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Ebola Training für den Ernstfall

Von Almut Kipp | 09.10.2014, 13:00 Uhr

Die Gefahr lauert beim Ausziehen der Schutzkleidung. „Das ist der kritische Punkt.

Die Gefahr lauert beim Ausziehen der Schutzkleidung. „Das ist der kritische Punkt. Beim Ausziehen darf man nicht mit der eigenen Haut an den Schutzanzug kommen“, erläutert Bundeswehr-Ärztin Dorothea Wiemer. „Ein bis zehn Ebola-Viren reichen für eine Infektion aus.“

Die Fachärztin für Tropenmedizin und Infektiologie am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg überwacht an diesem Nachmittag eine reguläre Weiterbildung von OP-Schwestern, Krankenpflegern und Sanitätskräften. Solch eine Schulung werden auch die freiwilligen Helfer erhalten, die sich zu einem Einsatz im Ebola-Gebiet Westafrikas gemeldet haben. Sie sollen von nächster Woche an in Hamburg dafür geschult werden.

„Die Schutzbrille lässt du beim nächsten Mal liegen. Du hilfst nicht mit beim Recycling“, mahnt die Ärztin Oberfeldwebel Dustin Opitz (23) aus Leer. Gerade hat ihn sein „Buddy“, sein Partner, dekontaminiert, Opitz noch im gelben Schutzanzug mit Desinfektionsmittel von allen Seiten abgespritzt und abgerieben. „Das Ebola- Virus kann man wunderbar desinfizieren. Es kaputtzumachen ist nicht das Problem, sondern dass man alle Viren erwischt“, erläutert die Ärztin. Sie hatte jüngst mit dem ersten eingeflogenen Ebola-Patienten in Hamburg, ein Arzt aus dem Senegal, zu tun. Er konnte nach fünfwöchiger Behandlung gesund entlassen werden.

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Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut, wo die Abteilung Tropenmedizin des Bundeswehrkrankenhauses beheimatet ist, ist eines von sieben Krankenhäusern in Deutschland mit einer Sonderisolierstation für hochinfektiöse Krankheiten. Ein Arzt aus Uganda liegt derzeit in Frankfurt am Main auf der Seuchenstation. Und das Klinikum St. Georg in Leipzig soll heute einen UN-Mitarbeiter aufnehmen, der aus Liberia eingeflogen wird.

Bei dem Kurs in Hamburg werden verschiedene Handhabungen in voller Montur geprobt – mehrere Ausbilder beobachten, was die Teilnehmer in ihrer „Ein-Mann-Sauna“ (Wiemer) hochkonzentriert leisten. Bei heißen Temperaturen wie in Westafrika könne eine Stunde im gelben Anzug, der aus Kunststoff besteht, gearbeitet werden, sagt Wiemer. Arbeit an Schwerstkranken sei physisch wie psychisch sehr anstrengend. „Das geht an niemandem spurlos vorüber“, sagt die Medizinerin und weiß zugleich: „Wir dürfen nicht den Zustand der Müdigkeit und Erschöpfung erreichen.“ Denn wenn Aufmerksamkeit und Konzentration nachlassen, steigt das Fehlerrisiko. „Besonders beim Ausziehen“, bekräftigt Wiemer. „Bei Ebola sind kleine Fehler unverzeihlich.“ Fachleute schließen daher nicht aus, dass sich die an Ebola erkrankte Madrider Pflegehelferin beim Entkleiden nach der Arbeit am Schwerkranken infiziert haben könnte. Mittlerweile wurden drei weitere Kolleginnen der infizierten Pflegehelferin in die Isolierstation einer Klinik in Madrid eingewiesen. Sie sollen zu dem Team gehören, das zwei mit Ebola infizierte Geistliche behandelt hatte. Beide Männer starben wenig später.

Trotz der Ebola-Infektion in Spanien stuft die EU-Kommission das Risiko in Europa weiter als gering ein. „Die Ebola-Krise ist eine Krise, die sich in einigen afrikanischen Ländern abspielt“, sagte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg gestern in Brüssel. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass so etwas in Europa passiere. Die europäischen Gesundheitssysteme seien „leistungsfähig und effektiv“.

Bis die ersten Freiwilligen aus Deutschland ihren Einsatz im Ebola-Gebiet aufnehmen, soll es eine Rettungskette geben. Helfer, die sich möglicherweise infiziert haben, werden auf jeden Fall in die Heimat zurückgeflogen, betonte gestern die Bundesregierung. Laut Ministerium hat die Bundeswehr bereits den Einbau von Isolierzellen in einen MedEvac-Airbus erprobt. Das Flugzeug wäre bereits in der kommenden Woche für den Rücktransport von Ebola-Infizierten ausgerüstet.

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Fragen & Antworten

Menschen, die sich mit dem Ebola-Virus infiziert haben, sind ansteckend, sobald sie erste Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Halsschmerzen zeigen. Das bedeute umgekehrt, dass die Menschen die Krankheit in der Inkubationszeit nicht weitergeben können. Diese Zeitspanne liegt zwischen zwei und 21 Tagen.

Blut, Fäkalien und Erbrochenes von Patienten sind die am stärksten infektiösen Substanzen. Außerdem wurde das Virus in Muttermilch, Urin und Sperma nachgewiesen. Vor allem bei Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium wurde das Virus zudem auch in Speichel und Tränen gefunden.

Das Virus gelangt durch die Schleimhäute in den Körper, beispielsweise durch Mund und Augen. Auch Wunden und Verletzungen sind mögliche Eintrittspunkte. Neben dem direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten besteht auch die Gefahr, sich durch kontaminierte Gegenstände zu infizieren, etwa durch Kleider von Erkrankten.

Eine Infektion mit dem Krankheitserreger durch kleine Tröpfchen in der Luft, ist nicht bestätigt worden, betont die WHO.