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Wut über US-Luftangriffe Attacke auf US-Botschaft im Irak: Trump droht Iran mit Vergeltung

Von afp und dpa | 01.01.2020, 08:55 Uhr

In Bagdad stürmen Demonstranten auf das Gelände der US-Botschaft und verbrennen amerikanische Flaggen.

Mehrere Hundert Demonstranten haben am Dienstag die US-Botschaft in Bagdad angegriffen. Sie marschierten durch Kontrollposten, die den Zugang zur hochgesicherten Grünen Zone in der Stadt regeln, riefen "Tod Amerika", verbrannten US-Flaggen und rissen Überwachungskameras aus den Wänden, als irakische Sicherheitskräfte versuchten sie aufzuhalten, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass der US-Botschafter und seine Mitarbeiter evakuiert worden seien. Bereits im Mai hatte das US-Außenministerium aufgrund der angespannten Sicherheitslage im Irak Teile des Personals in der Botschaft in Bagdad und dem Konsulat in Erbil zeitweise abgezogen. Im September waren zwei Raketen in der Nähe des Botschaftsgeländes in Bagdad eingeschlagen.

Auf Fotos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Demonstranten Mauern der schwer geschützten Botschaft hinaufkletterten und Flaggen der schiitischen Volksmobilisierungseinheiten schwenkten. Videos der arabischen Fernsehsenders Al-Arabija zeigten, wie Demonstranten Feuer an den Außenmauern des Botschaftsgeländes legten und Brandsätze über die Mauern warfen.

In der besonders gesicherten sogenannten "Grünen Zone" im Stadtzentrum von Bagdad, in der sich zahlreiche Ministerien und Botschaften befinden, versammelten sich weitere Demonstranten und versuchten, in Richtung US-Botschaft zu marschieren. Augenzeugen berichteten, dass die irakischen Sicherheitskräfte die Menge zunächst nicht daran hinderten, in Richtung US-Botschaft zu marschieren. Erst später setzten Sicherheitskräfte Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Tödliche Vergeltungsschläge der US-Armee

Hintergrund ist die Wut vieler Iraker über tödliche US-Luftangriffe vom Wochenende, bei denen am Sonntag 25 paramilitärische Kämpfer getötet wurden.

Am Sonntag hatten die USA bei fünf Luftangriffen im Irak und in Syrien Einrichtungen der Miliz Kataib Hisbollah angegriffen. Dabei wurden 25 Menschen getötet und 50 weitere verletzt. Die vom Iran unterstützte Miliz kündigte Vergeltung für die Angriffe an. Die USA machen die Miliz für Angriffe auf US-Personal im Irak verantwortlich.

"Orchestriert" – Trump beschuldigt den Iran

US-Präsident Donald Trump macht den Iran für die Ausschreitungen an der US-Botschaft verantwortlich und droht mit Konsequenzen. Das irakische Militär müsse die Botschaft nun schützen, forderte Trump am Dienstag auf Twitter. "Jetzt orchestriert der Iran einen Angriff auf die US-Botschaft im Irak", schrieb Trump. Dafür würden die Iraner "voll zur Verantwortung" gezogen, erklärte er weiter.

Zudem drohte Trump mit Vergeltung. Jegliche Schäden oder Opfer würden dem Iran teuer zu stehen kommen, schrieb Trump am Dienstag bei Twitter. "Das ist keine Warnung, das ist eine Drohung. Frohes Neues Jahr!" schrieb Trump.

Zurückgetretener Regierungschef ruft zum Rückzug auf

Iraks zurückgetretener Regierungschef Adel Abdel Mahdi forderte die Demonstranten an der US-Botschaft in Bagdad auf, sich umgehend zurückzuziehen. Jedem Angriff auf ausländische Botschaften werde von den Sicherheitskräften hart begegnet, hieß es in einer Mitteilung des Regierungsbüros am Dienstag. Die irakische Regierung habe die amerikanischen Luftangriffe vom Sonntag bereits aufs Schärfste verurteilt, sagte Abdel Mahdi, der im November aufgrund anhaltender Proteste seinen Rücktritt bekanntgegeben hatte, aber noch die Amtsgeschäfte führt.

Iran wirft Deutschland "grundlose Unterstellungen" vor

Der Iran wirft Deutschland "grundlose Unterstellungen" im Zusammenhang mit der iranischen Rolle bei den Unruhen in Irak vor. "Deutschland verbreitet grundlose und unwahre Unterstellungen gegen den Iran, verschließt aber selbst die Augen vor den Einmischungen der USA in die inneren Angelegenheiten (des Iraks)", twitterte Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Dienstag. "Mit einer solchen politischen Einstellung schwächt Berlin seine Glaubwürdigkeit, ernsthaft eine konstruktive Rolle für die Stabilität und den Frieden in der Region) spielen zu wollen, so der Sprecher.

Das Auswärtige Amt hatte am Montag den Angriff auf Truppen der Anti-IS-Koalition im Irak, bei denen ein US-Amerikaner getötet und mehrere amerikanische und irakische Soldaten verletzt wurden, verurteilt. Das AA forderte zugleich den Iran auf, seine "Politik der regionalen Destabilisierung" zu beenden, da "die steigende Zahl von Angriffen durch nicht-staatliche Milizen" die Stabilität des Iraks gefährde.