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Neues Nest Trotz Attacken: Bergholzer warten auf Störche

Von Winfried Wagner | 24.02.2014, 16:24 Uhr

Wohin Nahrungsknappheit führt, konnte man 2013 in Bergholz sehen. Ein  Storch suchte im Dorf nach „Fressen“ und traf stattdessen spiegelnde Scheiben und Autos. Die „Rivalen“ wurden attackiert. Trotzdem wollen die Bergholzer auch 2014 wieder Störche.

An der Grenze Vorpommerns zu Brandenburg bereitet sich das Dorf Bergholz (Kreis Vorpommern-Greifswald) auf ein besonderes Ereignis vor: Die Rückkehr der Störche. „Wir wollen Anfang März noch das Nest auswechseln, das alte Nest ist zu hoch“, sagte Bürgermeister Ulrich Kersten der Nachrichtenagentur dpa. Das Dorf war im Sommer 2013 in die Schlagzeilen geraten, weil ein scheinbar besonders rabiater Storch Autos, Fenster und Türen attackierte.

Experten vermuten, dass der Großvogel in den Spiegelbildern Rivalen sah.

„Das Problem ist, dass die Störche im Umfeld nicht genug Nahrung finden, dann im Dorf auf Nahrungssuche gehen und dort auf ihre Spiegelbilder reffen“, erklärte Jens Krüger vom Storchenpflegehof Papendorf bei Pasewalk. Störche bräuchten Wiesen und niedrige Kulturen, stattdessen nähmen Raps- und Maisanbau zu.

„Wir wollen aber trotz der Probleme 2013 wieder ein Storchenpaar“, stellte der Bürgermeister klar. Das schon mehr als eineinhalb Meter hohe Nest liegt auf einem Gittermast mitten im Dorf. Krüger schätzt das Nestgewicht auf etwa 500 Kilogramm. „Es könnte bei einem Sturm runterfallen, da wollen wir kein Risiko eingehen“, erläuterte Kersten. Für den Nestwechsel sei schwere Technik nötig, ein erster Versuch mit einem landwirtschaftlichen Hubwagen sei gescheitert.

Jetzt wollen Krüger und die Bergholzer zusammen das Nest wechseln, wie an mehreren anderen Standorten auch. „Als Verein sind wir da auf finanzielle Unterstützung angewiesen“, erklärte Krüger. Anders als in Westmecklenburg, wo die ersten „Rückkehrer“ schon gesichtet wurden, kommen die Störche in Vorpommern meist über die sogenannte Ostroute aus ihrem Winterquartier in Afrika. „Wir rechnen etwa Anfang April mit der Rückkehr“, sagte Krüger.

Dem wenig zimperlichen Großvogel werden in Bergholz Schäden an etwa zehn Autos, mehreren Haustüren und Terrassenfenstern „angelastet.“ Das führte sogar dazu, dass Einwohner ihre Scheiben mit Decken verhängten, Autos mit Zäunen absperrten und auch Reporter kamen. Allerdings ließ sich der entschlossene Storch zu dem Zeitpunkt meist nicht blicken. Trotzdem konnte das Storchenpaar drei Jungvögel großziehen. „Wir brauchen aber mehr niedrige Anbaukulturen im Umfeld oder auch Wiesen, damit Störche nicht im Ort auf Nahrungssuche gehen müssen“, forderte Krüger.Bergholz, wo seit Jahrzehnten Störche nisten, war kein Einzelfall.

Noch mindestens drei Fälle wurden der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz bekannt. Dazu zählten Dreilützow in Westmecklenburg und Wilkenstorf im Amt Neuhaus, das zu Niedersachsen gehört. Das Hauptproblem sei, dass niemand für Schäden aufkomme, hieß es.