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Rostock Tod auf der Arbeit: 172 Menschen starben seit 2000

Von Ulrike Dimitz/Thomas Volgmann | 23.03.2012, 10:31 Uhr

Ein 57-jähriger Baggerfahrer kam im November vergangenen Jahres bei Arbeiten am Fluss Trebel ums Leben.

Der Bagger war bei Nehringen im Landkreis Vorpommern-Rügen in die drei Meter tiefe Trebel gestürzt, wie die Polizei mitteilte. Der Fahrer aus Friedrichsmoor (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wurde von Feuerwehrtauchern geborgen. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Im September war ein Bauer in der Region Rostock von einer Färse angegriffen worden und später infolge seiner schweren inneren Verletzungen gestorben.

Die Zahl der Arbeitsunfälle in Mecklenburg-Vorpommern ist 2011 erstmals seit Jahren wieder angestiegen. Acht Menschen verunglückten bei der Arbeit tödlich - drei mehr als im Jahr zuvor. "Die meisten Arbeitsunfälle sind in den Branchen Bau, Land- und Forstwirtschaft zu verzeichnen", sagte Heiko Will, Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus). Von den 172 Menschen, die seit 2000 in Mecklenburg-Vorpommern bei Arbeitsunfällen starben, verunglückten 43 auf dem Bau. Stürze waren dabei die häufigste Todesursache. In der Land- und Forstwirtschaft kamen 32 Arbeiter ums Leben. Häufigste Unfallursachen waren Nichteinhalten von Vorschriften, Leichtsinn und Unachtsamkeit.

2010 hatte der anhaltende Abwärtstrend der Arbeitsunfälle im Nordosten mit fünf Toten zunächst seinen bisherigen Tiefststand erreicht. Zum Vergleich: 2002 starben 25 Menschen am Arbeitsplatz, 2008 immerhin noch 15. Ob der Anstieg der Unfallzahlen im vergangenen Jahr mit den steigenden Beschäftigungszahlen im Zusammenhang steht, lasse sich aufgrund der geringen Fallzahlen nicht beantworten, so eine Sprecherin des Landesgesundheitsamtes. Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) bezeichnet die Kontrollen vor Ort als wichtige Präventivmaßnahme: "Natürlich ist jeder schwere Arbeitsunfall einer zu viel. Die insgesamt geringe Zahl solcher Unfälle in den letzten Jahren zeigt aber die Wirksamkeit der Kontrollen durch das Lagus".

In 16 571 Fällen waren die Mitarbeiter des Lagus im Jahr 2010 vor Ort, um ihrem Überwachungs- und Beratungsauftrag nachzukommen. "Insgesamt waren bei den Überprüfungen 11 152 Beanstandungen zu verzeichnen", berichtet Lagus-Direktor Will.

Bundesweit stieg die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle 2010 erstmals wieder seit vier Jahren, 674 starben bei ihrer Arbeit, so der jüngste Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Der Anstieg könne zum Teil auf die wirtschaftliche Erholung zurückgeführt werden, schätzt die Bundesanstalt ein. "Wenn mehr Menschen Arbeitsplätze haben, können auch mehr Unfälle passieren", heißt es im Bericht. Der Anstieg war allerdings überproportional. Das zeigt sich am Verhältnis von Unfallzahlen im Vergleich zur Zahl der Arbeitsplätze.

Auch die Zahl der Arbeitsunfälle insgesamt stieg, um 7,3 Prozent, sie lagen 2010 bei 1 045 816. Bei Menschen, die wegen Krankheit früher in Rente müssen, spielen psychische Probleme eine wachsende Rolle. Ihr Anteil stieg auf 39,3 Prozent. An durchschnittlich 12,1 Tagen konnten die Beschäftigen wegen Krankheit oder Unfällen nicht arbeiten.

Die Zahl der Todesfälle durch Berufskrankheiten sank auf 2509 . Fast 20 Jahre nach dem Asbestverbot in Deutschland war dieser einst weit verbreitete Dämm- und Brandschutzstoff auch 2010 noch für 51,5 Prozent der tödlichen Berufskrankheiten verantwortlich.