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Bevorzugt Finanzminister Rostock? „Torpedo gegen das Welterbe“

Von MSEI | 21.06.2017, 05:00 Uhr

Initiativen der Landeshauptstadt rebellieren gegen Stadtspitze und Land. Vorwurf an Finanzminister wegen Bevorzugung Rostocks

Die Herren sind ehrlich entrüstet: „Wir vermissen die Bereitschaft der Stadtspitze unserer Landeshauptstadt, für eine neue Buga zu kämpfen“, bringt Armin Jäger, früherer Innenminister, langjähriger Landtagsabgeordneter und Stadtvertreter, seinen Unmut auf den Punkt. Jäger engagiert sich als Vorsitzender des Vereins „Kultur und Gartensommer e.V“ für die Welterbe-Bewerbung seiner Stadt. Genauso wie Werner Hinz als Vorsitzender des Vereins „Pro Schwerin“. Beide Vereine entstanden in Folge der Buga 2009, die klargemacht habe, dass sich viele Menschen ehrenamtlich für ihre Stadt engagieren müssten, wenn sich etwas bewegen soll. „Wir reden ja nicht über ’ne nette Blümchenschau, mit der man der Stadt was Nettes beschert, sondern über nachhaltige Entwicklung“, sagt der frühere Banker Werner Hinz.

Wehmütig denken beide zurück an die Aufbruchstimmung vor zehn Jahren: „Damals hatten Stadt und Land gemeinsam einen Masterplan“, erinnert sich Jäger. Beide hatten ein Interesse, Infrastrukturprojekte geschickt mit Stadtentwicklung zu verbinden und dafür alle Möglichkeiten von Landes-, Bundes- und EU-Förderung zu kombinieren. „Der Unterschied zu heute ist: Damals gab es eine Landesregierung, die sich begeistern ließ und das Buga-Projekt mit einer interministeriellen Arbeitsgruppe unterstützte!“ Heute hätten die ehrenamtlich Engagierten der Landeshauptstadt den Eindruck, die Regierung habe gar kein Interesse.

Stattdessen scheine es in Rostock inzwischen „Netzwerke zu geben, die bestens funktionieren“, mutmaßt Hinz. Wie anders sei sonst zu erklären, dass etwa in Bezug auf das Archäologische Landesmuseum das Votum pro Rostock verbreitet wurde, noch bevor formal ein Beschluss gefallen war. „Da pflegt Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) ganz gut seine Hausmacht in seinem Wahlkreis“, unterstellt Jäger. Dass Rostock nun auch noch den Hut für die Buga in den Ring wirft, sei schon skurril, meint Ex-Banker Hinz: „Immerhin hat die Hansestadt schon eine IGA finanziell grandios in den Sand gesetzt!“

Brodkorb weist derlei Vorwürfe als völlig abwegig von sich: „Als Kultusminister habe ich mich dafür eingesetzt, dass das Staatliche Museum Schwerin einen Anbau erhält, das Schweriner Theater gerettet wird und das Land in dessen Trägerschaft einsteigt und habe die herzogliche Sammlung angekauft. Auch bei der Neuordnung der Kommunalfinanzen war es mir wichtig, dass wir einen Schuldenfonds auf den Weg bringen, von dem vor allem die Landeshauptstadt profitieren wird. Aufgabe eines Mitglieds der Landesregierung ist es, das gesamte Land im Blick zu behalten und nicht nur eine einzelne Region.“

Dass Rostock Chancen ergreift, die Schwerin liegen lasse, ist aus Sicht beider Vereinschefs völlig legitim. „Wir hätten auch nichts gegen gesunden Wettbewerb“, sagen sie unisono. Dass aber die Landeshauptstadt gar nicht mehr kämpfe, fuchst die Schweriner und nährt Vorurteile. Die Vereine wollten eine neuerliche Schweriner Buga als Hebel verstanden wissen – sowohl für eine integrierte Stadtentwicklung als auch für die Welterbe-Bewerbung. „Dazu hätte auch das Archäologische Landesmuseum gehört“, so Jäger. Die Vereine hätten der Stadtspitze sogar einen fertigen „Masterplan“ serviert, der darauf setze, ohnehin notwendige Infrastrukturmaßnahmen wie vor 2009 geschickt mit den Buga-Plänen zu verknüpfen und damit zugleich das Residenz-Ensemble auf die Welterbe-Bewerbung hin zu entwickeln. Das Konzept liege in der Schublade. Ein Gutachter habe die Sinnhaftigkeit bestätigt – aber entgegen anderer Absprachen habe sich die Stadt verweigert, vor jeglichen Gesprächen mit dem Land sich damit vertraut zu machen. „Das Ehrenamt wird von der Stadtspitze ignoriert“, klagen Hinz und Jäger. „Diese Ignoranz ist ein Torpedo gegen die Welterbe-Bewerbung“, sind sich beide sicher. Besonders fuchtig macht die Herren, dass mit CDU und Linke mindestens zwei Fraktionen informell Zustimmung bekundet hätten. „Aber unseres Wissens ist kein einziger Stadtvertreter aufgestanden und hat aufgeschrien!“

Vielleicht, so hoffen sie nun, macht die neue Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Tür noch einmal auf. „Alle Vereine stehen Gewehr bei Fuß! Wenn aber die Stadt ohne zu kämpfen aufsteckt, verstehen wir, wenn das Land keinen Grund für Anstrengungen sieht.“ Das aber, so die Ehrenamtschefs, „wäre so etwas wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod“.