetragen. Übel nahm A. dem Boxer allerdings, dass er ihm sein Erfrischungsgetränk ins Gesicht schüttete. Dennoch wollte A. nicht schuld sein an einem Karriere-Knick, der Brähmer im Falle einer Verurteilung droht, und zog Anfang September 2008 seine Anzeige zurück. Zu dieser Erkenntnis hat ihm möglicherweise ein Bekannter Brähmers verholfen. Jedenfalls zahlte dieser Bekannte des Boxers dem Zeugen 1500 Euro - angeblich ohne Brähmers Wissen und keinesfalls 20 000 Euro, wie es Gerüchteköche in Schwerin verbreitet haben sollen. Die Polizei ermittelte trotzdem weiter gegen Brähmer, zumal er kurz darauf in eine weitere Rangelei in einer Diskothek verwickelt wurde.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Boxer vor, nach einem Streit einer Bekannten so ins Gesicht geschlagen zu haben, dass ihr Nasenbein brach. Eine Freundin der Frau erzählte Amre A. von dem Vorfall. Der wähnte die beiden Frauen in Gefahr, weil sie angeblich entsprechende Anrufe und SMS "aus Brähmers Umfeld" bekamen. Er riet zu einem Anwalt und erstattete Anzeige. Es sei ihm jedoch nicht darum gegangen, eventuell ein "Schmerzensgeld" für die Geschädigte herauszuschlagen, beteuerte Amre A.

Beate T., die sowohl die Bar als auch die darunterliegende Diskothek betreibt, will aber keinen Aschenbecher-Wurf bemerkt haben, obwohl sie in der Bar war. Auch im zweiten Fall entlastete sie Brähmer. Das Opfer schien ihr weder verletzt, noch blutete es. Brähmer allerdings habe ein nasses Hemd gehabt, als habe ihn jemand mit einem Glas Sekt vollgeschüttet. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt