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Numerus Clausus Unis in MV begrüßen das Urteil

Von Joachim Mangler / Udo Roll | 19.12.2017, 20:55 Uhr

Mehr als die Hälfte der Studienplätze werden bereits über Auswahlverfahren vergeben.

Vertreter der Universitätskliniken in Mecklenburg-Vorpommern haben das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vergabe von Medizinstudienplätzen begrüßt. Dieses Urteil werde eine positive Entwicklung einleiten, sagte gestern der Dekan und wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin in Rostock, Emil Reisinger. „Für uns bedeutet das, dass wir bis 2019 nichts verändern müssen - wir haben die Aufnahmekriterien gerade erst verbessert“, erklärte der Dekan.

Pro Jahr beginnen in Rostock 220 junge Leute ein Studium der Medizin. Insgesamt gibt es in der Hansestadt rund 2400 Medizinstudenten. 40 Prozent der Plätze werden durch die Stiftung für Hochschulzulassung, der früheren ZVS, vergeben. Die übrigen Bewerber in Rostock absolvieren einen Medizinertest. „Darin spielen unter anderem kognitive und empathische Kriterien eine Rolle“, sagte Reisinger. Die Uniklinik habe darauf geachtet, dass ihre Kriterien rechtssicher sind. Reisinger geht davon aus, dass der Test künftig eine noch stärkere Rolle spielen wird. Mit der Neuordnung würden die Hochschulen mehr Gewicht für die Freiheit von Lehre und Wissenschaft erhalten.

Positiv wurde das Urteil der Verfassungsrichter auch an der Universität Greifswald aufgenommen. Das Verfassungsgericht habe mit seiner Entscheidung für Rechtsklarheit gesorgt, erklärte Pressesprecher Jan Messerschmidt. Die Hochschule würde bereits seit vielen Jahren 60 Prozent der 237 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin über ein Auswahlverfahren vergeben, das auf einem objektiven Bewertungssystem basiere. Dabei werden Punkte für die Abiturdurchschnittsnote, die Belegung naturwissenschaftlicher Fächer in der Abiturstufe und berufspraktische Erfahrungen auf medizinischem Gebiet berechnet. „Das bedeutet, dass die Abiturnote nicht allein mehr ausschlaggebend ist“, erklärt Messerschmidt. In Gesprächen würden die Bewerber auch zu ihrer Motivation für ein Medizinstudium befragt sowie deren Belastbarkeit und soziale Kompetenzen bewertet.

Begrüßt wurde das Urteil in MV auch von SPD, CDU und Linke. „Es ist eine Chance für mehr Gerechtigkeit in der Medizinerausbildung“, erklärte der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dirk Stamer.