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Stralsund Verkauf historischer Bücher hat ein Nachspiel

Von dpa | 22.11.2012, 08:32 Uhr

Der Verkauf historischer Bücher aus dem Stadtarchiv hat die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen: Ihr liegen zwei Strafanzeigen vor, ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue wurde eingeleitet.

Wegen des Verkaufs von 6000 historischen Büchern aus dem Stadtarchiv Stralsund ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Stralsunder Behörde liegen zwei Strafanzeigen vor, wie Pressesprecher Ralf Lechte am Donnerstag sagte. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue sei eingeleitet worden. Zuvor hatte das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern festgestellt, dass der Verkauf der Büchersammlung an einen Antiquar in Bayern nicht rechtmäßig gewesen sei. Die Stadt will nun versuchen, das Geschäft rückgängig zu machen. Erste Bücher sollen jedoch bereits an Dritte weiterverkauft worden sein.


Eine der beiden Anzeigen kommt von einem Rechtsanwalt aus Lübeck, die andere aus Rendsburg in Schleswig-Holstein. Der Anwalt wirft nach Informationen des NDR Stralsunds Verwaltungsspitze vor, sie habe zum Nachteil der Stadt gehandelt. Einzelne Exemplare der verkauften Bücher seien allein bis zu 45 000 Euro wert - das wäre knapp die Hälfte des insgesamt erzielten Erlöses von 95 000 Euro.


Wissenschaftler aus Oxford und Marburg hatten den Wert der Bibliothek, deren Bestände bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich angesiedelt. Ein Vertreter der Stadt wolle in den kommenden Tagen zu dem Antiquar nach Bayern reisen und eine Rückabwicklung des Geschäfts erreichen, wie Stadtsprecher Peter Koslik sagte.


Dem NDR zufolge hat die Unesco einen Brief an Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) geschrieben. Der Generalsekretär der deutschen Unesco-Kommission, Roland Bernecker, äußere darin seine Besorgnis über den Umgang mit wertvollen Kulturgütern, heißt es auf der Internetseite des NDR. Ein Unesco-Sprecher sagte demnach, es sei eine „ziemliche Tragödie“, die sich da in Stralsund abspiele und „sehr peinlich“.