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Kunst in Schwerin Uecker und Asiens Philosophie

Von AFRO | 03.03.2018, 16:00 Uhr

Chinesische Wissenschaftlerin untersuchte Verbindungen von europäischer Kunst und der Gedankenwelt des größten Kontinents

Im Werk des aus Mecklenburg stammenden „Nagelkünstlers“ Günther Uecker steckt eine große Portion asiatischer Weisheit. Das hat die Kunstwissenschaftlerin Xiao Xiao für ihre Promotion an der Universität in Hildesheim herausgearbeitet. Ihre Forschungen wurden ein Jahr lang unterstützt durch ein Stipendium, das der Verein „Uecker in Schwerin: Neubau“ im vergangenen Jahr zum ersten Mal vergeben hat. Die 34-Jährige bekam 500 Euro pro Monat. Nun stellte sie im Schweriner E-Werk ihr Wissen Uecker-Freunden und -Experten vor.

Wie Uecker die Welt wahrnimmt und wie er seine Eindrücke in seinen Werken verarbeitet, das habe viel mit dem altchinesischen Daoismus zu tun, so Xiao Xiao. Demnach sei es wichtig, die Dinge so zu erfassen, wie sie sind. Das gelinge oft am besten, wenn der Wahrnehmende dies in großer „Selbstvergessenheit“ tut, also „sich leert“ und sich möglichst aller Voreingenommenheit entledigt. Danach allerdings müsse der Künstler das, was er erfasst hat, durchaus in sein größeres historisches, politisches und gesellschaftiches Umfeld einordnen.

„Die ueckersche Beobachtung entspricht dem daoistischen ,ganying‘, das als ,Wahrnehmung und Reflexion‘ übersetzt werden kann“, erklärte Xiao Xiao eine der wichtigsten Verknüpfungen Ueckers mit der chinesischen Philosophie. Uecker selbst hatte einmal gesagt, er sei kein Lehrender und kein Belehrender. Er wolle Erkenntniswege beschreiben.

Durch die Nähe zur asiatischen Gedankenwelt ist Ueckers Kunst jedoch zum Beispiel für Chinesen nicht leichter zu verstehen. Xiao Xiao: „Es kommt nicht nur auf die Methode, sondern auf die Inhalte an. Uecker bezieht sich auf viele europäische Themen, die in Asien nicht präsent sind.“

Uecker ist weltweit durch seine „Nagelbilder“ bekannt geworden. Sein Werk ist allerdings weitaus umfassender. Genannt seien nur seine „Sandmühlen“ und seine Lichtinstallationen.

Günther Uecker wurde 1930 in Wendorf bei Crivitz geboren, wuchs in Wustrow auf, studierte in Wismar, in Weißensee und später in Düsseldorf, wo er heute noch lebt. Das Staatliche Museum Schwerin besitzt inzwischen eine beachtliche Sammlung seiner Werke, die mit Mitteln des Bundes, der Kulturstiftung der Länder und der Freunde des Staatlichen Museums angekauft wurde.

„Um die große Faszination zu verstehen, die die Kunst Günther Ueckers bei vielen Menschen auslöst, wollen wir die Erforschung der Werke von hier aus fördern“, sagt Kornelia von Berswordt-Wallrabe vom Vereinsvorstand. Jungen Forschern solle ein intensiver Blick auf Wirk- und Arbeitsweise „dieser Ausnahmeerscheinung aus unserem Land“ ermöglicht werden. Das zweite Stipendium ist bereits ausgeschrieben. Wer es erhält, wird im Frühjahr entschieden.