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Übersicht Traumhochzeit: Mitgift 40 Millionen Euro?

Von Christoph Fox | 04.04.2008, 02:48 Uhr

Die geplante Fusion zwischen den Stadtwerken und der westmecklenburgischen Wemag soll vor allem eines bringen: Geld in die leere Rostocker Stadtkasse. Durch den Zusammenschluss wird geschickt der Verkauf eines Aktienpaketes umgangen.

Ob es eine glückliche Ehe wird, darüber streiten die Experten. Tatsache ist: Der Bräutigam Wemag, der derzeit die Rostocker Stadtwerke heftig umgarnt, wird für das Ja-Wort eine hohe Mitgift in die Verbindung einbringen müssen. In anderen Worten: Ob es zur Fusion kommt, hängt maßgeblich vom Preis ab, den der Energieriese Vattenfall als Hauptanteilseigner der Wemag bereit ist zu zahlen. Oberbürgermeister Roland Methling drückte diese Umstand noch auf der Bürgerschaftssitzung im März verklausuliert aus: „Es bestehen eventuell Möglichkeiten, ohne einen Verkauf von Aktien der Stadtwerke Rostock AG einen angemessenen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leiten.“ Die geplante Fusion wertete der Rathauschef als „Beitrag zur Vermögensaktivierung“.

Neuer Konzern: Vattenfall hat das Sagen
Wie und wann gezahlt wird, ist heute noch völlig unklar. Die Stadtwerke Rostock verweisen auf ein sehr frühes Stadium der Verhandlungen hin. Die Voraussetzungen sind allerdings bekannt: Durch einen Zusammenschluss der beiden Energieversorger gehen „die kleineren“ Stadtwerke als „Minderheitsgesellschafter“ in dem neuen Konzern auf. Dadurch wiederum würde die Hansestadt Rostock ihr Veto-Recht einbüßen. In Zahlen: Dem Stammkapital der Vattenfall-Tochter Wemag von 39 Millionen Euro steht ein Kapitalstock der Stadtwerke von 35 Millionen Euro gegenüber. Der schwedische Energieriese hält nicht nur 80,29 Prozent an der Wemag, sondern auch 12,55 Prozent an den Rostocker Stadtwerken, an denen die Hansestadt über eine Dachholding 74,9 Prozent der Aktien hält. „In dem zu gründenden Unternehmen hätte keiner eine absolute Mehrheit“, schildert Stadtwerke-Aufsichtsratschef Karl Scheube (SPD). 35 bis 39 Prozent wäre der Rostocker Anteil, Vattenfall würde weniger als 50 Prozent auf sich vereinigen. Damit ist klar: Eine Fusion macht die Schweden zum Hauptaktionär, Rostock hätte lediglich eine so genannte Sperrminorität.
 
Und dieses Zugeständnis soll etwas kosten. Im Gespräch ist ein einmaliges Brautgeschenk von Vattenfall. Insider sprechen von bis zu 40 Millionen Euro. Ausgehandelt werden könnte auch eine Auszahlungsgarantie über einen bestimmten Zeiterahmen. Denn die Stadtwerke finanzieren bisher mit ihren Gewinnen von zehn bis zwölf Millionen Euro im Jahr den ÖPNV in Rostock. Geld, das in dieser Höhe durch einen Zusammenschluss mit der Wemag eventuell in Gefahr wäre.

Diese Befürchtung treibt dienKritiker auf den Plan. Sybille Bachmann (Rostocker Bund) spricht von einem „verdeckten Verkauf“ der Stadtwerke. Kay-UIwe Nissen (CDU) sieht bei einem solchen Zusammengehen Vattenfall im Vorteil. Und die Linke tobt. „Das Eigentum bleibt, der Einfluss darauf sinkt“, kritisiert Fraktionschef Steffen Bockhahn.